Informationsstele am Ludwig-Frank-Denkmal
Gemeinsam mit dem MARCHIVUM und der Kunsthalle Mannheim hat die Stadt Mannheim am Ludwig-Frank-Denkmal im Unteren Luisenpark ein ergänzendes Stück lokalen Geschichtswissens geschaffen. Die am 30. Januar der Öffentlichkeit übergebene Informationsstele an dem Denkmal unterhalb der Bassermannstraße, nahe des Theresienkrankenhauses, ist das Ergebnis einer engagierten Mannheimer Bürgerschaft. Eine Planungsgruppe bestehend aus Mannheimer Morgen, Mannheimer Altertumsverein, Universität Mannheim und sowie dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold e.V. erarbeitete in Kooperation mit der Stadt Mannheim, dem MARCHIVUM und der Kunsthalle Mannheim das Konzept für die neue Stele.
Kulturbürgermeister Thorsten Riehle betont die Bedeutung des Projekts: „Die neue Stele ist dem Engagement Mannheimer Bürgerinnen und Bürger zu verdanken, allen voran Professor Gottfried Niedhart, der den Stein ins Rollen brachte, indem er auf einen historischen Missstand hingewiesen hat. Die Informationsstele macht heute sichtbar, wie vielschichtig Erinnerung sein kann. Sie würdigt Ludwig Frank als engagierten Demokraten und Pazifisten, ohne die komplexe Denkmalgeschichte zu verschweigen. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte wieder unter Druck geraten, ist es wichtig, sich mit unserer Geschichte offen, kritisch und verantwortungsvoll auseinanderzusetzen.“
Das ursprüngliche Ludwig-Frank-Denkmal war 1924 auf Initiative des demokratischen Verbands Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold für den bedeutenden Mannheimer Politiker errichtet worden, während der NS-Zeit aber zerstört worden. Seit 1950 steht als Gedenkstein an der Stelle des Denkmals die Skulptur „Jüngling mit Stab“ des Bildhauers Bernhard Bleeker. Bleeker jedoch war ein zumindest zeitweiliger Profiteur der NS-Herrschaft, NSDAP-Mitglied und auf der sogenannten „Gottbegnadeten-Liste“ des Regimes vertreten, was Franks Engagement für die Demokratie kontrastiert. Ziel der Informationsstele ist es nun, im Rahmen einer reflektierten Erinnerungskultur kritisch zu informieren, die historischen Zusammenhänge sichtbar zu machen und damit zur Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur und historischen Brüchen einzuladen.
Das Ludwig-Frank-Denkmal
Ludwig Frank (1874–1914) entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie und engagierte sich früh kommunalpolitisch in Mannheim. Er war Abgeordneter im badischen Landtag sowie später Mitglied des Reichstags und setzte sich unter anderem für gleiche Bildungschancen, das allgemeine und freie Wahlrecht sowie gegen die koloniale Gewaltpolitik des Deutschen Reiches ein. 1904 gründete er in Mannheim den ersten Arbeiterjugendverein Deutschlands und initiierte 1913 ein internationales Parlamentariertreffen in der Schweiz. Trotz seines pazifistischen Engagements meldete er sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig zum Militärdienst und fiel wenige Wochen nach Kriegsbeginn. Sein Tod löste in Mannheim über die politischen Lager hinweg große Betroffenheit aus.
Das ursprüngliche Denkmal wurde 1924 im modernen Stil mit drei Betonsockeln, die für die Gewaltenteilung stehen sollten, errichtet. Es wurde wiederholt durch nationalistische und rechtsextreme Angriffe beschädigt und im Mai 1933 vollständig abgebrochen. Nach Kriegsende wurde es 1950 neugestaltet und mit der Skulptur des Bildhauers Bernhard Bleeker zum Gedenken an Ludwig Frank sowie die Opfer des Ersten Weltkriegs errichtet. Aufgrund der Vita Bleekers erscheint die Wahl dieser Skulptur aus heutiger Sicht problematisch, worauf der emeritierte Professor für neuere Geschichte der Universität Mannheim Gottfried Niedhart 2021 aufmerksam machte. Aus diesem Denkanstoß entstand die Projektgruppe, an der unter anderem die Universität Mannheim, Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold e.V., Mannheimer Morgen, Mannheimer Altertumsverein, sowie weitere MARCHIVUM, Kunsthalle Mannheim und die Stadt Mannheim beteiligt waren.
Begleitende Veranstaltungen zu Ludwig Frank
Begleitend zur Errichtung der Informationsstele sind mehrere öffentliche Veranstaltungen geplant: Am 8. Februar findet in der Kunsthalle Mannheim ein Vortrag von Prof. Dr. Christoph Zuschlag zur Denkmalsgeschichte mit anschließendem Gespräch mit dem Künstler Itamar Gov zum Umgang mit NS-Spuren im öffentlichen Raum statt. Am 26. Februar spricht zudem Prof. Dr. Philipp Gassert an der Universität Mannheim über Ludwig Frank als demokratischen Politiker in seiner und unserer Zeit.
Weitere Informationen zu Ludwig Frank sind auf der Website des MARCHIVUM zu finden, Informationen sowie Tickets zum Vortrag in der Kunsthalle sind hier zu finden, weitere Information zum Vortrag an der Universität hier.
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