Artenvielfalt
Mannheim – Stadt zwischen Urbanität und Natur
Die Stadt Mannheim ist geprägt von einem engen Nebeneinander hochverdichteter, urbaner Räume und wertvoller Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Besonders bedeutend sind die Auenlandschaften entlang von Rhein und Neckar sowie die Sanddünen im Käfertaler Wald und im Dossenwald.
Vorkommen seltener und geschützter Arten
Zu den streng geschützten Tierarten zählt der Feldhamster. In Baden-Württemberg kommt er nur noch an zwei Orten vor – die größte Population lebt in Mannheim. Weitere geschützte Arten sind unter anderem Mauer- und Zauneidechse, Hirschkäfer, verschiedene Fledermausarten, Wechsel- und Kreuzkröte sowie bei den Pflanzen die Sand-Silberscharte und die Wilde Weinrebe.
Verantwortung für den Artenschutz
Angesichts der Vielzahl seltener und geschützter Arten trägt Mannheim eine besondere Verantwortung. Die Naturschutzverwaltung wird dieser gerecht, indem sie nicht nur bedeutende Bereiche unter Schutz stellt, sondern auch die vielfältigen Lebensräume aktiv pflegt und weiterentwickelt.
Mannheims besondere Artenvielfalt
- Biber
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Steckbrief:
- Art: Europäischer Biber (Castor fiber)
- Aussehen: Braun bis dunkelbraunes wasserabweisendes Fell, platter Schwanz
- Körpergröße: 83–102 Zentimeter
- Gewicht: 23–30 Kilogramm (Weibchen meist etwas größer als Männchen)
- Lebensraum: Flüsse, Seen und Auen mit Ufervegetation
- Lebensweise: Lebt sowohl im Wasser als auch an Land (semiaquatisch)
- Alter: Ø 10 Jahre, maximal bis 17 Jahre
Schutzstatus:
- Streng geschützt (Anhang II & Anhang IV der FFH-Richtlinie)
- Rote Liste Deutschland: "Vorwarnliste"
Besonderheiten:
- Größtes Nagetier Europas
- Baut Erdhöhlen in Uferböschungen: Eingänge liegen unter Wasser und sind von außen meist nicht sichtbar
- Ausgezeichneter Taucher: Bleibt in der Regel 2 bis 3 Minuten, manchmal sogar bis zu 20 Minuten unter Wasser
- Reiner Pflanzenfresser: Kräuter, Blätter, Gräser, Feldfrüchte und Baumrinde, bevorzugt Weiden und andere Weichhölzer, die er selbst fällt.
Bedeutung für Mannheim:
- Anwesenheit des Bibers ist Zeichen für gesunde Flusslandschaften
- Biber schaffen mit ihren Aktivitäten neue Lebensräume für viele andere Arten (z. B. Amphibien, Libellen oder Wasservögel)
- Seine Rückkehr zeigt, dass Renaturierungsmaßnahmen an Rhein und Neckar erfolgreich sind.
Wie kann ich den Biber in Mannheim schützen?
- Ruhig sein: Besonders in der Dämmerung und an Uferbereichen Biber bitte nicht stören oder verfolgen.
- Abstand halten: Biberbauten oder Dämme nicht betreten oder beschädigen.
- Hunde anleinen: Vor allem an Rhein- und Neckarufern, um Jungtiere zu schützen.
- Lebensräume erhalten: Ufervegetation und natürliche Strukturen nicht beseitigen.
- Sichtungen melden: Biberbeobachtungen gerne an die Untere Naturschutzbehörde Mannheim weitergeben
- Eidechsen
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Steckbrief:
- Art: Mauereidechse (Podarcis muralis) & Zauneidechse (Lacerta agilis)
- Aussehen:
- Mauereidechse: Abgeflachter Körper, hell- bis mittelbraun oder grau, langer Schwanz
- Zauneidechse: Plumper Körper, Männchen zu Paarungszeit oft grün gefärbt, Weibchen gedeckt braun, kurzer Schwanz
- Körpergröße:
- Männliche Mauer- und Zauneidechsen: Bis zu 24 Zentimeter
- Weibliche Mauer- und Zauneidechsen: Nur bis zu 20 Zentimeter
- Gewicht:
- Mauereidechse: Max. 10 Gramm
- Zauneidechse: Max. 19 Gramm
- Lebensraum: Abwechslungsreiche offene, sandige Stellen zum Graben und bewachsene Bereiche mit Sträuchern und Pflanzen, die Schutz und Nahrung bieten. Beispiele: trockene Waldränder, Bahndämme, Heideflächen, Dünen, Wildgärten, Uferböschungen und Brachflächen.
