Kolonialismus-Sonderausstellung im MARCHIVUM
Das Kokosfett „Palmin", der Namensgeber der Diffenébrücke, Teilsammlungen der Reiss-Engelhorn-Museen sowie der Stifter Carl Reiß und seine Schwester Anna - sie alle stehen beispielhaft für Verbindungen zwischen Mannheim und den ehemaligen deutschen Kolonien. Mit der neuen Sonderausstellung „Verstrickt. Kolonialismus und Mannheim" widmet sich das MARCHIVUM diesen bislang wenig beachteten Zusammenhängen. Die Ausstellung ist ab 21. März 2026 im MARCHIVUM zu sehen.
Koloniale Verbindungen der Stadt
Auch Mannheim war in vielfältiger Weise in koloniale Strukturen eingebunden. Mannheimer waren in den deutschen Kolonien als Soldaten und Verwaltungsbeamte tätig, Geistliche aus der Stadt missionierten in Afrika und Asien. Im Berliner Reichstag ebenso wie im Wahlkreis Mannheim diskutierten Politiker *innen über Politik, Verwaltung und Gewalt in den Kolonien. Zugleich profitierten Mannheimer Unternehmen vom Handel mit kolonialen Rohstoffen und Waren. Teile des Wohlstands der Stadtgesellschaft basierten zumindest indirekt auf kolonialen Wirtschaftsbeziehungen. Museen und Privatpersonen sammelten zudem Objekte aus kolonisierten Gebieten - in einigen Fällen handelt es sich um Kulturgüter, die unter kolonialen Machtverhältnissen nach Europa gelangten. Viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen, die heute unsere globalisierte Welt prägen, haben ihre Wurzeln in dieser Zeit. Auch stereotype Denkweisen und Bilder, die während der Kolonialzeit entstanden, wirken bis heute nach. Die Sonderausstellung zeigt damit, wie eng auch die Stadt an Rhein und Neckar mit kolonialen Entwicklungen in Afrika und Asien verbunden war.
„Weite Teile der Mannheimer Stadtgesellschaft um 1900 hatten einen Bezug zum Kolonialismus. Sei es als wirtschaftliche Profiteure, als Lobbyisten, als Konsumenten oder auch als Handelnde in den Kolonien selbst. Diese Verstrickungen möchten wir mit der Ausstellung eindrucklich darstellen", sagt Dr. Harald Stockert, Direktor des MARCHIVUM.
„Mannheim hat sehr viele private und institutionelle Bezüge zum Thema Kolonialismus. Diese Geschichte muss erforscht und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Diese Ausstellung des MARCHIVUM ist deshalb ein sehr wichtiger weiterer Baustein der Aufarbeitung", betont Thorsten Riehle, Bürgermeister der Stadt Mannheim.
Erste Sonderausstellung zum Thema im MARCHIVUM
Die neue Sonderausstellung wurde vom Team des MARCHIVUM erarbeitet und basiert auf Forschungsergebnissen der vergangenen Jahre. Sie präsentiert ausgewählte Aspekte dieser historischen Verflechtungen und macht sie anhand von Dokumenten, Objekten und Biografien anschaulich. Ziel ist es, die Rolle Mannheims im Kontext des deutschen Kolonialismus sichtbar zu machen und zugleich Fragen an die Gegenwart zu stellen: Wie prägt dieses Kapitel der Geschichte unsere Gesellschaft bis heute? Und wie gehen wir mit diesem Erbe um?
Allgemeine Informationen zur Sonderausstellung
Titel: Verstrick. Kolonialismus und Mannheim
Ort: MARCHIVUM, Archivplatz I, 68169 Mannheim, EG, Ausstellungsfläche
Ausstellungsdauer: 21.3.2026-27.9.2026
Eintritt: kostenfrei Zugang: barrierefrei
Projektleitung: Dr. Harald Stockert, Dr. Christian Groh
Kurator *in: Dr. Christian Groh, Dr. Andreas Schenk, Elke Schneider, Hannah Serfas, Dr. Harald Stockert, Dr.
Thomas Throckmorton, Eric Veyel, Yasemin Yurtsever
Ausstellungsdesign: kayserreich — kommunikative gestaltung
Webadresse: https://www.marchivum.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/kolonialismus
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