Erste Schritte: Gemeinwesenarbeit Waldhof-West
Seit Mitte Juli sind die zwei Quartiersarbeiterinnen Andreea Botez und Zita Höfer auf dem Waldhof-West im Einsatz. Im Auftrag der Stadt Mannheim setzt der AWO Kreisverband Mannheim e. V. die Gemeinwesenarbeit in diesem Stadtteil um. Die beiden Mitarbeiterinnen hören den Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner zu, vermitteln Kontakte zu zuständigen Stellen und schaffen Begegnungsmöglichkeiten. Ziel ist es, die Menschen bei der Entwicklung ihres Stadtteils zu unterstützen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Oberbürgermeister Christian Specht würdigt den Start der Gemeinwesenarbeit: „Die Quartiersarbeiterinnen sind erst seit wenigen Monaten dabei und haben bereits viel Energie in den Stadtteil eingebracht.“
Auf die besonderen Herausforderungen im Stadtteil reagieren
Rund 3.500 Menschen leben in Waldhof-West. Der Stadtteil ist kulturell vielfältig, steht aber auch vor sozialen Herausforderungen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 11,8 Prozent und damit deutlich über dem Mannheimer Durchschnitt von 6,8 Prozent. Auch der Anteil junger Menschen unter 21 Jahren mit Migrationshintergrund ist im Stadtteil besonders hoch. Die Armutsgefährdungsquote von Kindern beträgt 38,6 Prozent, verglichen mit 17,9 Prozent in Mannheim insgesamt. Im Bezirksbeirat wurden wiederholt Probleme mit Müll und Sauberkeit, Lärmbelastung und dem Zusammenleben im öffentlichen Raum thematisiert. Dahinter stehen grundlegende Fragen: Wie gelingt ein respektvolles Miteinander in einem vielfältigen Quartier? Wie lassen sich Bildungs- und Teilhabechancen verbessern? Und wie können Kinder und Jugendliche bessere Zukunftsperspektiven erhalten?
Gleichzeitig engagieren sich zahlreiche Menschen und Einrichtungen für ihren Stadtteil. Dazu gehören zum Beispiel die Kleintierzüchter „Die Goggelrobber“, die Fußballer von Harmonia Waldhof und die Waldhof-Grundschule. Das Engagement rund um den Seppl-Herberger-Platz zeigt beispielhaft, wie sich das Wohnumfeld verbessern lässt: Malermeister Heiko Jäger hat in seinem Malerbetrieb in Kooperation mit der Jobagentur Dieter Ewald angestellt – und der arbeitet nicht nur im Malerhandwerk, sondern kümmert sich auch als Platzwart um den Seppl-Herberger-Platz. Die Nachbarschaft findet den Platz inzwischen deutlich sauberer und ordentlicher, man hält sich wieder gerne dort auf. „Man sieht: Waldhof-West hat Herausforderungen, aber ebenso großes Potenzial. Viele Menschen setzen sich bereits für ihren Stadtteil ein. Wir wollen dieses Engagement stärken und die Bewohnerinnen und Bewohner dabei unterstützen, eigene Ideen zu entwickeln und Veränderungen anzustoßen“, erklärt Oberbürgermeister Specht.
Gemeinwesenarbeit als Hilfe zur Selbsthilfe
Die Stadt Mannheim hat in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit dem Mannheimer Quartiermanagement e. V. und weiteren Beteiligten die Situation in Waldhof-West analysiert und Akteure aus dem Stadtteil an einen Tisch gebracht. Auf dieser Grundlage wurde die Einrichtung einer Gemeinwesenarbeit ausgeschrieben. Der Gemeinderat erkannte sowohl den Unterstützungsbedarf als auch die Entwicklungsmöglichkeiten des Quartiers.