- Lebensweise: Eidechsen sind wechselwarm, sie sonnen sich oft auf warmen Flächen (Steine, Mauern, Zäune)
- Alter: Ø 4–6 Jahre
Schutzstatus:
Mauereidechse:
- Streng geschützt (Anhang IV der FFH-Richtlinie)
- Rote Liste Deutschland: "Vorwarnliste"
Zauneidechse:
- Streng geschützt (Anhang II und Anhang IV der FFH-Richtlinie)
- Rote Liste Deutschland: "Vorwarnliste"
Besonderheiten:
- Bei Bedrohung kann ein Teil des Schwanzes abgeworfen werden, wobei der zuckende Teil Feinde ablenken soll. Der Schwanz wächst nach, aber meist nicht gleich wieder vollständig.
- Eidechsen sind nützliche „biologische Schädlingsbekämpfer“, da sie viele Insekten (Mücken, Fliegen, Raupen etc.) fressen.
Bedeutung für Mannheim:
- Ihre Beobachtungen sind relativ häufig, z.B. beim Sonnenbaden auf Steinen, Baumstümpfen oder Zäunen.
- Viele Mauereidechsen gehen auf Freilassung aus Terrarienhaltung zurück.
- Ihre Präsenz zeigt, dass trotz Urbanisierung Strukturen erhalten sind, die Reptilien Habitate bieten können.
Wie kann ich zum Schutz beitragen:- Strukturen erhalten oder schaffen: Steinhaufen, unverfugte Mauern, Trockenmauern, Totholz, unbepflanzte Flächen lassen, denn solche Strukturen bieten Sonnenplätze und Verstecke.
- Garten naturnah gestalten: Weniger Mähen, Anlage von Blühwiesen, Zulassen von Wildnis, Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten (Steinaufschüttungen, Ritzen, Mauerspalten).
- Licht vermeiden in Dämmerung: Grelles Licht in Abendstunden kann die Tiere stören.
- Feldhamster
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Steckbrief:
- Art: Feldhamster (Cricetus cricetus)
- Aussehen: Hellbraunes bis rotbraunes Fell, dunkle Unterseite, weiße Flankenflecken
- Körpergröße: Bis 35 Zentimeter
- Gewicht: 220 Gramm – 460 Gramm
- Lebensraum: Acker
- Lebensweise: Einzelgängerisch, baut unterirdische Baue bis 1 Meter Tiefe mit mehreren Kammern, Vorratssammler
- Alter: Ø2 – maximal 4 Jahre
Schutzstatus:
- Streng geschützt (Anhang IV der FFH-Richtlinie, Link: https://www.bfn.de/artenportraits/cricetus-cricetus)
- Rote Liste Deutschland: "Vom Aussterben bedroht"
Besonderheiten
- Nachwuchs: 2 – 3 Würfe pro Jahr, bis zu 10 Junge, viele überleben ersten Sommer nicht
- Hält Winterruhe: Ende August bis März, legt vorher Vorräte an („hamstern“)
- Hohe Pflanzen wie Luzerne dienen als Deckung gegen Fressfeinde
Bedeutung für Mannheim:
Mannheim ist eines der letzten Rückzugsgebiete für den Feldhamster in Baden-Württemberg, welches eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Art hat.- Stand 2025: Aktuell ca. 138 Individuen in 552 Bauen (Rechnung: 552 Baue im Sommer/ 4= 138)
- Vorkommen in Mannheim v.a. Straßenheim, Bösfeld, Mühlfeld.
