Grünzug Nordost

Die Vision eines radialen Grünsystems verfolgt die Stadt Mannheim bereits seit Jahrzehnten. Mit dem Freiwerden der Militärflächen eröffnet sich nun die Chance, diese planerisch umzusetzen. Das Freiraumkonzept Mannheim² greift die Idee des Grünsystems wieder auf und konkretisiert sie. Die Realisierung des Grünzugs Nordost ist der erste Schritt zur Umsetzung dieser stadtplanerischen Vision.

Die Konversionsfläche Spinelli stellt zurzeit noch eine unüberwindbare Barriere innerhalb des Grünzugs Nordost dar. Durch die Freiräumung und Entwicklung des Geländes entsteht ein großzügiger, durchgängiger Grünzug, der vom Luisenpark aus über den Sportpark, die Feudenheimer Au, das Spinelli-Areal, die Vogelstangseen bis in die Region reicht. Fast drei Viertel der Fläche werden künftig grün und sorgen so für mehr Frischluft und Lebensqualität für die Menschen in Mannheim. Auf dem verbleibenden Viertel entsteht ein neues Wohnquartier, welches an die bestehenden Strukturen des Stadtteils Käfertal anknüpft (Städtebauliche Entwicklung Käfertal Süd).

Ein Teil des Grünzugs wird zum Kerngelände der Bundesgartenschau 2023 werden. Diese dient als Impulsgeber zur Realisierung des Grünzuges, indem sie Fördermittel generiert und einen Realisierungszeitpunkt festlegt.

Aktuelle Informationen zum Grünzug Nordost und zur Bundesgartenschau Mannheim 2023 finden Sie unter www.buga23.de

Ziele der Planung

Ziel der Planung ist es, einen circa 220 Hektar großen, durchgängigen Grünzug zu entwickeln, indem das Militärgelände Spinelli zurückgebaut und in die bestehende Stadtstruktur integriert wird. Die Flächen werden ökologisch aufgewertet und bieten dadurch attraktive Lebensräume für Menschen, Pflanzen und Tiere. Die Biotopvernetzung spielt dabei eine wichtige Rolle. Des Weiteren wird der Grünzug auch der Kaltluftentstehung und Frischluftversorgung für die angrenzenden Siedlungsbereiche dienen und damit einen wesentlichen Beitrag zur klimaoptimierten Stadtentwicklung leisten. Die Siedlungsränder werden zu einer klaren Stadtkante ausgebaut und darüber hinaus werden Räume für Naherholung, Sport und Freizeit geschaffen. Zuletzt ist es Ziel, eine Bundesgartenschau 2023 auf einem Teil des ehemaligen Militärgeländes Spinelli auszurichten.

Konzept

Der Entwurf des Büros für Landschaftsarchitektur RMP – Stephan Lenzen erstreckt sich vom Neckar über den Sportpark, die Feudenheimer Au, die Spinelli Barracks bis zum Bürgerpark. Ziel des Konzeptes ist ein offener, weiträumiger Landschaftspark mit verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten. Ein Radschnellweg umgibt den gesamten Planungsraum und wird von einer Fußgängerpromenade flankiert. Weitere Wege in der Mitte des Grünzugs untergliedern die Fläche. Im Übergang zu den Siedlungsbereichen entsteht ein Parksaum mit einer intensiven Nutzung.

 

Ein Großteil des Spinelli-Areals und der Feudenheimer Au werden zu Lebensräumen für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Durch den Rückbau nahezu aller militärischen Zweckbauten auf Spinelli und die Entsiegelung der ehemaligen Kasernenfläche entsteht der für die gesamte Stadt so wichtige Frisch- und Kaltluftkorridor. Die U-Halle bleibt teilweise erhalten und wird für sportliche und kulturelle Events ausgebaut. Am nördlichen Rand der Feudenheimer Au ist ein großes grundwassergespeistes, naturnahes Gewässer mit Steg und Aussichtsplattform vorgesehen.

 

Die wesentlichen Maßnahmen im Grünzug Nordost sind:

  • Neubau eines Radschnellweges
  • Anlage eines großen Gewässers
  • Aufwertung ökologischer Strukturen
  • Anlage eines extensiven Landschaftsparks
  • Schaffung eines intensiv genutzten Parksaums
  • Errichtung von vier Brückenbauwerken
  • Errichtung einer Aussichtsplattform
Planungsprozess

Mit Blick auf den voranschreitenden Freizug der Mannheimer Konversionsflächen wurde im Jahr 2012 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die sich mit der Möglichkeit der Entwicklung eines Grünzugs Nordost und einer Bundesgartenschau 2023 auf Spinelli auseinandersetzte. Die Ergebnisse wurden noch im selben Jahr vorgestellt. Ein Jahr später folgten der Gemeinderatsbeschluss sowie der Bürgerentscheid für die Durchführung der Bundesgartenschau. Zu deren Planung und Umsetzung wurde im Jahr 2014 die Mannheimer Bundesgartenschau-Gesellschaft gegründet.

