Mannheim kommt beim Klimaschutz voran
Mit dem Klimaschutz-Aktionsplan 2030 hat die Stadt Mannheim bereits 2022 die Grundlage für ihren Weg zur Klimaneutralität geschaffen. Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen ab 2030 im Vergleich zu 1990 um mindestens 80 Prozent zu senken.
Die aktuelle Evaluation zeigt: Mannheim hat inzwischen die Hälfte dieses Ziels erreicht. Laut den aktuellen Daten aus dem Berichtsjahr 2023 konnten die stadtweiten Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent reduziert werden, wie die Stadtverwaltung am 9. Juni den Gemeinderat im Ausschuss für Umwelt und Technik informierte.
„Unsere Klimaschutzmaßnahmen wirken“, sagt Oberbürgermeister Christian Specht. „Mannheim hat beim Klimaschutz bereits große Fortschritte gemacht. Gleichzeitig werden die nächsten Schritte schwieriger, weil die einfach umzusetzenden Maßnahmen weitgehend ausgeschöpft sind. Umso wichtiger ist es, noch gezielter dort zu investieren, wo wir mit jedem Euro möglichst viel CO₂ einsparen können.“ Specht erklärt: „Insbesondere über ihre Beteiligungsgesellschaften investiert die Stadt Mannheim seit Jahren und trotz der aktuell angespannten Finanzlage auch weiterhin intensiv in Projekte, die einen großen Hebel für den Klimaschutz darstellen.“
Beispiele für hohe Investitionen mit großer Reichweite
Die MVV kann zum Beispiel dank der Energie aus der thermischen Abfallbehandlung, dem Biomasseheizkraftwerk und der ersten Flusswärmepumpe schon heute fast 50 Prozent des Fernwärmebedarfs aus klimaschonenden Quellen bereitstellen. Eine zweite Flusswärmepumpe soll im Herbst 2028 in Betrieb gehen und dann klimafreundliche Wärme für bis zu weitere 40.000 Haushalte bereitstellen. Für die neue Pumpe investiert die MVV insgesamt rund 200 Millionen Euro. Sie wird ein Meilenstein für die angestrebte vollständige Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung in Mannheim und Umgebung sein. „Allein diese Dimension zeigt beispielhaft, wie viel Geld wir in Mannheim investieren, um die Transformation aktiv voranzutreiben“, verdeutlicht Specht.
Ebenfalls riesiges Potenzial hat zum Beispiel ein Projekt, das aus dem Klimafonds der Stadt gefördert wird: die Demonstrationsanlage für die Produktion von klimaneutralem Treibstoff an der Mannheimer Kläranlage. In der innovativen Anlage produziert das Unternehmen ICODOS aus Abwasser und Ökostrom eMethanol. Dieser Treibstoff ist ein möglicher Schlüssel für die nachhaltige Transformation der Schifffahrt. „Das Leuchtturmprojekt ist ein weiterer Beweis, dass mit neuen Technologien Klimaschutz und industrielles Wachstum Hand in Hand gehen können“, erklärt Specht. „Hier zeigt ein Startup-Unternehmen aus unserem Technologie- und Gründungszentrum Mafinex mit Unterstützung aus dem Klimafonds der Stadt Mannheim und in enger Kooperation mit der Stadtentwässerung, wie aus Abwasser grüner Kraftstoff für die Schifffahrt hergestellt werden kann. Das ist eine weitere Mobilitätsinnovation ‚Made in Mannheim‘, auf die wir stolz sein können und die Vorreiter für Deutschland und die EU sein kann.“ Das richtungsweisende Projekt nutzt das immense Potenzial von Kläranlagen – allein in Deutschland gibt es rund 9.000 davon, auf EU-Ebene wird die Zahl auf bis zu 75.000 geschätzt.
Auch Erste Bürgermeisterin Prof. Dr. Diana Pretzell betont den strategischen Ansatz: „Wir überprüfen kontinuierlich, welche Maßnahmen besonders erfolgreich sind und wo wir nachsteuern müssen. Die aktuelle Evaluation zeigt: Der Klimaschutz-Aktionsplan verbindet ambitionierte Ziele mit konkreten und wirksamen Maßnahmen. In den nächsten Jahren wollen wir als Stadt beim Klimaschutz vor allem in vier Bereichen vorankommen: 1. dem Energiesektor, insbesondere mit der Wärmewende und dem Photovoltaik-Ausbau, 2. dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit einer Umstellung auf klimafreundliche Antriebe wie Elektro- und Wasserstoffbusse und dem weiteren Ausbau des Stadtbahn-Netzes, etwa mit der Glückstein-Linie, 3. einer klimafreundlichen Stadtentwicklung sowie 4. mit dem Beratungsangebot der Klimaschutzagentur Mannheim.“
Weiter auf dem Transformationspfad vorangehen
Dass Mannheim mit diesem Kurs bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt, bestätigte 2025 erneut das Carbon Disclosure Project: Bereits zum vierten Mal in Folge erhielt Mannheim die Spitzenbewertung „A-List“ für transparente Klimabilanzierung sowie konsequenten Klimaschutz und Klimaanpassung. Mannheim war im Jahr 2025 die einzige Stadt in Deutschland mit dieser Höchstbewertung. „Die Auszeichnung zeigt, dass Mannheim international als Vorreiter im kommunalen Klimaschutz wahrgenommen wird“, so Specht. „Sie motiviert uns zusätzlich, auf unserem Transformationspfad konsequent weiterzugehen – auch wenn viele Rahmenbedingungen von der EU, dem Bund und Land abhängen.“ Beispiele für bessere Rahmenbedingungen sind schnellere Genehmigungen und der Netzausbau. Dazu müssen Gesetze geändert werden. „Die EU Mission Städte wollen und sollen mutig und innovativ testen, wie wir smart klimaneutral werden können – Voraussetzung war von Anfang an, dass es von der EU und den nationalen und regionalen Regierungen eine angemessene Unterstützung gibt“, betont Specht. Um die 112 EU Mission-Cities bei ihrem Klimaziel 2030 wirkungsvoll zu unterstützen, wären rund 650 Milliarden Euro notwendig, also rund 58 Milliarden pro teilnehmender Stadt. Es sind jedoch bisher keine Mittel dieser Größenordnung von der EU bereitgestellt worden.