Gefahren und Bedrohungen:
- Frühe Ernte → keine Deckung, keine Vorräte
- Intensive Landwirtschaft & Pestizide → Nahrungsverlust
- Zerschneidung der Lebensräume durch Straßen & Bebauung
- Fehlende genetische Durchmischung durch isolierte Populationen
- Natürliche Feinde: Greifvögel, Füchse, Marder, Katzen, Mensch
Maßnahmen der Stadt Mannheim: Artenhilfsprogramm Feldhamster
- Seit 2001 aktiv für den Schutz der stark gefährdeten Feldhamster
- Kooperation mit der Landwirtschaft
- Stand 2025: 165 Hektar Ackerflächen feldhamstergerecht bewirtschaftet
- Luzerneanbau als Nahrung und Deckung
- Stehengelassene Getreidestreifen und Blühstreifen für Hamster & Insekten
- Zucht & Auswilderung
- Seit 2004 Wiederansiedlungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Zoo Heidelberg
- Jährliche Auswilderung in vorbereitete, geschützte Flächen
- Ziel: Aufbau einer selbstständig überlebensfähigen Population
Wie Sie zum Schutz beitragen können
- Lebensräume schützen und auf Wegen bleiben
- Hunde sind in den bekannten Gebieten anzuleinen
- Sichtungen melden:
- Untere Naturschutzbehörde Mannheim: naturschutzbehoerde@mannheim.de
- Online: feldhamster.de/feldhamster-melden
- Kleine Beiträge helfen: Artenschutz-Euro im Zoo Heidelberg direkt beim Ticketkauf
- Feldhamsterfreundliche Landwirtschaft unterstützen: regional und ökologisch einkaufen
- Fledermäuse
Steckbrief:
- Art: Gehören zu der Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)
- Aussehen: Braun-graues bis schwarzes Fell, charakteristische gespannte Flughaut von den Hand- bis Fußgelenken
- Sind die einzigen flugfähigen Säugetiere
- Lebensraum: Besiedeln durch ihre Anpassungsfähigkeit eine Vielzahl von Lebensräumen: von Wäldern bis hin zu urbanen Gebieten
- Lebensweise: Ihre abendliche Ausflugszeit folgt dem Jahresverlauf des Sonnenuntergangs und Orientierung mittels Echoortung (Ultraschalllauten)
- Ernährung: Vor allem Insekten wie Mücken, Motten oder Käfer
Schutzstatus:
- Alle in Deutschland vorkommenden Fledermausarten stehen unter strengem europäischem Schutz (FFH-Richtlinie, Anhang IV, z. T. auch Anhang II der FFH-Richtlinie) und sind auch nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 44) streng geschützt.
- Rote Liste Deutschland: Von "Ungefährdet" (Zwergfledermaus) bis "Vom Aussterben bedroht" (Graues Langohr)
Besonderheiten:
- Unverzichtbare Schädlingsjäger: Eine einzige Zwergfledermaus frisst in einer Nacht bis zu 2.000 Mücken und Falter, wodurch sie einer der wichtigsten natürlichen Schädlingsbekämpfer darstellt
- Rückgang durch Lebensraumverlust: Viele Arten verlieren ihre Sommer- und Winterquartiere durch Gebäudesanierungen, Versiegelung und den Verlust alter Bäume. Auch der Rückgang von Insekten wirkt sich negativ auf ihre Bestände aus. Ebenfalls sorgt die Zerschneidung von Lebensräumen für einen Rückgang der Arten und eine Verkleinerung des Lebensraums. Große Straßen und künstliche Beleuchtung können für einige Fledermäuse unüberwindbare Barrieren darstellen.
- Langstreckenzieher: Manche Arten wie z.B. der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) ziehen im Herbst hunderte Kilometer in wärmere Regionen, um dort zu überwintern.
Bedeutung für Mannheim:
- Fledermäuse sind wichtige Indikatoren für ein gesundes Stadtökosystem: Wo sie leben, finden sich meist strukturreiche Grünflächen, alte Bäume und ein gutes Insektenvorkommen.
- In Mannheim wurden bei verschiedenen Artenschutzprojekten mehrere Arten nachgewiesen, u. a. Zwerg-, Rauhaut- und Abendsegler-Fledermäuse, die teils auf der Roten Liste Baden-Württembergs gelistet sind.
Wie kann ich zum Schutz beitragen?
- Quartiere erhalten: Bei Bau- oder Sanierungsarbeiten unbedingt auf Fledermausquartiere achten.
- Erhalt von alten Bäumen mit Höhlungen, Rissen, Spalten oder abstehender Rinde.
- Nist- und Quartierhilfen aufhängen: Spezielle Fledermauskästen an Gebäuden oder Bäumen bieten sichere Schlaf- und Nistplätze.
- Insekten fördern: Keine Pestizide im Garten verwenden, heimische und nachtblühende Pflanzen anbauen. Dadurch werden nachtaktive Insekten angezogen, die Fledermäuse als Nahrung brauchen.
- Lichtverschmutzung reduzieren: Außenbeleuchtung nachts ausschalten oder abschirmen, da künstliches Licht Fledermäuse bei der Nahrungssuche stört und geeignete Schlafplätze ungenutzt bleiben können.
- Spielen Sie nicht den Helden: Verletzte Tiere nicht anfassen, stattdessen Fachleute (z.B. Fledermausschutz Baden-Württemberg oder NABU) informieren.
- Gebäudebrütende Vögel
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Welche Vogelarten in Mannheim zählen zu den Gebäudebrütern?
