Sicherheit & Ordnung -

Beispiel für falsch verstandene Tierliebe

Der Schutz von Wildtieren steht immer wieder im Spannungsfeld zwischen menschlichem Eingreifen und natürlichen Abläufen. Ein aktueller Fall am Vogelstangsee zeigt, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit heimischen Tierarten ist.

Jungschwan am Vogelstangsee eingefangen

Zu Wochenbeginn wurde am Vogelstangsee ein Jungschwan eingefangen. Es handelte sich dabei um einen Einsatz zum Schutz des Tieres, gemeinsam von der Stadt Mannheim und der Berufstierrettung Rhein-Neckar. Der Schwan ist vielen Besuchern des Vogelstangsees bekannt, da er einen verletzten Flügel hat. Die Stadt Mannheim appelliert aufgrund dieses aktuellen Falls an alle Tierfreunde, Wildvögel nicht zu füttern.

Ursache: Kippflügelkrankheit durch falsche Fütterung

Der Höckerschwan ist im vergangenen Jahr mit einigen Geschwistern am Vogelstangsee geschlüpft. Bereits früh fiel einigen Besuchern der stark verformte linke Flügel auf: Der Schwan leidet an der sogenannten Kippflügelkrankheit. Hierbei handelt es sich um eine Deformation der Flügelknochen, die durch falsches Futter besonders bei heranwachsenden Jungvögeln entsteht. „Menschen haben es wahrscheinlich nur lieb gemeint, das Ergebnis ist eine unnötige Tierquälerei. Gänse, Enten und Schwäne brauchen nichts weiter als Gras und Wasserpflanzen, vielleicht mal eine Schnecke oder ein Krebstierchen. Brot und Getreide macht die Tiere krank“, sagt der Wildtierbeauftragte der Stadt Mannheim Sven Heußner.

Eingreifen zum Schutz des Tieres

Die Verformung der Knochen ist nicht heilbar und das Tier bleibt sein Leben lang flugunfähig. Das war auch der Grund, warum das Jungtier jetzt eingefangen wurde: Während die Geschwister mit gesunden Flügeln das Revier der Eltern längst verlassen hatten, blieb dem verletzen Schwan keine andere Möglichkeit als zu bleiben. Die Elterntiere beanspruchen den See in der Brutzeit für sich und vertreiben den eignen Nachwuchs. Im Januar wurde bereits ein Versuch unternommen, den verletzten Schwan in eine Auffangstation umzusiedeln. Zu diesem Zeitpunkt war der Konflikt mit den Elterntieren jedoch noch nicht so ausgeprägt, weshalb das verletzte Tier zunächst in seiner gewohnten Umgebung gelassen wurde. Als die Eltern jetzt im März versuchten, den flugunfähigen Jungschwan zu vertreiben, ist die Stadt eingeschritten.

Abwägung zwischen Natur und Tierschutz

„Einsätze wie diesen können wir nicht für jedes verletzte Wildtier machen“, erklärt Heußner. Da das Einfangen von Wildtieren für diese enormen Stress und die Gefahr weiterer Verletzungen bedeutet, wird nur dann in den normalen Kreislauf der Natur eingegriffen, wenn es darum geht, ein Tier im Sinne des Tierschutzes von seinem Leiden zu erlösen. „In diesem Fall handelt es sich jedoch um Tierquälerei durch Fehlverhalten von Menschen, da erschien es uns angemessen, dem Tier zu helfen“, so Heußner.

Nach einer tierärztlichen Untersuchung soll das Tier nun künftig in einer Auffangstation mit anderen Schwänen leben.

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