Luigi Toscano – Kanakenkinder
Luigi Toscano präsentiert unter dem Titel „Kanakenkinder“ seine jüngste Werkgruppe: großformatige Porträts von Menschen mit migrantischen Perspektiven. Die Ästhetik seiner Bildsprache hat sich verändert, es bleiben die Gesichter, denen wir gegenübertreten und deren Blicken wir uns nicht entziehen können.
Toscano knüpft hier an seine großformatigen Porträts von Überlebenden des Holocaust an – frontal, vis-à-vis, unausweichlich –, die er weltweit im öffentlichen Raum zeigt. „Lest We Forget / Gegen das Vergessen“ ist gewissermaßen sein fortlaufendes Lebensprojekt geworden. Luigi Toscano ist unterwegs – um die Zeitzeugen zu treffen, sie zu fotografieren, ihre Geschichte zu hören und aufzuzeichnen. Er zeigt die Menschen, die damals Kinder waren, als ihnen die Kindheit geraubt wurde. Und er erzählt ihre Geschichten, damit sie nicht vergessen werden, damit wir niemals vergessen. Mit den Fotografien zu „Lest We Forget / Gegen das Vergessen“ reist Luigi Toscano in alle Welt,um von den Begegnungen zu erzählen, um aufzuklären und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Einer Ausstellung im öffentlichen Raum kann man sich kaum entziehen, Reaktionen gibt es in allen Varianten. Was klein anfing, ist mittlerweile zu einem weltumspannenden Projekt geworden, Luigi Toscano ist zum Botschafter für die Erinnerung und gegen das Vergessen geworden. Denn miteinander reden, einander zuhören – das ist der Ausgangspunkt für ein friedliches und respektvolles Miteinander. Von der UNESCO wurde Toscano zum Artist for Peace ernannt.
Soweit, so bekannt. Wer aber ist Luigi Toscano? Der Mensch hinter dem Projekt? Er hat sein Leben aufgeschrieben. Das Buch „Luigi Toscano. Kanakenkind“ erschien im März 2026 im Herder Verlag.
Es tut weh, das zu lesen: Das Kind italienischer Einwanderer – „Gastarbeiter“ –, geboren 1972 in Mainz, als Kanakenkind beschimpft, herumgereicht in Heimen und Einrichtungen, findet über die Fotografie einen Ausweg aus Gewalt, Vernachlässigung, Drogen und Straße. Es ist eine Suche nach sich selbst, schmerzhaft, voller Tiefen, aber auch voller Höhen und es gibt vor allem Hoffnung.
Im Buch verknüpft Toscano seine Geschichte mit der Suche nach der Identität von Anna Strishkowa (geb. Iwanowa) aus Kiew, die 1943 als Kleinkind von den Deutschen verschleppt und nach Auschwitz deportiert wurde.
Auch hier steht die Frage nach dem Wer-bin-ich im Raum. In der Ausstellung verbindet Luigi Toscano das Buch – seine Lebensgeschichte – mit der der Porträtierten. Kinder, Frauen, Männer, aus Syrien, Ägypten, Puerto Rico und anderen Gegenden der Welt. Menschen, die in Mannheim und Umgebung
leben. Welche Geschichten haben sie zu erzählen? Wer hört ihnen zu? Und was sagen diese Geschichten über unsere Gesellschaft? Über uns?
Luigi Toscano. Kanakenkind Herder Verlag, 2026, ISBN 978-451-39907-7, 30 €
Im Bookshop im PORT25 erhältlich