- Schleiereule
- Turmfalke
- Wanderfalke
- Star
- Haussperling
- Dohle
- Bachstelze
- Blau- und Kohlmeise
- Hausrotschwanz
- Rauchschwalbe
- Mehlschwalbe
- Grauschnäpper
- Mauersegler
- Weißstorch
Welche Vogelarten in Mannheim zählen zu den Gebäudebrütern?
- Alle wildlebenden Vogelarten unterliegen in Deutschland einem Mindestschutz (EU-Vogelschutzrichtlinie + Bundesnaturschutzgesetz)
- Das Verbot umfasst z. B. Töten, Fangen, Stören (insbesondere während Brut/Aufzucht)
Bedrohungen für städtische Vögel
- Verlust von Nist- und Brutplätzen
- Verlust naturnaher Lebensräume
- Rückgang der Insekten als häufige Nahrungsgrundlage
- Hauskatzen und/oder andere Prädatoren
- Kollision mit Glas und Verkehr
- Licht- und Lärmverschmutzung
- Abfälle, Umweltgifte, Krankheiten
- Klimawandel
Bedeutung für Mannheim
- Natürliche Schädlingsbekämpfer: Viele von ihnen fressen Insekten, wodurch Schädlinge in Gärten, Parks und auf Feldern reduziert werden können.
- Indikatoren für Umweltqualität: Vögel reagieren sensibel auf Umweltveränderungen. Wenn Vogelbestände abnehmen, ist das oft ein Hinweis auf den Rückgang von Insekten, Grünflächen oder sauberen Gewässern.
Wie kann ich zum Schutz beitragen?
- Lebensraum schaffen & erhalten: Hecken, naturnahe Gärten, Totholz, Blühstreifen anlegen.
- Nistplätze anbieten: artgerechte Nistkästen anbringen (richtige Einfluglochgröße, Höhe, regelmäßige Kontrollen).
- Vorsichtig füttern: Ganzjährige Fütterung nur mit gutem Wissen; im Winter geeignetes Futter anbieten.
- Katzenmanagement: Katzen nachts drinnen halten.
- Pflanzenschutzmittel meiden: Kein Einsatz von Pestiziden im Garten.
- Fensterschutz: Glasflächen sichtbar machen / flächige Markierungen, um Vogelschlag zu vermeiden.
- Hirschkäfer
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Steckbrief:
- Art: Hirschkäfer (Lucanus cervus)
- Aussehen: Dunkelbraun-rötlich bis schwarzer Körper, größter und auffälligster Käfer Europas
- Körpergröße:
Männchen: 3,5 – 8 Zentimeter, mit großem „Geweih“ * (vergrößerte Kiefer)
Weibchen: 3 – 5 Zentimeter, kleineres Geweih - Lebensraum & Vorkommen: Wälder, Waldränder, alte Eichenbestände, Gärten, Gebüsche und Rindenmulchhaufen; in Mannheim v. a. im Waldpark, auf der Reißinsel und im Käfertaler Wald
Lebensweise:
- Flugzeit: Ende April–Mitte August, meist in der warmen Abenddämmerung
- Ernährung: Zuckerhaltige Pflanzensäfte, v. a. aus verletzter Eichenrinde
- Fortpflanzung: Weibchen gräbt sich nach der Begattung 30 bis 50 Zentimeter tief in die Erde ein, um im Laufe von zwei Wochen 50 bis 100 weißlich gelbe Eier außen an morsche Wurzelstöcke zu legen.
- Alter: Die Entwicklung vom Ei bis zum ausgewachsenen Käfer dauert im Durchschnitt 5 bis 6 Jahre, z. T. bis zu 8 Jahren. Als erwachsener Käfer lebt er nur noch etwa 4 bis 8 Wochen.
Schutzstatus:
- Geschützt (Anhang II der FFH-Richtlinie)
- Rote Liste Deutschland: "Stark gefährdet"
Besonderheiten / Wissenswertes:
- Das „Geweih“ dient nicht zur Verteidigung, sondern zu Rangkämpfen um Weibchen.
- Trotz der Größe sind sie friedlich und harmlos für den Menschen.
- Sie können durch ihre stark gerillten Flügelleisten hohe Schrilltöne erzeugen.
- Natürliche Feinde: Vögel, Fuchs, Dachs, Maulwurf und Waldspitzmaus
Bedeutung für Mannheim:
- Der Hirschkäfer ist ein wichtiger Indikator für naturnahe, alte Wälder in Mannheim.
- Sein Vorkommen zeigt, dass alte Eichenbestände und Totholzstrukturen im Stadtgebiet erhalten sind.
- Er trägt zur Zersetzung von Holz und damit zur Nährstoffrückführung im Ökosystem bei.
