Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
Am 27. Januar beging die Stadt Mannheim den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der thematische Schwerpunkt der Veranstaltung lag in diesem Jahr auf Vereinen in der NS-Zeit.
Die 1. Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Prof. Dr. Deborah Kämper, machte in ihrer Begrüßung am Beispiel des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins deutlich, dass viele Vereine schon früh mit dem NS-Regime kooperierten und aktiv antisemitisch handelten. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen mahnte sie die Anwesenden, die Gefahr nicht aus dem Blickfeld zu verlieren.
„Ausgrenzung und Diskriminierung beginnen oft leise und im Kleinen, auch in scheinbar unpolitischen Räumen, in Gemeinschaften und im Alltag“, betonte Oberbürgermeister Christian Specht in seiner Rede. Er sagte: „Wenngleich sich die meisten Vereine als nicht-politisch verstehen, ist ihre politische Wirkmächtigkeit nicht von der Hand zu weisen, da sie die Art und Weise des sozialen Miteinanders in hohem Maße mitprägen. Das Vereinswesen in Deutschland vermittelt in jeder historischen Epoche ein Bild vom jeweiligen Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft. Und auch heute sind Vereine unverzichtbare Orte der Demokratiebildung und Übungsfelder demokratischer Teilhabe.“
Unzählige Vereine suchten schon in den frühen 1930er Jahren den Schulterschluss zu den NS-Organisationen, dienten sich an, kooperierten, traten freiwillig über oder ließen sich ohne nennenswerte Widerstände in NS-Organisationen eingliedern, wie etwa die Schützenvereine in örtliche SA-Gruppen. Der Oberbürgermeister stellte dar, wie Jüdinnen und Juden in Deutschland und in Mannheim aus ihren Vereinen ausgegrenzt wurden und sich deshalb in jüdischen Vereinen organisierten, bis diese nach den Novemberpogromen verboten und jüdischen Menschen jegliche organisierte sportliche Betätigung untersagt wurde.
„Das alles zeigt uns, wie bedeutend die Rolle von Vereinen in einer Gesellschaft ist und fordert uns dazu auf, in der Gegenwart sowie für die Zukunft Lehren aus der Geschichte zu ziehen“, betonte der Oberbürgermeister. „Heute gibt es in Mannheim rund 3.000 Vereine, Verbände, bürgerschaftliche Initiativen und Interessensgruppen. Sie tragen Verantwortung – für ihre Mitglieder, aber auch für das Gemeinwesen und ein friedliches und freiheitliches Miteinander. Umso wichtiger ist heute bürgerschaftliches Engagement, das derartigen Tendenzen klar und deutlich entgegenwirkt.“
Der Oberbürgermeister dankte den vier Vereinen und Verbänden, die sich mit der NS-Geschichte ihres Zusammenschlusses oder dessen Vorgängerorganisation auseinandergesetzt haben und die Ergebnisse an diesem Abend präsentierten. Er nahm dies zum Anlass, auch an andere Vereine zu appellieren, sich mit der Geschichte des eigenen Vereins während der NS-Zeit auseinanderzusetzen.
Die Jugendfeuerwehr Mannheim beschäftigte sich mit jüdischen Feuerwehrleuten während des Nationalsozialismus. Die DGB-Jugend Nordbaden stellte die Ereignisse des 1. und 2. Mai 1933 und die Zerschlagung der Gewerkschaften vor. Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken beschäftigte sich mit ihrer Vorgängerorganisation und stellte sie dem heutigen Verband gegenüber. Das Fanprojekt Mannheim im Sportkreis Mannheim e. V. präsentierte die Biografie von Walter Blum. Das MARCHIVUM betreute die Veranstaltung inhaltlich.
Die musikalische Gestaltung durch Emilia Ohloff, Johanna Giebels und Julia Pohlmann rahmten die Veranstaltung. Laura Gattner und Theodoros Argiantzis, Vorsitzende des Stadtjugendrings, führten durch den Abend.
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