Gemeinsam anstrengen
„Um die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen, arbeiten wir bereits sehr eng zusammen – die Stadtverwaltung, die Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft“, betont Pretzell. „Aber trotz der intensiven Zusammenarbeit mit unseren Partnern schaffen wir das als Kommune nicht allein. Wir brauchen mehr finanzielle Unterstützung. Wir haben letztes Jahr bei der EU und beim Bund konkrete Vorschläge insbesondere für die großen Investitionen eingereicht, wie die Gelder die Städte stützen könnten. Diese wurden übernommen, jedoch nicht mit ausreichend Förderung hinterlegt. Nur mit dieser Unterstützung können wir die Klimaziele erreichen. Was wir selbst tun können, machen wir. Wichtige Impulse setzen wir daher seit 2021 mit dem Local Green Deal (LGD) und arbeiten daran, die Stadtgesellschaft zu aktivieren.“ Mittlerweile bündelt der LGD über 260 konkrete Beiträge zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit, die im öffentlichen Deal-Portal www.mannheim-gemeinsam-gestalten.de/ideal transparent dargestellt werden. Beispiele hierfür sind der klimapositive neue Hitachi-Campus, die Installation einer großflächigen Photovoltaik-Anlage auf den Dächern der Werkshallen des Kunststoffverarbeiters Gehr oder die Entwicklung und Zertifizierung von CO2-reduziertem Zement bei TBS Transportbeton.
Klimaschutz als Innovations- und Technologietreiber
Besonders große Chancen sieht Specht bei der Wärmewende. „Klimaschutz ist für Mannheim auch ein Innovations- und Technologietreiber. Gemeinsam mit MVV, Klimaschutzagentur und Handwerk entwickeln wir Lösungen, die weit über Mannheim hinaus Beachtung finden – etwa die bundesweit bisher einmalige Wärmewende Akademie.“ Eine zentrale Rolle spielt dabei auch das dichte Mannheimer Fernwärmenetz, an das bereits rund 60 Prozent der Haushalte angeschlossen sind. Wird dieses Netz wie geplant schrittweise auf klimafreundliche Energie umgestellt, können große Mengen Treibhausgase eingespart werden. Auch für das geplante Geothermie-Projekt im Mannheimer Süden wurde inzwischen ein geeigneter Standort gefunden. Die Nutzung von heißem Tiefenwasser soll künftig einen weiteren Beitrag zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung leisten.
Die Beratungsangebote der Klimaschutzagentur Mannheim sind weiterhin hocheffizient und aktiver Verbraucherschutz. Pretzell: „Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist enorm, was die dauerhaft hohe Nachfrage der Stadtgesellschaft nach verlässlicher, unabhängiger und fachlich fundierter Unterstützung belegt.“ Oberbürgermeister Specht ergänzt: „Die Förderprogramme sorgen nicht nur für Klimaschutz, sondern erzeugen jährlichen Umsatz in der Handwerkerschaft in zweistelliger Millionenhöhe. Klimaschutz ist damit in Mannheim auch ein wichtiges Instrument der Wirtschaftsförderung.“ Einer der Gesellschafter der Klimaschutzagentur ist die GBG Wohnungsbaugesellschaft. Sie gewinnt Erfahrungen aus erster Hand und bringt das Wissen in die Klimaschutzagentur ein: Die GBG setzt sowohl beim Bau von neuen Wohnungen als auch bei der Sanierung des Bestandes konsequent auf ressourcenschonende und energieeffiziente Lösungen. Selbst bei Sanierungen strebt sie den Effizienzhaus-Standard 100 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an, der gemäß der Energieeinsparverordnung nur bei Neubauten zwingend eingehalten werden muss. Wo immer baulich möglich, erreicht die GBG den Standard mit zwei zentralen Maßnahmen: zum einen durch eine gezielte und nachhaltige Dämmung der Gebäudehüllen, zum anderen durch energieeffiziente Heizungslösungen wie Fernwärme. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch die sukzessive Umstellung auf smarte Lösungen zur Messung, Steuerung und Optimierung des Energieverbrauchs. Die GBG initiiert Modellprojekte zu nachhaltigem Bauen und Wohnen.
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