- Durch Schutzprojekte und Erfassungskampagnen (z. B. Fundmeldungen) trägt Mannheim aktiv zum Erhalt der Art bei.
Wie kann ich zum Schutz beitragen?
- Totholz stehen lassen: Alte Baumstümpfe oder morsches Holz sind wichtige Lebensräume für Larven.
- Eichen fördern: Alte Bäume erhalten und neue Eichen pflanzen, besonders an Waldrändern.
- Schonend fällen: Muss eine Eiche gefällt werden, den Stamm etwa 1 Meter über dem Boden absägen, denn der Stumpf eignet sich gut als Brutplatz.
- Garten naturnah gestalten: Auf Pestizide verzichten und Holzreste liegen lassen.
- Wenn Sie einen Hirschkäfer z. B. beim Spaziergang finden, melden Sie Ihren Artenfund gerne der Landesanstalt für Umwelt.
- Igel
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Steckbrief:
- Art: Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), oft auch Westigel genannt
- Aussehen: Braun – graubraun bis weiß, auf dem Rücken auffälliges Stachelkleid
- Größe: 20 – 30 Zentimeter Körperlänge, 2 Zentimeter kaum sichtbarer Schwanz
- Gewicht:
Männchen: bis zu 1,7 Kilogramm
Weibchen: bis zu 1,4 Kilogramm - Lebensraum & Vorkommen: Alle Lebensräume von offenen Flächen, menschlichen Siedlungsgebieten, geschlossenen Wäldern bis hin zu Bergregionen.
- Lebensweise: Nachtaktiv, Einzelgänger, rollen sich bei Gefahr zu einer Kugel zusammen
- Ernährung: Jäger, ernähren sich hauptsächlich von Wirbellosen, Fleisch und Aas
- Alter: Ø 2 Jahre, max. 7 Jahre
Schutzstatus:
- Der Braunbrustigel steht in Deutschland unter besonderem Schutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG, § 1 BArtSchV).
- Rote Liste Deutschland: "Vorwarnliste"
Besonderheiten / Wissenswertes:
- Im Winter halten sie Winterschlaf in geschützten Nestern aus Laub, Moos und Ästen (meist von November bis März)
- Ihr Stachelkleid besteht aus rund 5.700 bis 7.500 Stacheln
- Trotz ihres „robusten“ Aussehens reagieren Igel sehr empfindlich auf Pestizide, Mähroboter und den Verlust von Hecken und Laubhaufen.
- Viele Igel leben heute in Siedlungsnähe, weil dort Nahrung und Unterschlupf zu finden sind – allerdings drohen hier auch viele Gefahren wie Straßenverkehr oder offene Kellerschächte.
Bedeutung für Mannheim:
- Der Igel ist ein wichtiger Bestandteil des städtischen Ökosystems: Er frisst in Gärten, Parks und Grünanlagen Schnecken, Insekten und andere Wirbellose.
- Seine Anwesenheit zeigt, dass naturnahe Strukturen in der Stadt (Hecken, Laubhaufen oder extensiv gepflegte Wiesen) noch vorhanden sind.
- In Mannheim profitiert der Igel besonders von gartennahen Siedlungsbereichen sowie grünen Korridoren entlang des Neckars, der Reißinsel oder des Luisenparks.
Wie kann ich zum Schutz beitragen?
- Unterschlupf bieten: Laub- und Reisighaufen im Garten liegen lassen oder spezielle Igelhäuser aufstellen.
- Vorsicht beim Mähen: Vor allem bei Verwendung von Mährobotern oder Freischneidern
- Gartenzäune igelfreundlich gestalten: Kleine Durchgänge ermöglichen Igeln den Zugang zu benachbarten Gärten.
- Verzicht auf Gifte wie Schneckenkorn, denn sie schädigen auch die Nahrung der Igel.
- Keine Milch! Nur Wasser bereitstellen – Milch verursacht Durchfall und kann tödlich sein.
- Verletzte oder apathische Tiere im Herbst (besonders Jungtiere unter 500 Gramm) können beim Tierarzt oder einer Igelhilfe gemeldet werden.
- Sand-Silberscharte
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Steckbrief:
- Art: Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides)
- Aussehen: Eiförmig bis kugelige Blütenköpfe & röhrenförmige, pupurviolette Blütenkrone
- Blütezeit: Juli bis September
- Größe: 20 bis 70 Zentimeter
- Lebensraum: offenen, basen- und kalkreiche Sandtrockenrasen und Sanddünen
Schutzstatus:
- Geschützt (Anhang II & Anhang IV der FFH-Richtlinie)
- Rote Liste Deutschland: "Stark gefährdet"
Besonderheiten / Wissenswertes:
- Seltene Reliktart: Die Sand-Silberscharte besitzt in Europa nur ein kleines, vom asiatischen Hauptareal isoliertes Verbreitungsgebiet und gilt daher als Eiszeitrelikt und ist in Deutschland extrem selten.
