Biodiversitätsstrategie
Kommunale Biodiversitätsstrategie für Mannheim
Die Stadt Mannheim setzt ein starkes Zeichen für Natur- und Umweltschutz sowie eine nachhaltige Stadtentwicklung: Nach der Empfehlung durch den Ausschuss für Umwelt und Technik hat nun der Gemeinderat die kommunale Biodiversitätsstrategie verabschiedet. Damit liegt erstmals ein umfassender Rahmen vor, um die biologische Vielfalt im Stadtgebiet gezielt zu schützen, zu fördern und langfristig zu sichern.
Die Strategie wurde in einem breit angelegten Beteiligungsprozess gemeinsam mit Bürgerschaft, Umweltverbänden, verschiedenen Dienststellen sowie unterschiedlichen Stakeholdern entwickelt. Ziel ist es nun, konkrete Maßnahmen umzusetzen und gleichzeitig möglichst viele Menschen in Mannheim zu motivieren, sich aktiv für den Erhalt der Biodiversität einzusetzen.
„Biologische Vielfalt ist die Grundlage für funktionierende Ökosysteme und damit auch für unsere Lebensqualität in der Stadt, denn Vogelgezwitscher und Fledermäuse gehören auch zu einer vielfältigen Stadt. Mit der beschlossenen Strategie schaffen wir die Basis, um Mannheim noch lebenswerter und klimaresilienter zu gestalten“, betont Erste Bürgermeisterin Prof. Dr. Diana Pretzell.
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Die Biodiversitätsstrategie umfasst verschiedene Handlungsfelder:
- Urbane Vielfalt
Das Handlungsfeld „Urbane Vielfalt“ richtet den Fokus auf die bebauten Siedlungsbereiche Mannheims. Ziel ist es, Grün- und Freiflächen ökologisch aufzuwerten und die biologische Vielfalt auch im stark versiegelten Stadtgebiet zu fördern. Gleichzeitig leisten die Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur naturbasierten Klimaanpassung, indem sie Überhitzung reduzieren, das Mikroklima verbessern und die Aufenthaltsqualität erhöhen.
- Artenschutz
Der Schutz und die Förderung heimischer Tier- und Pflanzenarten sind zentrale Bestandteile der Biodiversitätsstrategie. Artenreiche Lebensräume sichern Nahrungsquellen, erhalten ökologische Wechselwirkungen und stärken die genetische Vielfalt. Damit trägt das Handlungsfeld nicht nur zum Erhalt einzelner Arten bei, sondern unterstützt die Vielfalt ganzer Ökosysteme. Gleichzeitig erhöhen artenreiche Ökosysteme ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels und leisten so einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft.
- Landwirtschaft
Die Landwirtschaft prägt das Landschaftsbild und hat einen entscheidenden Einfluss auf die biologische Vielfalt. Eine nachhaltige und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung schafft Lebensräume für Tiere und Pflanzen und stärkt die Vernetzung von Lebensräumen. Neben Hecken, Blühstreifen und anderen Strukturlementen tragen insbesondere flächige Naturschutzmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen zur Förderung der Artenvielfalt bei. Die Stadt Mannheim unterstützt diese Entwicklung bereits durch Vorgaben in Pachtverträgen, die eine nachhaltige Bewirtschaftung und den Schutz der Biodiversität fördern.
- Gewässerentwicklung
Gewässer und ihre Ufer- und Auenlandschaften zählen zu den artenreichsten Lebensräumen in Mannheim. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause, regulieren den Wasserhaushalt und schaffen wertvolle Erholungsräume für die Bevölkerung. Durch Renaturierungen und ökologische Aufwertungen werden Flüsse, Bäche und Auen naturnäher gestaltet, ihre ökologische Qualität verbessert und neue Lebensräume geschaffen. So leisten gesunde Gewässer einen wichtigen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt.
