Miss Sara Jevo
Sie lebt als Teil der queeren Community in Deutschland, doch ihre Heimat war Jugoslawien, ein Land, das es nicht mehr gibt. Die Frage, wie sich diese Welten verbinden lassen, führt die Dragqueen Sara Jevo zurück in ihre Geburtsstadt Sarajevo. Sara Jevo ist nicht auf den Mund gefallen. Ihre schrill-derbe Dragshow im Balkanstyle lebt von Witzen, die dorthin zielen, wo es wehtut und Lip-Syncs, die es in sich haben. Aber als sie einen Anruf aus Sarajevo bekommt, steht die Comedy-Diva aus der Diaspora plötzlich vor der Aufgabe, sich ihrer Herkunft gleich doppelt zu stellen: als Sara Jevo, die Dragqueen, benannt nach der Stadt, und als der queere Mann hinter der Kunstfigur.
»Miss Sara Jevo« ist eine Hommage an die Stadt Sarajevo, die als kultureller Dreh- und Angelpunkt Jugoslawiens galt. Sarajevo war ein Symbol für eine gesellschaftliche Utopie von Vielfalt, Solidarität und Unabhängigkeit. Doch in den 1990er Jahren überzogen ethno-nationale Bestrebungen die Region mit grausamen Kriegen, die auch Sara Jevos Familie zur Flucht nach Deutschland zwangen. Jetzt kehrt sie zurück – und das in Drag.
Nach ihrem erfolgreichen Debüt »Orlando« bringt die Regisseurin Milo Čortanovački mit Ensemblemitglied Sandro Šutalo alias Sara Jevo dieses berührende Solo zwischen dokumentarischer Recherche und glamouröser Drag-Show auf die Bühne. »Miss Sara Jevo« stellt die vielschichtige Frage nach der eigenen Identität als Akt der Befreiung und Rückeroberung der eigenen Geschichte.