- Spezialistin für Trockenheit: Dank ihres bis zu 2,5 Meter tiefen Pfahlwurzelsystems kann sie selbst auf heißen, nährstoffarmen Sandböden überleben, wo andere Pflanzen nicht bestehen.
- Trotz guten Überlebenskünsten kommt es durch Intensivierung der Landwirtschaft, Bebauung und Aufforstung zu einer zunehmenden Zerstörung dieser Lebensräume.
- Begrenzte Ausbreitung: Ihre schweren Samen verbreiten sich nur über wenige Meter, wodurch Populationen isoliert bleiben und auf gezielte Erhaltungsmaßnahmen angewiesen sind.
Bedeutung für Mannheim:
- Sie ist in Mannheim Teil der Sanddünen- und Flugsandsysteme, die einzigartig sind und mit ihren extremen Standortbedingungen nur wenige Arten beherbergen – Sie zeigen, wie wertvoll naturnahe, offene Sandlebensräume sind.
Wie kann ich zum Schutz beitragen?
- Lebensräume respektieren: Nicht abseits der Wege gehen oder Pflanzen pflücken, besonders im Dossenwald und Käfertaler Wald.
- Keine Nährstoffeinträge verursachen: Keine Grünabfälle, Erde oder Hundekot in Sandgebieten hinterlassen, denn diese fördern nährstoffliebende Konkurrenzpflanzen, die die Sand-Silberscharte verdrängen.
- Pflegemaßnahmen unterstützen: Projekte mit Schaf- oder Ziegenbeweidung, Entbuschung oder Pflegemaßnahmen durch lokale Naturschutzgruppen (z. B. NABU, BUND, Stadt Mannheim) aktiv unterstützen oder mithelfen.
- Storch
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Steckbrief:
- Storch (Ciconia ciconia), oft auch Klapperstorch genannt
- Aussehen: Bis auf die schwarzen Schwungfedern ist das Federkleid rein weiß; Schnabel und Beine sind rötlich
- Körpergröße: 80 bis 110 Zentimeter
- Flügelspannweite: 200 bis 220 Zentimeter
- Gewicht: 2,5 bis 4,5 Kilogramm
- Lebensraum: Acker- und Feuchtwiesen, Flussauen, Überschwemmungswiesen und extensiv genutzte Wiesen und Weiden
- Lebensweise: eng an den Menschen angepasst, bevorzugt im Siedlungsraum Nistplätze auf hohen Gebäuden wie Dächern oder Kirchtürmen
- Alter: Ø 25 Jahre, kann über 35 Jahre werden
Schutzstatus:
- Geschützt (Anhang I der Vogelschutzrichtlinie)
- Rote Liste Deutschland: "Vorwarnliste"
Besonderheiten / Wissenswertes:
- Der Weißstorch lebt fast überall in Europa, außer in Skandinavien und England.
- Sie sind Zugvögel und überwintern in Afrika.
- Ursprünglich lebten sie nur in den Sumpfgebieten Afrikas.
- Gefahren: Wetter, Parasiten, Infektionskrankheiten (Vogelgrippe), Rotmilan, Kolkrabe, Seeadler, Krähen, Marder, Mensch, Müll
- Nahrung: Frösche, Mäuse, Insekten
- Brutzeit: März bis Juni, 32 Tage
Bedeutung für Mannheim:
- Vor allem um den Luisenpark und am Neckar zu finden.
- Im Luisenpark gibt es etwa 40 Nester, z.B. auf der Festhalle Baumhain.
- Einige Störche überwintern auch in Mannheim, wobei sie vom Tierpfleger-Team des Luisenparks betreut werden.
- Dort werden jedes Jahr zwischen 60 und 70 Jungstörche gezählt.
Wie kann ich zum Schutz beitragen?
- Ökologischen Landbau unterstützen: Bioprodukte kaufen, um naturverträgliche Landwirtschaft zu fördern.
- Rindfleisch aus extensiver Weidehaltung wählen: Hilft beim Erhalt von extensiv genutztem Grünland, das für Weißstörche wichtig ist.
- Lebensräume schützen und pflegen: Feuchtgrünland erhalten, Teiche anlegen, gefährliche Stromleitungen und -masten entschärfen.
- Ehrenamtliches Engagement: NABU oder andere lokale Naturschutzgruppen unterstützen, z. B. durch Mitmachen bei Pflegeaktionen.
