Sanierungsgebiet Spinelli Barracks
Ausgangslage
2010 wurde bekannt, dass die US-Behörden einen Großteil ihrer Militärstandorte in Mannheim aufgeben wollen, u.a. die Flächen der Spinelli Barracks zwischen den Stadtteilen Feudenheim und Käfertal. Ende des 2. Weltkrieges wurde die ehemalige Pionier-Kaserne von den Amerikanern übernommen und hauptsächlich als Depot- und Lagereinrichtung sowie zu Wartungszwecken mit einem entsprechend großen Hallenbestand genutzt. 2014 wurde das Gelände an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zurückgegeben und damit der Weg für eine zivile Nachnutzung frei gemacht. Im April 2020 wurden die Flächen gemeinsam von der Stadt Mannheim, der GBG-Unternehmensgruppe und der MWS-Projektentwicklungsgesellschaft mbH (beides städtische Tochtergesellschaften) für die weitere Entwicklung von der BImA erworben.
Sanierungsziel(e)
Das ehemalige Militärareal ist aufgrund seiner Lage langfristig als großzügiger Freiraum zum Lückenschluss des „Grünzugs Nordost“ vom Luisenpark über die Vogelstang Seen hinaus und als Frischluftkorridor für den inneren Stadtkörper vorgesehen. Hierfür wurde nach gutachterlicher Beurteilung der komplette Hallenbestand zurückgebaut, um Frischluftbarrieren zu beseitigen.
In den nördlichen Randbereichen wird Käfertal Süd zur Schaffung attraktiver Wohnbauflächen behutsam arrondiert. Am Wingertsbuckel ist die Entwicklung eines Gebietes mit einem Nutzungsmix aus Freizeit, Kultur, Bildung, Gewerbe und Wohnen sowie einem städtischen Betriebshof vorgesehen. Geplant sind rd. 2.000 neue (teils öffentliche geförderte) Wohnungen.
Darüber hinaus dienten weite Teile des ehemaligen Militärareals zweitweise von April bis Oktober als Kernfläche für die Bundesgartenschau 2023 in Mannheim.
Einzelmaßnahmen im Überblick
- Herstellung der Parkschale Käfertal (öffentliche Sport- und Freizeitfläche)
- Teilabbruch, Sanierung und Umnutzung der U-Halle
- Bau eines Geh- und Radweges entlang der Straße „Am Aubuckel“
Eckdaten
| Vorbereitende Untersuchungen | 31.01.2012 |
| Beschluss Sanierungssatzung | 25.07.2017 (Gebietsgröße: 90 ha) |
| Rechtskraft mit Veröffentlichung | 03.08.2017 (Amtsblatt Stadt Mannheim) |
| Förderprogramm | Zukunft Stadtgrün (SGP) bis 2019, Wachstum und nachhaltige Erneuerung (WEP) ab 2020 |
| Aufnahmejahr | 2019 |
| Bewilligungszeitraum | 01.01.2019 - 30.04.2028 |
| Bewilligte Fördermittel | 18,7 Mio. € |
Beschreibung und Stand der Einzelmaßnahmen
Herstellung der Parkschale Käfertal
Die Parkschale Käfertal ist der freiraumplanerische Übergang vom Städtebau im Norden des Areals und den weiträumigen Landschaftsflächen des Grünzuges Nordost. Mit den Arbeiten zur Gestaltung wurde im August 2020 begonnen. Die Parkschale wurde als multifunktionale Grün-, Freizeit, Aufenthalts-, Spiel- und Sportfläche ausgestaltet und bis zum Beginn der BUGA im April 2023 fertiggestellt. Angeregt von großen Mannheimer Erfindungen wie Traktor und Auto, Luftschiff und Aufzug, entstand ein Spiel- und Entdeckungspark für alle Generationen.
Teilabbruch, Sanierung und Umnutzung der U-Halle
Teile der U-Halle wurden in zwei Schritten zurückgebaut. Dabei blieben Tragwerk und Bodenplatte erhalten und wurden zwecks Nachnutzung saniert. In Teilsegmenten wurden die Dach- und Fassadenflächen entfernt. Bis zur BUGA wurde das tragende Stahl- und Betonträgergerüst von einer Fläche von rd. 20.000 m² auf rd. 11.800 m² zurückgebaut. Die freigelegten Hallenbereiche werden neugestaltet und temporär für Ausstellungszwecke genutzt. Nach Ende der BUGA wurden drei weitere Hallen abgebrochen, sodass noch rd. 8.000 m² der früheren Hallenflächen erhalten bleiben, auf denen teilweise PV-Anlagen installiert wurden.
Insgesamt blieben sechs Hallenbereiche erhalten. Eine Halle beherbergt das sogenannte „Lapidarium“, in der historische Skulpturen und Bauteile denkmalgeschützter Gebäude ausgestellt werden, zwei Hallen werden für gastronomische Zwecke genutzt. Für die restlichen drei Hallen wird derzeit ein Museums-Konzept erarbeitet, welches die U-Halle zu einem Ort für Bildung, Begegnung und Bewegung machen soll. Einerseits sind Dauerausstellungen zu Energie und ein Cold-War-Museum als Anker vorgesehen, andererseits sollen moderne und regelmäßig wechselnde Ausstellungen für Attraktivität sorgen. Dabei sollen modernste digitale Technologien (z.B. AR, VR, Hologramme und Touchscreens) für ein interaktives und immersives Ausstellungserlebnisse sorgen.
Bau eines Geh- und Radweges
Im Zuge der Herstellung des BUGA-Geländes ist der im Süden gelegene Gehweg entlang der Straße „Am Aubuckel“ entfallen, da die Flächen in das BUGA-Gelände integriert wurden. Bis zum Beginn der BUGA wurde daher auf der gegenüberliegenden Straßenseite entlang der „Feudenheimer Au“ ein neuer Geh- und Radweg hergestellt.
Sonderabschreibungen im Sanierungsgebiet
Im Sanierungsgebiet Spinelli Baracks besteht für Hauseigentümer die Möglichkeit, Kosten für Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung steuerlich gelten zu machen (§ 7h, 10f, 11a EStG):
- Bei vermieteten Gebäuden oder Wohnungen können die steuerlich begünstigten Kosten auf zwölf Jahre verteilt zu 100 % abgeschrieben werden (im Jahr der Herstellung und in den folgenden sieben Jahren jeweils 9%, in den folgenden vier Jahren jeweils 7%).
- Bei Gebäuden oder Wohnungen, die vom Eigentümer selbst bewohnt werden, reduziert sich der Abschreibungsbetrag auf 90% (zehn Jahre zu 9%).