Lacrimosa
Dieser Abend knüpft an jenen Moment an, in dem Mozarts Schaffen abbricht. Sein »Lacrimosa«, wohl das bekannteste Stück aus dem epochalen »Requiem in d-Moll«, endet jäh – nur acht Takte stammen aus Mozarts eigener Feder. Bleibt dieser Riss in der späteren Vervollständigung durch Franz Xaver Süßmayr hörbar?
Regisseurin Lucia Wunsch, Komponist Bendrik Grossterlinden und Bühnenbildnerin Emilia Bongilaj nehmen diese Leerstelle als Ausgangspunkt einer zeitgenössischen Befragung: Was bleibt, wenn etwas unvollendet bleibt? Welche Verantwortung erwächst aus den Fragmenten, die uns hinterlassen sind? Und wie begegnen wir der Stille nach einem abrupten Abbruch?
Der ehemalige Gemeindesaal der Friedenskirche Mannheim wird zum Schauplatz, an dem Mozarts Werk dekonstruiert und neu zusammengesetzt wird. Dabei klingt seine Stimme wie ein Echo aus der Vergangenheit – getragen von Grossterlindens cineastischen Soundscapes.
In Zeiten tiefgreifender politischer Umbrüche spiegelt das Stück ein kollektives Gefühl von Hilflosigkeit und Trauer. Zugleich lädt »Lacrimosa – A Fragment for the End of the World« dazu ein, die Bruchstücke unserer Gegenwart nicht nur als Zeichen des Verlusts zu begreifen, sondern als Beginn einer Erzählung, die wir selbst weiterschreiben.