- Wanderfalke
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Steckbrief:
- Art: Wanderfalke (Falco peregrinus)
- Aussehen: Greifvogel mit blaugrauem Rücken, weißlich bis rostfarbenem Bauch mit dunklen Längsstreifen, auffallend dunkler „Backenstreif“. Weibchen wirken kräftiger und größer als Männchen.
- Körpergröße: Weibchen ca. 50 Zentimeter, Männchen ca. 38 Zentimeter
- Gewicht: Weibchen ca. 1,3 Kilogramm, Männchen ca. 0,6 Kilogramm
- Lebensraum: Extrem anpassungsfähig: Felslandschaften, Steinbrüche, Stadtgebiete. Brutplätze finden sich auf Felsen, Gebäuden oder in Nestern anderer Arten.
- Lebensweise: Beginnen mit der Brut im Alter von 2 bis 3 Jahren, legen 2 bis 5 Eier pro Brut, Brutdauer: ca. 34 Tage (März bis Ende April), Jungtiere werden ca. 42 Tage von den Eltern gefüttert.
- Alter: Ø 15 Jahre
- Nahrung: vor allem Vögel, gelegentlich kleine Säugetiere
Schutzstatus:
- Geschützt (Anhang I der Vogelschutzrichtlinie)
- Rote Liste Deutschland: "Ungefährdet"
Besonderheiten / Wissenswertes:
- Wanderfalken sind die schnellsten Vögel der Welt: Im Sturzflug erreichen sie Geschwindigkeiten von über 300 Kilometer/Stunde.
- Historisch stark bedroht: 1970 in Deutschland fast ausgestorben. Wiederansiedlung seit den 1980er Jahren möglich durch Schutzmaßnahmen und Nistkästen.
- Das Weibchen ist größer als das Männchen: Eines der wenigen Beispiele für Sexualdimorphismus, also unterschiedliches Aussehen zwischen Männchen und Weibchen.
- Nahrung: vor allem Vögel (Stadttauben), gelegentlich kleine Säugetiere.
Bedeutung für Mannheim:
- In Mannheim gibt es Brutplätze an der Konkordienkirche am Großkraftwerk (Nistkasten am Kamin), an der Rheinbrücke Sandhofen und in einem stillgelegten Industrie-Abluftrohr im Rheinhafen.
- An der Konkordienkirche brütet eine "Patchworkfamilie mit 2 Weibchen und 1 Männchen.
- Seit Wiederansiedlung 1988 wurden über 170 Jungfalken erfolgreich aufgezogen, ein deutliches Zeichen für den Artenschutz in der Stadt.
Wie kann ich zum Schutz beitragen?
- Nistmöglichkeiten in Absprache mit der Naturschutzbehörde bereitstellen: Nistkästen an geeigneten Gebäuden oder Kirchtürmen aufhängen.
- Störungen vermeiden: Brutplätze nicht betreten, besonders während der Brutzeit (März bis Juni).
- Wildbienen
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Steckbrief:
- Arten: in Mannheim rund ~170 Arten
- Aussehen: Schwarz, Bräunlich bis gelb, weiß, rot, metallisch (blau, grün und golden)
- Körpergröße: 3 bis 4 Millimeter bis maximal 3 Zentimeter
- Lebensraum: Blütenreiche Flächen (z.B. in Sandrasen, Ruderalflächen, Magerwiesen, Streuobstwiesen, naturnahen Gärten, Steinbrüchen, Kies- und Lehmgruben).
- Sonnige Flächen mit offenen Bodenstellen im Sand, Löss oder Lehm zum Nestbau
- Verfügbarkeit von Materialien für den Nestbau (z.B. Ausschnitte/Mörtel von bestimmten Blättern oder Blüten) sind essenziell.
- Lebensweise: Größtenteils solitär lebend, d. h. sie leben einzeln und bilden keine großen Völker wie Honigbienen
- Nistplätze: Selbstgegrabene Gänge im Boden, Totholz, markhaltige Stängel (bspw. von Brombeeren), in vorhandenen Hohlräumen, in Trockenmauern, Freibauten an Steinen, in Schneckenhäusern oder verlassenen Mäusenestern.
- Nahrung: Pollen, Nektar, Blütenöle
Schutzstatus:
- Alle Wildbienenarten sind besonders geschützt nach Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG) und der Bundesartenschutzverordnung (§ 1 BArtSchV).
- Ca. 50 % der Wildbienenarten in Deutschland gelten als gefährdet
Besonderheiten / Wissenswertes:
- Alle weiblichen Wildbienen haben einen Stachel, stechen jedoch nur sehr selten.
