In Memoriam Alexander Kluge: "Abschied von gestern"
Zu Ehren des kürzlich verstorbenen Alexander Kluge gibt es zu seinem Langfilmdebüt "Abschied von gestern" von 1966 - in Venedig preisgekrönt; deutsche Premiere in Mannheim! - einen Vortrag von Prof. Dr. Peter Scheinpflug. Inklusive Vorfilm von Alexander Kluge.
ABSCHIED VON GESTERN
DEU 1966. R: Alexander Kluge. D: Alexandra Kluge, Hans Korte, Werner Kreindl, Eva Maria Meineke, Alfred Edel, Fritz Bauer. 88 Min. FSK: 16
Anita G., Jüdin, kommt aus der DDR und versucht, sich in der BRD durchzuschlagen. Doch immer wieder scheitert sie – wegen Diebstahls eines Pullovers wird sie zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, zieht in eine andere Stadt, wird Vertreterin einer Plattenfirma und Geliebte ihres Chefs, versucht ein Studium zu beginnen, hat eine Liaison mit einem Ministerialrat… Scheitern und Flucht prägen ihre Auseinandersetzung mit einer Gesellschaft zwischen „Stunde Null“ und „Wirtschaftswunder“.
Alexander Kluge, Mit-Initiator des Oberhausener Manifests von 1962, lehnt sich in seinem Spielfilmdebüt an einen realen Justizfall von 1959 an: ABSCHIED VON GESTERN gilt als Meilenstein für die deutsche Kinomoderne – und ist in seiner unkonventionellen Frische zwischen dokumentarischen Ansätzen und absurden Alltagsmomenten und in seiner scharfen Beobachtung der Nachkriegszeit auch heute absolut sehenswert. Der Film wurde in Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet. Die deutsche Premiere fand im September 1966 bei der Filmwoche Mannheim statt.
Alexander Kluge ist am 25. März im Alter von 94 Jahren verstorben.
Vorfilm: Lied der Medea – R: Alexander Kluge – 3 Min: KI-gestützte Verbindung von Anita G. mit Medea
Einführender Vortrag: Prof. Dr. Peter Scheinpflug, anschließend Filmdiskussion