Existenzgründungen 2012/2013: Mit innovativen Ideen auf Erfolgskurs

Mannheim ist für Start-ups der unterschiedlichsten Branchen ein attraktives Pflaster. Auch 2012 und 2013 wurden und werden zahlreiche Unternehmen gegründet. Außerdem schreiben Mannheimer Start-ups Erfolgsgeschichten mit neuen Kunden, neuen Investoren und neuen Räumlichkeiten.

  • ecowica

In der modernen virtuellen Welt sind die Mediendesigner Christian Arth und Thomas Winter unterwegs. Im Juli haben sie ihr Unternehmen ecowica Gbr gegründet, das zum Jahresanfang voll durchstarten will. Ihre Geschäftsidee: Kleine Unternehmen „an die Hand“ zu nehmen und ihnen einen preisgünstigen Zugang zum Online-Verkauf zu ermöglichen und zu erleichtern.

Ihre ersten beruflichen Stationen haben Christian Arth und Thomas Winter bereits absolviert. Nach seiner Ausbildung als Mediendesigner war Arth bereits in mehreren Agenturen tätig, zuletzt als technischer Leiter. Winter war parallel zu seinem Studium als Marketingchef bei einem Online-Shop aktiv. Nun haben die beiden mit ihrem Unternehmen ecowica den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Ihr Angebot: Beratung und Unterstützung bei der Einrichtung eines individualisierten Web-Shops, der auch ein kostenfreies Marketing-Paket enthält. Über einen Kooperationspartner kann ecowica die Themen Lagerverwaltung und Logistik abdecken. Auf Marktplätzen wie eBay und Amazon lassen sich die Auftritte ebenfalls integrieren.

„Unsere Shops sind besonders auf kleinere Händler ausgelegt und sehr einfach zu betreiben“, so Winter. „Mittelfristig, wenn eine gewisse Größenordnung erreicht ist, möchten wir sie dann auch zu Portalen und Themenseiten zusammenfassen.“

  • LivePerson

Mit dem Einparken hat die junge Frau im Fernsehspot kein Problem. Doch das Formular einer Versicherung im Internet betrachtet sie eher ratlos. „Einparkhilfen kennen Sie, Ausfüllhilfen sollten Sie kennenlernen“, wirbt eine sympathische Stimme für eine neue Beratungslösung der größten deutschen Online-Versicherung CosmosDirekt. Sie erweitert den persönlichen Kundenkontakt per Telefon um eine gemeinsame Ansicht im Webbrowser.

Entwickelt wurde die hier eingesetzte Software von den Wirtschaftsinformatikern Dr. Christian Thum und Dr. Stefan Seedorf, die 2012 für die Vermarktung ihres Produkts die Firma synchronite gründeten. „Das Problem kennen wir doch alle“, so Seedorf. „Am Telefon wird ein Versicherungsvertrag diskutiert, viele Fragen werden gestellt, zahlreiche Details müssen geklärt werden. Und dann sind die Antragsformulare doch falsch ausgefüllt, und die Arbeit beginnt wieder von vorne.“ Die Lösung des Problems: Co-Browsing. „Hier haben beide Gesprächspartner dasselbe Formular auf dem Bildschirm und können parallel per Chat oder am Telefon alle anstehenden Fragen beantworten“, erklärt Thum das Vorgehen. „Komplexe Antragsformulare können direkt während des Telefonats vom Berater ausgefüllt werden. Der Kunde kann sich entspannt zurücklehnen.“

Thum entwickelte die zur Umsetzung benötigte Technologie im Rahmen seiner Doktorarbeit am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik III der Mannheimer Universität weiter und holte Stefan Seedorf, der im gleichen Institut arbeitete, mit ins Boot. Die ersten Hürden hat die Firma genommen. Im Juni ist sie von den Räumlichkeiten in der Universität in das MAFINEX-Technologiezentrum im Glückstein-Quartier umgezogen, das Team wurde um zwei Mitarbeiter aufgestockt, und auch die Kundenliste konnte zusätzlich um zwei renommierte Firmen ergänzt werden. Ein führendes regionales Kreditinstitut wird durch die Co-Browsing-Software der Mannheimer ebenso unterstützt wie der Support eines deutschen Mobilfunkanbieters. Ein Vertrag mit dem ersten großen internationalen Kunden steht kurz vor der Unterzeichnung.

