Bildung & Wissenschaft17.02.2017

Verleihung des Mannheimer Pfennigs an Dr. Christiane Fritsche

Verleihung des Mannheimer Pfennigs


17.02.2017

Verleihung des Mannheimer Pfennigs

Von links nach rechts: Prof. Dr. Peter Frankenberg (Heinrich Vetter-Stiftung), die neue Pfennigträgerin Dr. Christiane Fritsche, Helen Heberer (ISG-Freunde) und Prof. Dr. Ulrich Nieß (Stadtarchiv – ISG).

 



Es herrschte drangvolle Enge und viel Begeisterung beim Festakt zur Verleihung des Mannheimer Pfennigs im Casino des Collini-Centers. Zwei Themen standen im Fokus: die weitere Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus in Mannheim und die Ausstellungsplanung für das MARCHIVUM, das bekanntlich seinen Sitz im Hochbunker in der Neckarstadt-West erhalten wird.

Professor Dr. Ulrich Nieß und sein Team gaben spannende Einblicke in den geplanten multimedialen Lern- und Erlebnisort, der die stadtgeschichtliche Ausstellung wie das NS-Dokumentationszentrum umfasst. Auch das aktuelle Baugeschehen und die Planungen am Bau stießen beim Publikum auf großes Interesse. Zuvor begrüßte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz die Gäste und erinnerte an die vielfältigen Aktionen, mit denen die Stadt wie private Initiativen die mahnende Erinnerung an das dunkle Kapitel der Geschichte Mannheims wach halten.

Lange Zeit war nur wenig über die Arisierung, die systematische Ausplünderung der Juden bekannt gewesen. Das Desiderat konnte durch die Forschungen von Dr. Christiane Fritsche im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen dem Stadtarchiv Mannheim - ISG und dem Historischen Institut der Universität Mannheim geschlossen werden. Dafür wurde Frau Fritsche nun in Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Leistung von den ISG-Freunden mit dem Mannheimer Pfennig geehrt.

Die Vorsitzende der ISG-Freunde Helen Heberer wie auch der Laudator Professor Dr. Peter Frankenberg betonten die wissenschaftlich fundierte Leistung der Preisträgerin, deren Buch auf große Resonanz nicht nur in Mannheim stieß. Das Werk wurde seinerzeit von Prof. Dr. Johannes Paulmann, nun Leibnitz-Institut Mainz, betreut, der auch zur Gratulation anreiste. Peter Frankenberg hob für die Heinrich-Vetter-Stiftung deren doppelte Rolle bei diesem Buch hervor: einmal als einer der Mittelgeber, zum anderen waren die Familie Vetter und auch Heinrich Vetter Profiteure der sogenannten Arisierungen.

Um Aufarbeitung wie Vermittlung zu unterstützen werden die Stadt wie die Stiftung, wie Oberbürgermeister Peter Kurz verkündete, beide Ausstellungen im MARCHIVUM eine großzügige Anschub­finanzierung mitgeben. In seinem Dank hob Archivchef Ulrich Nieß hervor, dass noch weitere Sponsoren für die Ausstellungen gesucht werden; aktuell fehlen noch 850.000 €. Denn das künftige MARCHIVUM hat sich mächtig viel vorgenommen: Multimediale und interaktive Präsentationen sollen Mannheims Stadtgeschichte völlig neu erlebbar machen, das NS-Dokumentationszentrum soll neben der Ausstellung auch einen Seminarraum und ein Recherchezentrum erhalten, damit Schulklassen und Gruppen in Opfer- wie Täterdaten­banken forschen können. Ein multifunktionaler Raum im Erdgeschoss wird Wechsel­ausstellungen und Spiele rund um die Stadtgeschichte bieten. Eines dieser Spiele „Mannheim im Jahre 1794“ konnten die Gäste selbst testen. Musikalisch begleitete das Streichquartett des Kurpfälzischen Kammerorchesters den Festakt, der mit einem Umtrunk und Imbiss sowie vielen anregenden Gesprächen ausklang.

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Verleihung des Mannheimer Pfennigs
Von links nach rechts: Prof. Dr. Peter Frankenberg (Heinrich Vetter-Stiftung), die neue Pfennigträgerin Dr. Christiane Fritsche, Helen Heberer (ISG-Freunde) und Prof. Dr. Ulrich Nieß (Stadtarchiv – ISG).