Nicht jedes Kind kann Fahrrad fahren
Fahrradfahren bedeutet Mobilität, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Mit einer Mitmach-Aktion auf dem Stadtteilfest Herzogenried hat die Stadt Mannheim viele Besucherinnen und Besucher für das Thema sensibilisieren können. Im Mittelpunkt stand die Frage: „Kennen Sie ein Schulkind, das nicht Fahrrad fahren kann?“
An einem Aktionsstand konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Antwort mit farbigen Bällen sichtbar machen. Das Ergebnis: Fast ein Drittel aller Bälle wurden für die Aussage „Ich kenne ein Kind, das nicht Rad fahren kann“ eingeworfen. Das ist ein Befund, der auf eine wichtige Lücke im Alltag vieler Familien hinweist. Fahrradfahrenlernen ist längst nicht für alle Kinder selbstverständlich. Und das aus vielfältigen Gründen: neben der Erkenntnis bot der Stand Raum für Gespräche über Ursachen, Gründe und mögliche Lösungsansätze. Viele berichteten von fehlender Zeit im Familienalltag oder zu wenig sicheren Übungsflächen. Die Kinder selbst äußerten Sorgen vor Stürzen und Unsicherheiten im Straßenverkehr.
Auch Bildungsbürgermeister Dirk Grunert informierte sich vor Ort über die Aktion und suchte das Gespräch mit den Beteiligten. „Radfahren zu können ist für Kinder weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Sie lernen dabei wichtige motorische Fähigkeiten, gewinnen Selbstvertrauen und werden Schritt für Schritt eigenständig mobil. Diese Form der Teilhabe und Bewegungsfreiheit sollte allen Kindern offenstehen, gerade auch in einer Großstadt wie Mannheim“, betonte er.
Ein wichtiger Praxispartner ist dabei die Jugendverkehrsschule. Dort beobachten die Verantwortlichen, dass viele Schülerinnen und Schüler zunehmend Schwierigkeiten beim Fahrradfahren haben. „Immer häufiger erleben wir, dass Kinder die Voraussetzungen für die Fahrradprüfung nicht mitbringen. Einige können die Übungen in der vierten Klasse gar nicht erst absolvieren, weil sie überhaupt nicht oder nicht gut genug Fahrrad fahren können“, sagte Jörg Vollweiler, Verantwortlicher der Jugendverkehrsschule.
Dr. Claudia Mauser, Mitarbeiterin des Projekts GreenDEMO der Stadt Mannheim, nutzte die Gelegenheit, um über Kursangebote zu informieren, wie Radfahrkurse für Erwachsene des ADFC sowie über Fahrrad-Geschicklichkeitstrainings der Jugendverkehrsschule im Ferienprogramm. Ergänzt wurde das Angebot durch ein Radquiz für die ganze Familie.
Das EU-geförderte Projekt GreenDEMO setzt sich für nachhaltige Aktionen und soziale Teilhabe ein. Die Erkenntnisse aus den Gesprächen sollen dazu beitragen, bestehende Hürden beim Erlernen des Fahrradfahrens sichtbar zu machen und geeignete Unterstützungsangebote weiterzuentwickeln.