Christian Hübel, Leiter des Fachbereichs Demokratie und Strategie der Stadt Mannheim und Erster Vorsitzender des Mannheimer Quartiermanagement e. V., betont: „Ziel der Gemeinwesenarbeit ist es, nicht nur einzelne Probleme zu bearbeiten. Die Arbeit des Mannheimer Quartiermanagement e.V. ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt – insbesondere im sozialen Sinne. Strukturen sollen entstehen, die auch dann tragen, wenn eine direkte Förderung einmal ausläuft.“ Hübel weiter: „Deshalb investiert der Verein nicht nur in Projekte, sondern in die Stärkung von Netzwerken und in die Qualifizierung von Menschen. Ziel ist es, dass aus geförderten Initiativen eigenständige, selbsttragende Strukturen entstehen.“
AWO schafft niedrigschwellige Anlaufstelle
Mit der Gemeinwesenarbeit wurde daher der AWO Kreisverband Mannheim e. V. beauftragt. Durch bestehende soziale Angebote, das Engagement im Waldhöfer Osten sowie weitere Einrichtungen und Aktivitäten im Stadtteil verfügt die AWO über gewachsene Beziehungen und Kenntnisse der örtlichen Strukturen. Die Gemeinwesenarbeit der AWO setzt auf drei zentrale Prinzipien: Eigenverantwortung, Beteiligung und kontinuierliche Begleitung.
Neben dem direkten Austausch mit den Menschen im Quartier bietet das Infobüro in der Oppauer Straße 37 eine niedrigschwellige Anlaufstelle für Fragen zu Behördenangelegenheiten, Anträgen sowie persönlichen und sozialen Anliegen. Ergänzend schaffen Begegnungs- und Beteiligungsangebote wie beispielsweise ein offenes Sprachcafé Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu kommen und Unterstützung zu finden.
Alexander Manz, Vorstand des AWO Kreisverbands Mannheim e. V., erklärt: „Die ersten Wochen zeigen, wie wichtig persönliche Präsenz, verlässliche Ansprechpartnerinnen und der unmittelbare Austausch sind. Wir wollen vorhandene Kräfte stärken und dazu beitragen, dass Menschen ihren Stadtteil aktiv mitgestalten können.“
Dietmar Hopp Stiftung ermöglicht den Start
Die Gemeinwesenarbeit wird durch eine Spende der Dietmar Hopp Stiftung in Höhe von 250.000 Euro an die Stadt Mannheim ermöglicht. „Die Arbeit im Quartier fördert das Zusammenleben von Menschen aller Altersgruppen, verschiedener Herkunft und mit unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen. Diese Art von Begegnungen, die Teilhabe und Chancengleichheit fördern, liegen der Dietmar Hopp Stiftung besonders am Herzen. Deshalb unterstützen wir diese niedrigschwellige Arbeit vor Ort“, erklärt Isabel Hopp.
Oberbürgermeister Christian Specht dankt der Stiftung ausdrücklich für ihre Unterstützung: „Gerade angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt Mannheim ist diese großzügige Förderung von besonderer Bedeutung. Mein herzlicher Dank gilt Familie Hopp sowie der Dietmar Hopp Stiftung. Als wir über den Bedarf in Waldhof-West gesprochen haben, haben sie sich entschlossen, ganz konkret anzupacken. Mit ihrer Spende setzen sie einen wichtigen Startpunkt für die Menschen im Stadtteil.“
Veränderungen gemeinsam gestalten
Die Stadt Mannheim und der Mannheimer Quartiermanagement e. V. werden die Entwicklung in Waldhof-West weiterhin begleiten und die Gemeinwesenarbeit in die gesamtstädtischen Bemühungen zur Stärkung der Quartiere einbinden. Neben sichtbaren Entwicklungen, etwa bei Sauberkeit und der Nutzung öffentlicher Räume, werden dabei auch die Erfahrungen und Rückmeldungen der Menschen eine wichtige Rolle spielen: Fühlen sich die Bewohnerinnen und Bewohner wohler? Gibt es mehr Austausch zwischen den Nachbarinnen und Nachbarn? Entstehen neue gemeinsame Aktivitäten und Begegnungen?
„Erfolg zeigt sich nicht allein in Zahlen, sondern auch darin, ob Menschen miteinander ins Gespräch kommen, sich stärker mit ihrem Stadtteil identifizieren und gemeinsam etwas bewegen“, so Christian Hübel.