 

Im Rahmen von vier offenen Bürgerplanungsgruppen, bestehend aus Bürgern, Verwaltung, Verbänden und Politik wurden Eckpunkte entwickelt, die mit Gemeinderatsbeschluss zur Grundlage einer Wettbewerbsausschreibung gemacht wurden. Der offene landschaftsplanerische und städtebauliche Ideen- und Realisierungswettbewerb für den Grünzug Nordost und die Bundesgartenschau 2023 wurde im Jahr 2014 durch die Stadt Mannheim ausgelobt. Die Siegerbüros wurden im Anschluss mit der Ausarbeitung der Entwürfe beauftragt.

 

Mit der Leitentscheidung zum Grünzug Nordost im Jahr 2017 durch den Gemeinderat ging der Auftrag an die Verwaltung und die Bundesgartenschau-Gesellschaft Planungen zu den einzelnen Teilprojekten auszuarbeiten. Der Radschnellweg wurde Anfang 2019 durch den Gemeinderat in einer gesonderten Vorlage genehmigt.

Ideen- und Realisierungswettbewerb

Im Jahr 2014 hat die Stadt Mannheim einen offenen landschaftsplanerischen und städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerb für den Grünzug Nordost und die Bundesgartenschau 2023 ausgelobt. Die Gestaltungsaufgabe lautete: Entwicklung eines ca. 230 Hektar großen Grünzugs und eine behutsame bauliche Arrondierung des bereits bestehenden Stadtteils Käfertal-Süd.
Darüber hinaus sollte eine Ausstellungskonzeption für den Bereich der Bundesgartenschau 2023 ausgearbeitet werden.

 

An dem zweistufigen Wettbewerb beteiligten sich 34 Landschafts- und Stadtplanungsbüros aus ganz Europa. Das Preisgericht setzte sich aus 50 Mitgliedern aus Fachplaner/innen sowie Vertreter/innen der Bürgerschaft, Politik und Verwaltung zusammen. Das Büro Studio Wessendorf aus Berlin wurde für den Städtebau und das Büro RMP Landschaftsarchitekten für den freiraumplanerischen Teil mit dem ersten Preis prämiert. Letzteres wurde im Nachgang mit der Ausarbeitung des freiraumplanerischen Konzeptes und des Ausstellungsprogramms für die Bundesgartenschau beauftragt.

Sachstand und Ausblick

Im Februar 2019 wurde der erste Spatenstich gemacht und damit der Rückbau des westlichen Teils der Spinelli Barracks eingeläutet. Der östliche Teil soll ab Winter 2019 folgen. Die Baumaßnahmen werden durchgängig durch Artenschutzmaßnahmen begleitet. Früh einigten sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), vertreten durch das staatliche Hochbauamt Heidelberg (HBA), und die Stadt Mannheim ein gemeinsames Artenschutzkonzept zu entwickeln. Dabei stand der Gesamtprozess der einzelnen Maßnahmen Rückbau Spinelli, Neubau des Grünzugs Nordost und Städtebau stets im Fokus.

 

Die Spinelli Barracks umfassen sowohl städtische, private, als auch bundeseigene Flächen. Voraussetzung für die weiteren Arbeiten ist der Fortschritt der Verkaufsverhandlungen mit der BImA und den einzelnen Grundstückseigentümern. Die Verhandlungen sollen voraussichtlich noch 2019 abgeschlossen werden. Der südöstliche Teil der Fläche wird aktuell zur Flüchtlingsunterbringung genutzt, bis Ende 2019 soll diese jedoch aufgegeben werden.

 

Die ersten Geländemodellierungen und Baumpflanzungen im Bereich des Parksaums im nördlichen Bereich des Grünzugs Nordost beginnen bereits im Oktober 2019. Anfang 2020 wird der offizielle Bau des Grünzugs Nordost im Bereich des Spinelli-Areals starten, da bis zur Eröffnung der Bundesgartenschau im April 2023 dieser Bereich fertiggestellt sein soll.

 

Wichtige Downloads