Der US-Kundenbindungsdienst LivePerson übernimmt 2014 das Mannheimer Co-Browsing-Startup Synchronite.

  • EXTOLL

Die EXTOLL GmbH brachte eine Netzwerk-Technologie für Hochleistungsrechner auf den Markt, die für eine bessere Effizienz sorgt. Mit dem High-Tech Gründerfonds, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft, Extorel, der VRD-Stiftung für Erneuerbare Energien und dem Business Angel Konsortium überzeugte die junge Firma nun namhafte deutsche Venture Capital Investoren.

Angesichts der immer schneller werdenden Prozessoren ist gerade die Kommunikation zwischen den Knoten zu einem Flaschenhals für die Leistungen eines Clusters geworden. Genau hier setzt die EXTOLL GmbH, ein Spin-off der Universität Heidelberg, an, das heute seinen Sitz in B6, 26 hat. Es wurde ein Netzwerk-Chip entwickelt, der speziell auf das Profil von Hochleistungsrechnern hin optimiert ist. EXTOLL ist bereits als Lieferant für das EU-Projekt „DEEP“ gesetzt, das die Erforschung und Erprobung der nächsten Generation von Hochleistungsrechnern zum Gegenstand hat. Der Leistungsvorsprung des 2011 gegründeten Start-ups hat maßgeblich dazu beigetragen, die Investoren für das Unternehmen zu begeistern.

  • Raben-Engel-Odenwälder

Raben-Engel-Odenwälder, eine 2009 gegründete Agenturgemeinschaft aus dem Mannheimer Stadtteil Jungbusch, ist mittlerweile zu einem kreativen Netzwerk mit Firmen aus unterschiedlichen Bereichen der Designbranche und Odenwälder Apfelwein gewachsen, und hat ihre Räumlichkeiten massiv aufgestockt.

Als Benedikt Kuhn vom Apfelwein-Shop Bembel with Care, Christian Drumm von Azraels-Art und Kilian Rüth von der Kommunikationsdesignagentur Buschfeuer die Agenturgemeinschaft Raben-Engel-Odenwälder aus der Taufe hoben, inspirierte sie die Idee eines kreativen und kooperativen Miteinanders – ein Konzept, das sich bewährt hat.  Es wurden Räumlichkeiten in der Werftstraße aufgestockt und um Co-Workingplätze erweitert. Nun verfügt das Netzwerk über rund 140 Quadratmeter Büroflächen sowie zwei große Hallen von zusammen 220 Quadratmetern, von denen eine als Fotostudio gebucht werden kann. Bei Raben-Engel-Odenwälder ist jetzt also wieder Platz frei für kreative Köpfe mit Spaß an der Arbeit und Interesse am Austausch.

  • vmapit

Die vmapit GmH, die es mithilfe ihres Baukastensystems selbst Kleinstunternehmen ermöglicht, ihre eigene App zu entwickeln, tritt nun selbst als Sponsor auf – und stellt Sportvereinen kostenlos eine eigene App zur Verfügung.

Die Idee ist logisch, und trotzdem noch wenig bekannt: Smartphone Applikationen (Apps) können ähnlich wie Websites über Content-Management-Systeme modifiziert und mit eigenen Inhalten gefüllt werden. Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Die 2010 gegründete vmapit GmbH mit Sitz im MAFINEX-Technologiezentrum – der Name bedeutet ausgesprochen „we map it“ – hat sich dies zunutze gemacht und bietet Firmen ein Baukastensystem mit verschiedenen Business-Komponenten wie eine interaktive Landkarte, Routenplaner, Kundenkarte/Bonusheft, Barcodeleser oder Filialfinder an, die vom Kunden bedarfsgerecht ausgewählt und mit Inhalten gefüllt werden können. Mit zahlreichen renommierten Kunden wie der Telekom hat vmapit bereits Apps realisiert, erst kürzlich wurde beispielsweise ein Audio-Guide für das Verkehrsmuseum Dresden entwickelt.