- Wildbienen sind in der Regel friedlich und nicht aggressiv
- Die Hummel gehört ebenfalls zur Gruppe der Wildbienen.
- Rund 30 % der Wildbienenarten sind Nahrungsspezialisten und benötigen bestimmte Pflanzenarten zum Überleben.
Bedeutung für Mannheim:
- Wildbienen sind von großer Bedeutung für Mensch und Umwelt, weil sie Blumen, Pflanzen, Obst und Gemüse bestäuben und so Früchte entstehen können.
Wie kann ich zum Schutz beitragen?
- Natürliche Strukturen erhalten: Offene Bodenstellen, kleine Sandflächen oder abgestorbenes Holz.
- Blühflächen anlegen: Einheimische Pflanzen mit Nektar- und Pollenangebot vom Frühjahr bis Herbst.
- Insektenhotels vermeiden oder nur gezielt für geeignete Arten nutzen.
- Auf Pestizide verzichten und eine abwechslungsreiche, kontinuierliche Nahrungsquelle bieten.
- Honigbienen - Hobby-Imkerei
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Die Bienenhaltung in der Stadt erlebt unter dem Begriff „Urban Beekeeping“ derzeit eine Renaissance. Immer mehr Menschen interessieren sich für die Hobbyimkerei. Unter bestimmten Voraussetzungen ist sogar eine Bienenhaltung auf dem Balkon möglich – vorausgesetzt, Vermieter und Nachbarschaft stimmen zu.
Die Stadt Mannheim unterstützt dieses Engagement aktiv. Seit 2014 besteht in Kooperation mit der studentischen Initiative Enactus und dem Bienenzüchterverein Mannheim das Projekt „Stadthonig²“. Dabei werden Seniorinnen und Senioren in die Imkerei eingeführt und zu selbstständigen Hobbyimkerinnen und -imkern ausgebildet.
Aktuell betreuen die Teilnehmenden rund 18 Bienenvölker im Stadtgebiet. Die Bienenstände befinden sich im Herzogenried, in der Gartenstadt und auf den Sellweiden. Der dort gewonnene Honig wird unter dem Namen „Mannemer Gold“ vermarktet. Von jedem Standort entstehen jährlich etwa 200 Gläser à 250 Gramm, erhältlich bei Freizeit und Reisen in K 1.
Bienen haben eine herausragende Bedeutung für Mensch und Umwelt, da sie durch ihre Bestäubungsleistung maßgeblich zur Entstehung von Obst, Gemüse und vielen Wildpflanzen beitragen. Ein Rückgang der Bienen hätte gravierende Folgen für Ernten und Artenvielfalt. Alle Wildbienenarten stehen in Deutschland unter nationalem Schutz gemäß der Bundesartenschutzverordnung.
Weitere Informationen & Kontakt
- Was tun, wenn ich ein Hornissennest im Garten oder Haus habe?
Hornissen sind eine nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Art, weshalb ein Hornissennest auch nicht einfach entfernt werden darf. In den meisten Fällen ist dies auch gar nicht erforderlich, da Hornissen grundsätzlich sehr friedliche Tiere sind, sofern man ihren Nestern nicht zu nahe kommt. Oft genügt es schon, den Teil des Gartens oder der Terrasse, wo sich das Hornissennest befindet, vorübergehend zu meiden bzw. abzusperren. Auch bei Nestern auf Dachböden besteht in der Regel keine Gefahr
Sollte das Umsetzen unbedingt erforderlich sein, darf dies nur von einem Fachmann durchgeführt werden. Zuständig sind hier die Naturschutzbehörde sowie die Naturschutzbeauftragten der Stadt Mannheim, die Sie gerne zum Thema Hornissen beraten. Herrn Hennze erreichen Sie unter der Telefonnummer 0621 472961.
Asiatische HornisseIm Vergleich zur Europäischen Hornisse ist die Asiatische Hornisse eine invasive, gebietsfremde Art, die sich inzwischen immer weiter im Land ausgebreitet hat. Haben Sie die Asiatische Hornisse gesichtet? Dann melden Sie Ihre Sichtung bitte auf der Meldeplattform des Landes Baden-Württemberg. Auf der Plattform werden Informationen und Hilfestellungen bereitgestellt, um zwischen Asiatischer Hornisse und unserer heimischen Hornisse zu unterscheiden. Zudem soll über die Meldungen mehr Wissen über die Verbreitung der Asiatischen Hornisse in Baden-Württemberg gesammelt werden, mit dem Ziel, ihre Verbreitung einzudämmen.