Städtebauliche Entwicklung Käfertal Süd (Spinelli)

Am Samstag, den 21. September 2019, ab 14.00 Uhr findet eine Bürger-Informationsveranstaltung zum Thema "Mobil auf Spinelli" in der U-Halle auf dem Gelände der Spinelli Barracks statt. Weitere Informationen können Sie dem Veranstaltungsflyer entnehmen.

Mannheim ist bunt und wächst stetig. Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt das Ziel gesetzt, ein neues attraktives und vielfältiges Wohnraumangebot zu schaffen.

Bis 2025 wird für Mannheim eine Nachfrage von rund 10.400 Wohnungen prognostiziert, wie es in der Vorlage „Wohnungspolitische Strategie und 12-Punkte-Programm zum Wohnen für Mannheim“ ausführlich dargestellt ist. Allein durch die Konversion der ehemaligen Militärflächen werden fast 75 Prozent der Nachfrage abgedeckt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf kostengünstigen Wohnungen, die mit einer Quote von mindestens 30 Prozent einen maßgeblichen Anteil am Wohnraumangebot ausmachen sollen. Die Vorlage dazu wurde im Juni 2017 durch den Mannheimer Gemeinderat beschlossen und gilt in der wohnungspolitischen Debatte als wegweisend.

Mit der Schaffung eines neuen Wohnquartiers auf Spinelli nördlich des Grünzugs Nordost reagiert die Stadt Mannheim aber nicht nur auf den wachsenden Wohnraumbedarf. Ein wesentliches Ziel ist es, den Siedlungsrand in Käfertal Süd zu arrondieren und damit die uneinheitliche Stadtkante zum Grünzug Nordost zu reparieren. Die Siedlungsbereiche sollen dadurch enger mit der Parklandschaft vernetzt werden. Darüber hinaus soll das neu entstehende Wohnquartier einen Beitrag zur Klimaökologie leisten.

 

Planungsprozess

Im Jahr 2014 wurde auf Grundlage der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie Grünzug Nordost und Bundesgartenschau 2023 ein offener landschaftsplanerischer und städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgelobt. Das Studio Wessendorf, Sieger des städtebaulichen Teils, wurde im Anschluss mit der Ausarbeitung eines städtebaulichen Konzeptes beauftragt. Zeitgleich begann die Ausarbeitung des Städtebaulichen Rahmenplans, der als Grundlage für die spätere Bauleitplanung dient.

 

Im Kontext des Rahmenplanprozesses fanden seit 2016 mehrere Werkstattgespräche zu den zukunftsrelevanten Themen Städtebau, Wohnbauprogramm, Qualitätssicherung, Ökologie, Klima, Mobilität, soziale Infrastrukturen, Gemeinschaft und Stadtteilkultur statt. Zudem wurde im Jahr 2017 der Runde Tisch Spinelli als begleitendes politisches Gremium einberufen. Ziel des Gremiums war es, in regelmäßigen Sitzungen über den aktuellen Sachstand zu berichten. Darüber hinaus gab es weitere Veranstaltungsformate, mit deren Hilfe Bürger- und Anwohnerschaft sowie spezielle Zielgruppen wie Jugendliche in den Planungsprozess eingebunden wurden. Ergebnis: Es wurde ein ambitioniertes Programm für ein Quartier in Kooperation mit der BUGA23 und der IBA Heidelberg entwickelt.

 

Der Städtebauliche Rahmenplan Spinelli wurde im Jahr 2018 durch den Gemeinderat mehrheitlich beschlossen.

Ideen- und Realisierungswettbewerb

Die Gestaltungsaufgabe des Wettbewerbes beinhaltete die Entwicklung eines ca. 230 Hektar großen Grünzugs und eine behutsame bauliche Arrondierung des bereits bestehenden Stadtteils Käfertal-Süd. Darüber hinaus sollte eine Ausstellungskonzeption für den Bereich der Bundesgartenschau 2023 ausgearbeitet werden.

 

An dem zweistufigen Wettbewerb beteiligten sich 34 Landschafts- und Stadtplanungsbüros aus ganz Europa. Ein rund 50-köpfiges Preisgericht – zusammengesetzt aus Fachplaner/innen sowie Vertreter/innen der Bürgerschaft, Politik und Verwaltung - prämierte neben dem Büro für Freiraumplanung RMP Landschaftsarchitekten auch das Studio Wessendorf aus Berlin mit dem ersten Preis für den Städtebau. Beide Büros wurden im Nachgang mit der Ausarbeitung eines konkretisierenden Konzeptes beauftragt.  

Städtebauliches Konzept

Das städtebauliche Konzept sieht gemäß der in 2014 vom Gemeinderat beschlossenen Auslobung ein neues Wohnquartier im Norden des Grünzugs Nordost vor, dessen Struktur aus der bestehenden, angrenzenden Bebauung Käfertal Süd weiterentwickelt wird. Auf einer Länge von 1,5 Kilometern zwischen der Wachenheimer Straße im Westen und dem Quartier „Im Rott“ im Osten werden die uneinheitlichen Siedlungsränder behutsam erweitert und zu einer klaren “Stadtkante“ ausgebildet.

 

Das neue Quartier ist geprägt durch eine Mischung aus Ein- und Mehrfamilienhäusern. Daneben sollen experimentelle Wohnformen Platz finden, die innovatives, urbanes Wohnen ermöglichen und Wege der Kombinierbarkeit von Arbeiten und Wohnen aufzeigen. In Mitten des Wohnquartiers entstehen ein neues Quartierszentrum, eine Grundschule sowie Einrichtungen für Kinderbetreuung.

