Neue Allgemeinverfügung zum Schutz vor ASP
In Folge des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) wurden in Baden-Württemberg verschiedene Zonen eingerichtet, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. In der Sperrzone II, in der auch das Mannheimer Stadtgebiet liegt, sind strenge Auflagen zum Umgang mit Wild- und Hausschweinen einzuhalten. So galt bisher ein absolutes Jagdverbot, um Wildschweine nicht zu beunruhigen. Trotz längerer und intensiver Suche konnten aktuell keine weiteren, mit ASP-infizierte Tiere in Baden-Württemberg gefunden werden. Der inzwischen erfolgte und weiter voranschreitende Zaunbau in den Sperrzonen konnte die Migration der Wildschweine verhindern oder zumindest einschränken. Hieraus ergibt sich eine neue Lage. Es ist nun möglich, dass mit Ausnahmen und unter strenger Einhaltung u.a. von Biosicherheitsmaßnahmen die Bejagung von Schalen- und Raubwild bei Tageslicht und im Offenland in der Sperrzone II wieder zugelassen werden kann. Deshalb hat die Stadt Mannheim eine geänderte Allgemeinverfügung erlassen, die am Samstag, 7. September, in Kraft tritt.
Wildschweine sind überwiegend nachtaktiv. Den Tag verbringen sie in der Deckung, meist im Dickicht aber auch im Schilf oder Feldgehölzen. Während des Tages und außerhalb des Waldes sind Wildschweine nur selten anzutreffen. Deshalb kann tagsüber auch eine Jagdausübung stattfinden, wenn sichergestellt ist, dass dadurch keine Wildschweine beunruhigt und vertrieben werden.
Um dies sicherzustellen, sind bei der Jagdausübung strenge Auflagen einzuhalten. So muss ein bestimmter Abstand zum Wald oder potenziellen Wildschweineinständen eingehalten werden. Die Jagd darf nur bei Tageslicht und unter Beachtung strenger Biosicherheitsmaßnahmen erfolgen:
- Halter von Hausschweinen und Mitarbeitende von Hausschweinebetrieben dürfen nicht an der Jagd teilnehmen.
- Jeglicher Kontakt von Hunden mit Wildschweinen ist zu vermeiden.
- Sofern ein Kontakt von Hund oder Mensch mit Wildschweinen nicht vermieden werden kann, ist eine Dekontamination durchzuführen (mind. abwaschen insbesondere der Hundepfoten, des Fanges, der Riemen, Halsbänder mit geeignetem Shampoo; Reinigung und Desinfektion der Schuhe oder Schuhwechsel vor Zustieg in das genutzte Kraftfahrzeug; Desinfektion der Transportbox).
- Beim Verlassen der Sperrzone II ist in jedem Fall eine Dekontamination der Schuhe vor dem Zustieg in das genutzte Fahrzeug durchzuführen oder die Schuhe zu wechseln. Ebenso ist das Fahrzeug vorab möglichst äußerlich zu reinigen und zu desinfizieren, sofern Wege verlassen wurden. Bevor Hunde in die Fahrzeugbox gesetzt werden, sind mindestens Fang und Pfoten zur reinigen.
- Die Jagdkleidung ist regelmäßig bei mindestens 60 Grad unter Zugabe von Waschmittel zu waschen. Fahrzeuge, die bei der Jagd in Sperrzonen eingesetzt wurden, dürfen ohne vorhergehende Reinigung und Desinfektion nicht auf einen Schweinehaltungsbetrieb fahren. Hund und Jagdkleidung dürfen ohne Reinigung und Waschung nicht auf einen Schweinehaltungsbetrieb gebracht werden.
- Ein absolutes Jagdverbot gilt in der Sperrzone II weiterhin innerhalb eines drei Kilometer Radius um den positiven ASP-Befund. In Baden-Württemberg gibt es weiterhin nur einen Fund in der Nähe von Hemsbach.
Auch eine Fangjagd von Raubwild, wie zum Beispiel des Fuchses, ist nun im Feld und Offenland in Sperrzone II möglich. Dies dient dem Schutz gefährdeter Wiesenbrüter oder des seltenen Feldhamsters.
Alle gültigen Allgemeinverfügungen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen sind hier zu finden: www.mannheim.de/oeb
Darüber hinaus gelten folgende Regelungen uneingeschränkt weiter:
Es gilt eine Leinenpflicht für Hunde im Geltungsbereich der Allgemeinverfügung. Die Regelungen zur Leinenpflicht nach der Allgemeinen Polizeiverordnung der Stadt Mannheim gelten davon unabhängig weiter.
Das Radfahren, Reiten, Fußgängerverkehr und das Fahren mit Krankenfahrstühlen ist im Waldgebiet ausschließlich auf befestigten Waldwegen oder gekennzeichneten Rad-, Reit- und Wanderwegen gestattet. Die Nutzung von Mountain-Bike-Trails ist untersagt.
Für Jäger gilt Jagdverbot.
Im gesamten Gebiet der Sperrzone II ist die Nutzung von Grillplätzen verboten. Ausgenommen sind Grillplätze, die sich innerhalb bzw. im unmittelbaren Umfeld (max. 100 Meter) von bebauten Gebieten befinden.
Jedes verendet aufgefundene Wildschwein ist dem Veterinärdienst der Stadt Mannheim unverzüglich per E-Mail (veterinaerdienst@mannheim.de) unter Angabe des genauen Fundortes zu melden.
Die Nutzung von motorisierten Gleitschirmen, Motorschirmen oder vergleichbaren Luftsportgeräten ist untersagt.
Camping in der Wildnis ist ebenfalls untersagt. Ausgenommen davon sind umzäunte Flächen.
Angelfischerei und Erwerbsfischerei bleiben erlaubt. Es muss allerdings das Wegegebot beachtet werden.
Forstwirtschaftliche Tätigkeiten sind grundsätzlich gestattet. Die Tätigkeiten müssen aber auf das notwendige Mindestmaß beschränkt werden.
Die Maßnahmen sind notwendig, um die Störung bzw. Beunruhigung von Schwarzwild sowie eine damit einhergehende Vertreibung der Tiere in andere Gebiete bestmöglich zu vermeiden.
Für die Landwirtschaft gelten weiterhin folgende Maßnahmen:
Zulässig sind auf der Mannheimer Gemarkung alle Bodenbearbeitungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen im Maisanbau bis zu einer Pflanzenhöhe von 1,50 Metern. Bei höheren Pflanzen ist davon auszugehen, dass eine freie Sicht auf den Boden zur Sichtung von möglichen Kadavern nicht möglich ist.
Bevor Grünland gemäht oder z.B. Ölsaaten und Getreide (mit Ausnahme von Mais) geerntet werden, müssen Felder mit Drohnen abgesucht werden. Sofern sich Wildschweine auf der Fläche aufhalten bzw. Wildschweinkadaver gefunden wurden, darf nicht gemäht werden.
Grundsätzlich gilt: Bei sämtlichen Bearbeitungs- und Erntemaßnahmen sind die Landwirte gehalten, bei der Bewirtschaftung auf mögliche Schweinekadaver sowie lebende Tiere zu achten. Im Fall von Kadaverfunden ist die Maßnahme umgehend zu unterbrechen und der Fund der Veterinärbehörde der Stadt Mannheim zu melden.