Mithilfe eines neuen Projekts möchte vmapit nun Sportvereine unterstützen. „Wir haben beispielsweise dem Handballverein Jungbären TSG Ketsch kostenlos eine App zur Verfügung gestellt, die nicht nur in Echtzeit beispielsweise die neuesten Ergebnisse kommuniziert, sondern die auch eine Plattform für die Sponsoren ist“, so Geschäftsführer Stefan Stadler. „Sportvereine, die sich bis zum Jahresende bei uns melden, können von dieser Aktion profitieren.“

  • Densic

2012 gründete Dr. Denis Wohlfeld die Densic GmbH. Die beiden jungen Wissenschaftler sind im Bereich der optischen Kommunikation unterwegs. Das Unternehmen ist ein spin-off der Forschungsgruppe „High-Speed Short-Range Interconnects“ des Instituts für Technische Informatik (ZITI) der Universität Heidelberg. Eine dort entwickelte patentierte Technologie soll über die Densic GmbH nun vermarktet werden.

Interessant sind die von Densic angebotenen Lösungen für High-Performance-Kurzstrecken-Verbindungen bei der optischen Kommunikation vor allem für Supercomputer und Firmen mit einem hohen Datenfluss zwischen verschiedenen Systemen.
 

  • Rhein-Neckar-Theater

Aus einer ehemaligen Lagerhalle auf dem Gelände der früheren Seilerei Seilwolff in Mannheim-Neckarau schuf der Schauspieler und Travestiekünstler Markus Beisel das Rhein-Neckar-Theater mit Platz für bis zu 200 Personen. Die Eigenproduktion „ABBA Hallo!“ wurde bereits deutschlandweit an verschiedene Theater verkauft.

Markus Beisel hat mit seinem Rhein-Neckar-Theater ein Angebot geschaffen, das so in der Kulturlandschaft der Region noch nicht existierte. Neben Musicals und Revuen, die zum großen Teil selber komponiert werden, setzt er auf Kinder- und Jugendtheater und möchte die stilvoll renovierten Räumlichkeiten auch an Firmen, Verbände und Privatpersonen vermieten.

  • contagt GmbH

Das Mannheimer Jungunternehmen contagt GmbH, das 2013 gegründet wurde, konnte sich bereits über einen wichtige Auszeichnung freuen. Der Prinz von Hohenzollern Innovationspreis 2013 ging an das Start-up, dessen App die Navigation auch an Orten ermöglicht, an denen kein GPS-Satellitensignal verfügbar ist.

Die contagt GmbH kommt aus dem wissenschaftlichen Bereich und besteht aus einem interdisziplinären Team von Betriebswirten, Informatikern und Designern verschiedener Hochschulen wie der Universität Mannheim und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim. Weltweit erstmalig haben sie eine Lösung gefunden, bei der die technische Umsetzung der Navigation mittels kleiner Schilder, sogenannter „tags“, erfolgt, die in den Räumen angebracht werden und über visuelle QR-Codes und passiv funkende NFC-Chips verfügen. Entsprechende contagt-Schilder wurden bereits in der Universität Mannheim angebracht und helfen dort den Studierenden, ihre Seminarräume zu finden.

  • CM3P Development

Auch die Firma CM3P Development kommt in ihrer Entwicklung gut voran. Im Dezember 2012 konnte das Existenzgründungsunternehmen, das ebenso wie contagt von der Mannheimer Wirtschaftsförderung und dem MAFINEX Gründerverbund unterstützt wird, neue Räumlichkeiten im MAFINEX-Technologiezentrum beziehen und das Team um einen Mitarbeiter erweitern. Tobias Böh hat u. a. ein Diabetes-Tagebuch und die Darstellung eines Elektrokardiogramms auf der Plattform Apple iPhone realisiert.

