Dimensionen

Tom Feritsch
Torsten Mühlbach
Jens Trimpin
Herbert Warmuth
Katharina Weidauer​​​
Matthias Will
Um sich einem Kunstwerk anzunähern schauen Viele erstmal aufs Schildchen. Da stehen Fakten wie Titel oder Entstehungsjahr. In einem Katalog stehen da noch Technik und Maße. Diese Dimensionen, im Sinne von Abmessungen, also Höhe x Breite x Tiefe, sind durchaus hilfreich, um etwa sich selbst in ein Verhältnis zum Werk zu setzen. Aber damit beginnt die Betrachtung eines Kunstwerkes erst. Seine eigentlichen Dimensionen sind andere, jene, die weder in Zahlen noch in Worten erfasst werden können, denen wir uns bestenfalls annähern können und die das Werk ausmachen.
Die Ausstellung „Dimensionen“ im PORT25 – Raum für Gegenwartskunst versammelt sechs künstlerische Positionen, in denen es um Skulptur, Plastik, Objektkunst, aber auch Malerei geht.
Die Materialien sind Ton, Stein, Karton, Metall, Glas und Mixed Media. Dabei wird die klassische Bildhauerei vertreten durch Tom Feritsch, Jens Trimpin und Matthias Will.​ Katharina Weidauers Glasobjekte, Torsten Mühlbachs glitzernde Gesellschaftskritik und Herbert Warmuths beiläufige Wandmalereien führen das Thema weiter.
Matthias Will arbeitet in Edel-) Stahl, ausgehend von geometrischen Konstruktionen wie Winkel, Kreis oder Ellipse. Die scheinbar schweren Elemente sind mit dünnen Stahlseilen verspannt, so dass ein Schwebezustand entsteht, in dem die Leere zwischen den Formen zum definierten Raum wird.
Diese scheinbare Widersprüchlichkeit tritt auch bei Betrachtung der massiven Blöcke des Mannheimer Steinbildhauers Jens Trimpin zu Tage. Ihre Flächen sind leicht gekippt, minimal gebogen, verlieren so die Bodenhaftung, geraten in ein labiles Gleichgewicht und sind doch offensichtlich: schwer.
Jens Trimpins Steine sind die Verdichtung zum Konzentrat der Form.
Und auch Tom Feritsch geht oft von stereometrischen Grundformen aus. In Terrakotta formt er zum Beispiel Gitterstrukturen oder bizarre organisch-wesenhafte Formen, die an utopische Architekturentwürfe erinnern. ​Beim Brennen der Formen lässt Feritsch auch den Zufall im Entstehungsprozess zu.
Ein Faktor, der bei Katharina Weidauers geblasenen Glasobjekten ebenfalls eine Rolle spielt. Das Gegensätze vereinende Glas, das je nach Zustand fest oder flüssig, kühl oder heiß sein kann, nimmt bei Weidauer fantastische, vegetabil oder maritim anmutende Formen an. In strahlenden Farben zeigen sie sich im hellen Licht, in der Dunkelheit in einem geheimnisvollen Leuchten, das durch spezielle Pigmente entsteht.
Torsten Mühlbachs installative Plastiken erheitern auf den ersten Blick durch ihre glitzernde Disco-Ästhetik. ​Die Erkenntnis einer ironisch-bissigen Gesellschaftskritik folgt aber umgehend. Die Abgründe unseres Konsumverhaltens, die zu Schieflagen auf allen Ebenen führen, fliegen uns hier um die Augen.
Herbert Warmuths Arbeiten schließlich sind irgendwo zwischen Malerei und bildhauerischer Intervention angesiedelt: Hier und da hängen Arzneimittelverpackungen im Raum, deren grafische Gestaltung Warmuth auf der Wand mittels farbiger Linien oder blockhaften Farbfeldern fortführt.
Die Grenzen von Werk und Raum sind hier nicht immer sofort zu definieren.​ Dimensionen von Raum und Zeit sind ziemlich abstrakte Begriffe, kaum dass wir sie so richtig greifen können, und dann stellt sich die Frage, wieviele Dimensionen es eigentlich gibt. In der Kunst sicherlich mehr als H x B x T plus Zeit. Um sie zu entdecken, sollte man sich mit etwas Zeit im Raum vor den und um die Werke herum bewegen.

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