Sehstation Nr. 1:

 

Adresse: Reiherplatz

 

Bauherr: Stadt Mannheim

 

Architekt: Gustav Adolf Platz

 

Nutzung: Wohnsiedlung

 

Fertigstellung: 1920

 

Siedlung Reiherplatz

Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fasste der Stadtrat den Entschluss, für die unter der Wohnungsnot besonders leidenden kinderreichen Familien eine Kleinwohnungsanlage zu errichten. Diese sollte als Stadtteilsiedlung dem 1897 eingemeindeten früheren Bauerndorf Käfertal im Nordosten Mannheims eingegliedert werden. Käfertal hatte sich durch die Industrialisierung zu einem Arbeitervorort entwickelt, in dem günstige Wohnungen dringend benötigt wurden.

Deshalb plante die Stadt die Erweiterung Käfertals in westlicher Richtung. Den Auftakt sollte die Siedlung Reiherplatz bilden, für welche die Kommunen Bauträgerschaft und Finanzierung selbst übernahm. Gustav Adolf Platz ließ es sich als Vorstand des städtischen Wohnungsamts nicht nehmen, den Entwurf für diese Wohnanlage selbst zu erstellen. Bis 1919 entstanden 98 Wohneinheiten, die auf 21 Eigenheime mit Vierzimmerwohnungen für sesshafte Qualitätsarbeiter sowie zwölf Mietshäuser mit vorwiegend Zweizimmerwohnungen für freizügige Lohnarbeiter verteilt sind. Dabei sind die Häuser zu repräsentativen Baugruppen zusammengefasst, die auf über 170 m Länge zwei axial angeordnete Plätze umschließen. Der nördliche Teil dient den Einfamilienhäusern, die von zwei Seiten an einem schmalen Hof mit Torhäusern gestellt sind. Im südlichen Teil liegt der von den Mietsbauten umstellte und mit Bäumen bepflanzte Reiherplatz, der sich in die angrenzenden Straßen öffnet. Allen Häusern sind Gartenparzellen zugeordnet.

Die platzumschließende Bebauung zeigt das Vorbild der Wohnhöfe, die sich im Siedlungsbau, ausgehend von der englischen Gartenstadtbewegung, allgemein großer Beliebtheit erfreuten. Sie betont den Gemeinschaftscharakter und trägt wesentlich zur malerischen Wirkung bei, durch die sich die Anlage, wie vom Architekten beabsichtigt, in den gemütlich-behaglichen Vorort einfügt.

Typischerweise zeigen die Häuser einer neubarockisierende Gestaltung, wie sie vor dem Krieg auch bei der Gartenstadt zur Anwendung gekommen war. In Mannheim sollte dieser Stil wegen des Bezugs zur lokalen Barocktradition noch bis weit in die zwanziger Jahre hinein wirke

(Quelle: Mannheim und seine Bauten Band 5, Andreas Schenk)

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