Im Juni 2012 wurde die CM3P Development GmbH aus dem EMB-Lab der Hochschule Mannheim ausgegründet, wo Koch und Böh in Zusammenarbeit mit namhaften Unternehmen der Pharma- und Medizinbranche bereits eine besondere Expertise bei der Entwicklung von iPhone- und iPad-Applikationen für den medizinischen Bereich gesammelt hatten.

  • licobo GmbH


Die Idee eines Online-Adressbuchs hatte David Amann und Felix Kolmar schon während ihres Studiums an der Hochschule Mannheim begeistert. Noch während ihrer Studienzeit tüftelten sie an einer Lösung. Nach ihrem Abschluss perfektionierten sie das System und gründeten die licobo GmbH mit Sitz im MAFINEX-Technologiezentrum. Ende 2012 ging das Start-up in die Testphase. Seit Anfang des Jahres ist das Cloud-Adressbuch für jeden kostenlos zugänglich. Grundlage ist das altbekannte Modell der Visitenkarten – nur digital und in der Cloud, in der persönliche Kontaktdaten wie Telefonnummern oder Profile in sozialen Netzwerken gespeichert werden. Diese Karte wird mit einer sogenannten licobo-ID verknüpft, deren Daten ständig aktualisiert werden. Der Austausch beispielsweise von komplizierten Telefonnummern entfällt. Mit einer speziellen Verschlüsselungstechnik sichert licobo den Datenschutz. In Arbeit ist ein erweitertes Angebot licobo Pro, das sich an Businesskunden richtet. Licobo wird vom MAFINEX-Gründerverbund Rhein-Neckar betreut.

  • Stocard GmbH

Im August 2012 wagten die Jungunternehmer David Handlos und Björn Goß mit ihrem Start-up Stocard GmbH mit Sitz im Mannheimer Kreativwirtschaftszentrum C-HUB den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Geschäftsidee: eine kostenlose App, mit der alle Kundenkarten auf dem Smartphone gespeichert werden können. Finanziert wird das Modell über Angebote der Kundenkartenbetreiber. Und die Nachfrage ist groß – bereits 1,3 Millionen Menschen nutzen die Stocard-App.

Eigentlich war es das mit Rabattkarten verstopfte Portemonnaie seiner Freundin, das David Handlos zum Nachdenken brachte. Das Handy als Kundenkarten-Manager würde dieses Problem lösen, so seine Idee. So entwickelte er mit zwei Kommilitonen eine App, die zunächst nichts weiter tut, als den Barcode einer solchen Kundenkarte zu fotografieren, zu speichern und auf Wunsch im Display des Mobiltelefons anzuzeigen. An der Kasse muss also statt der Karte das Handy gezückt und vor den Scanner gehalten werden.

  • stilfaser

Dass man nicht nur in der virtuellen Welt unterwegs sein muss, um erfolgreich zu sein, das wollen zwei Mannheimer Studenten beweisen, die mit ihrer neu gegründeten Firma stilfaser GmbH den Sockenmarkt aufmischen und die Fußbekleidung zu einem Premiumprodukt machen wollen. Erste Vertriebsschiene ist der eigene Online-Shop.

Für die jungen Geschäftsführer der stilfaser GmbH, Maria Pentschev und Lucas Pulkert, steht aktuell vor allem die Erschließung neuer Vertriebswege im Vordergrund. Neben dem eigenen Online-Shop und Internet-Plattformen wie Amazon haben sie auch ungewöhnliche Locations wie Friseure oder Lokale im Blick, um die in Deutschland produzierte Ware an den modebewussten Mann zu bringen – getreu ihrem Ziel, die Socke als Statussymbol zu etablieren.