- Wald
Der Mannheimer Stadtwald ist ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und zugleich ein wichtiger Erholungsraum für die Bevölkerung. Als „grüne Lunge“ der Stadt trägt er mit seinen vielfältigen Funktionen zur Verbesserung des Klimas, zur Speicherung von Wasser und Kohlenstoff sowie zur Luftreinigung bei. Um diese Leistungen langfristig zu sichern, wird der Stadtwald schrittweise zu einem klimaresilienten, artenreichen und ökologisch wertvollen Mischwald weiterentwickelt.
- Wildtiermanagement
Mannheim ist Lebensraum für zahlreiche Wildtiere, die sich an das Leben in der Stadt angepasst haben. Das urbane Wildtiermanagement fördert ein konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Tier, indem es informiert, berät und bei Herausforderungen unterstützt. Gleichzeitig werden Wildtierbestände beobachtet und dokumentiert, um Entwicklungen besser zu verstehen und geeignete Maßnahmen zum Schutz von Mensch und Natur zu entwickeln. Auch Bürgerinnen und Bürger können durch die Meldung von Wildtierbeobachtungen einen wichtigen Beitrag leisten.
Neben den sechs Handlungsfeldern gibt es Aspekte, die in mehreren Handlungsfeldern eine Rolle spielen. Diese werden zu drei Querschnittsthemen zusammengefasst: Umweltbildung, Naturästhetik sowie invasive Arten.
Die Querschnittsthemen im Überblick:
- Umweltbildung
Die Umweltbildung schafft Bewusstsein für die Bedeutung der Natur, vermittelt Wissen über ökologische Zusammenhänge und fördert umweltbewusstes Handeln. Besonders durch Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) werden Menschen dazu befähigt, Verantwortung für den Schutz der biologischen Vielfalt zu übernehmen. Gleichzeitig stärkt sie das ehrenamtliche Engagement, ermöglicht Naturerfahrungen – insbesondere für Kinder und Jugendliche – und trägt so zur körperlichen und geistigen Entwicklung bei.
In Mannheim gibt es bereits zahlreiche Umweltbildungsangebote, etwa die Grüne Schule im Luisenpark oder der jährliche Tag der Artenvielfalt. Führungen, Exkursionen und Workshops ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, die Natur der Stadt besser kennenzulernen und aktiv zu erleben.
- Naturästhetik
Grünflächen, Bäume sowie Dach- und Fassadenbegrünungen im urbanen Raum erfüllen verschiedene Funktionen zugleich: Sie dienen der Erholung, müssen klimatischen Herausforderungen wie Hitze und Trockenheit standhalten und tragen zum Erhalt der Biodiversität bei, indem sie Lebensräume und Nahrungsquellen für Tiere bieten.
Gleichzeitig spielt die Gestaltung eine wichtige Rolle für die Akzeptanz in der Bevölkerung. Ziel ist ein ausgewogenes Zusammenspiel von naturnaher Entwicklung, Sicherheit und gepflegten Strukturen. Ein Beispiel dafür sind Akzeptanzstreifen, die naturnahe Flächen von Wegen abgrenzen und deren Nutzung sicher und attraktiv machen.
- Invasive Arten
Invasive Arten sind gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten, die durch menschlichen Einfluss eingeschleppt werden, sich stark ausbreiten und heimische Arten verdrängen können. Dadurch können sie Ökosysteme beeinträchtigen und teilweise auch gesundheitliche Risiken verursachen.
Besonders in stark vernetzten Regionen wie Mannheim gelangen solche Arten über Verkehr, Handel und Umschlagplätze wie Hafen oder Schienennetz in die Umwelt. Der Klimawandel begünstigt zusätzlich ihre Ausbreitung, während heimische Arten unter Druck geraten.
Zum Schutz der biologischen Vielfalt sind daher gezielte Maßnahmen zum Management und zur Eindämmung notwendig. Neben der Stadt engagieren sich auch Initiativen und Vereine in der Aufklärung und Bekämpfung invasiver Arten.
Projektförderung
Das Projekt „Erstellung einer Biodiversitätsstrategie für den Stadtkreis Mannheim“ wurde von Dezember 2023 bis Februar 2026 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.