 

Die Wohngebiete werden über einen vorgelagerten, intensiv genutzten Parkbereich mit den Freiflächen des Grünzugs Nordost verbunden. Attraktive Orte und Wege am Parkrand sowie die bioklimatisch günstige Lage schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität.

 

Neue Wegeverbindungen werden Käfertal Süd mit den umgebenen Stadtteilen verknüpfen. Eine besonders wichtige Funktion nimmt hierbei der Völklinger Weg ein, der die Verbindungsachse für Radfahrer und Fußgänger zwischen Käfertal und Käfertal Süd über die B38 sowie weiter nach Feudenheim über das Spinelli-Gelände bildet. Zusätzlich soll das neue Wohngebiet ein innovatives Erschließungs- und Mobilitätskonzept erhalten.

Städtebaulicher Rahmenplan

Ein Quartier zu planen und zu bauen, ist eine höchst anspruchs- und verantwortungsvolle Aufgabe. Deshalb wurde auf Grundlage des Städtebaulichen Leitbildes durch die Projektgruppe Konversion ein Rahmenplan entwickelt.

 

Der Rahmenplan setzt sich aus verschiedenen Themenfeldern, wie Klimaökologie, Artenvielfalt, Energie, Städtebau und soziale Vielfalt zusammen. Die einzelnen Themen beeinflussen sich gegenseitig und wurden deshalb im Planungsprozess gleichermaßen berücksichtigt.

 

Dieser dient als konzeptioneller Leitfaden, der die Entwicklungsrichtung für die neue Bebauung im Bereich Käfertal Süd/Im Rott vorgibt. Mit dessen Hilfe sollen ein frühzeitiger Konsens gefunden und die Interessen aus Bürgerschaft und Politik zur städtebaulichen Qualitätssicherung integriert werden. Darüber hinaus gibt der Rahmenplan die Inhalte für die weiteren Planungs- und Umsetzungsschritte und die formale Bauleitplanung vor. Sowohl die Ergebnisse aus der begleitenden Bürgerbeteiligung als auch die Planungen unter Beteiligung von Expertinnen und Experten, Verwaltung und Politik sind darin berücksichtigt.

 

Der Rahmenplan wurde im Oktober 2018 durch den Gemeinderat beschlossen.

Wohnprogramm

Auf dem Spinelli-Gelände sowie den angrenzenden Flächen sollen insgesamt 1.800 Wohneinheiten für bis zu 4.500 Einwohner entstehen. Ziel ist eine lebendige Vielfalt mit einem breiten Spektrum an zukunftsfähigen Wohnformen für alle Bevölkerungsgruppen der Mannheimer Gesellschaft. Darunter sind Formen wie konventionelles, gemeinschaftliches, soziales oder inklusives Wohnen denkbar. Um diese Mischung zu erreichen, wird eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnungsmarktakteure angesprochen. Dazu zählen Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften, Bauträger, private Bauherren, gemeinschaftliche Wohnprojekte und Baugemeinschaften. Für das Wohnprogramm wird außerdem ein Anteil von 70 Prozent Mehrfamilienhäusern zu 30 Prozent Einfamilienhäusern angestrebt. Der preisgünstige Wohnraum sollte dabei mindestens 30 Prozent ausmachen.

 

Die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP ist für die Entwicklung und Vermarktung des Wohngebiets zuständig.

Sachstand und Ausblick

Im Februar 2019 begann mit dem ersten Spatenstich der Rückbau des westlichen Teils der Spinelli Barracks. Der östliche Teil soll ab Winter 2019 folgen. Die Baumaßnahmen werden durchgängig durch Artenschutzmaßnahmen begleitet. Früh einigten sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), vertreten durch das staatliche Hochbauamt Heidelberg (HBA), und die Stadt Mannheim ein gemeinsames Artenschutzkonzept zu entwickeln. Dabei stand der Gesamtprozess der einzelnen Maßnahmen Rückbau Spinelli, Neubau des Grünzugs Nordost und Städtebau stets im Fokus.

 

Die Spinelli Barracks umfassen sowohl städtische, private, als auch bundeseigene Flächen. Voraussetzung für die weiteren Arbeiten ist also der Fortschritt der Verkaufsverhandlung mit der BImA und den einzelnen Grundstückseigentümern. Die Verhandlungen sollen voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Der südöstliche Teil der Fläche wird zurzeit noch zur Flüchtlingsunterbringung genutzt, bis Ende 2019 soll diese jedoch aufgegeben werden.

 

Im März 2019 fand ein erstes Treffen mit potenziellen Investoren für das neue Modellquartier Spinelli statt. Bis Ende März hatten die Investoren Zeit sich zu bewerben. Daraus ergab sich ein Pool aus mehr als 30 Bewerbern. Gesucht werden insbesondere Büros, die den speziellen Anforderungen an ein zukunftsfähiges Wohnquartier gerecht werden. Nun wird nach Konzeptvergabe entschieden, wer für die erste Bauphase zum Zuge kommt.

 

Im Sommer 2019 wird es eine Bürger-Informationsveranstaltung mit dem Themenschwerpunkt Mobilität Spinelli Nord geben. Der Billigungsbeschluss für den Bebauungsplan ist im späten Frühjahr 2020 vorgesehen, der Satzungsbeschluss soll Ende 2020 folgen. Danach werden die ersten Baumaßnahmen beginnen, denn bis zur Eröffnung der BUGA23 im April 2023 muss der erste Bauabschnitt fertiggestellt sein. Für die Zeit der Ausstellung werden die Baumaßnahmen eingestellt. Erst danach folgen weitere Bauabschnitte.

 

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