Die digitale Zukunft hat in der Metropolregion bereits begonnen

Betont praxisnah ging es zu beim 5. Netzwerkforum „Smart Production“ am 22. Juni 2017. Auf dem Programm stand: „Hands-On Industrie 4.0 – Best Practices aus der Region“. Seit Gründung des Netzwerks im Jahr 2016 haben die Partner zahlreiche Projekte begonnen und bringen damit die Industrie in Mannheim und der Region voran.

Veranstaltungsort des Netzwerkforums war mit Pepperl + Fuchs ein Pionier in industrieller Sensortechnik und Weltmarktführer in Sachen Explosionsschutz. Rund 100 Teilnehmende aus Wirtschaft, Hochschulen und Institutionen der Region fanden sich in Mannheim Sandhofen zum Erfahrungsaustausch ein.

Die Digitalisierung führt zu tiefgreifenden Veränderungen, auch von Geschäftsmodellen. Dr. Gunther Kegel, Geschäftsführer von Pepperl+Fuchs und amtierender VDE-Präsident, ließ in seiner Grundsatzrede keinen Zweifel daran, dass sich Unternehmen, ob klein oder groß, der Herausforderung stellen müssen: „Mit der Digitalisierung ist es wie mit der Schwerkraft. Der ist es auch egal, ob wir sie mögen oder nicht. Sie ist trotzdem da. Wer jetzt nicht aktiv wird, wird spätestens 2025 abgehängt sein!“

Diese Herausforderung betonte auch Christiane Ram, 1. Vorsitzende des Netzwerks „Smart Production“ und Leiterin des Fachbereichs für Wirtschafts- und Strukturförderung der Stadt Mannheim. In ihrer Begrüßungsansprache verglich sie das digitale Wachstum mit Kinderschuhen: Was heute noch passt, ist morgen schon zu klein und überholt. Umso wichtiger sei ein Zusam¬menspiel von Firmen und Forschungsinstitutionen, um Wissen zu transferieren und Syner¬gien zu nutzen – genau dies hat sich das auf Initiative der Stadt Mannheim gegründete Netzwerk zum Ziel gemacht.

Gemeinsames Verständnis schaffen

Worum geht es genau bei Industrie 4.0 oder dem Internet der Dinge? Eine Antwort gab Dr. Rainer Drath, Spezialist für Factory Automation Systems im ABB Forschungszentrum in Ladenburg. „2013 verstand man unter Industrie 4.0 noch alles und nichts. Heute versteht jeder etwas anderes darunter“, hielt er in seinem Einführungsvortrag fest.

Was es bedeutet, wenn Geräte selbst aktiv werden und miteinander kommunizieren, ver-deutlichte Drath an Alltagsbeispielen, damit es „auch die Großmutter versteht“, so sein Anspruch. Erstes Beispiel: Ein Sensor kann die Umgebung einer Palme analysieren und via App konkrete Pflegeanweisungen geben. „Die Palme zeigt das Grundprinzip von Industrie 4.0. In Zukunft lassen sich die Daten aber noch tiefer vernetzen: sind z.B. mehrere Palmen mit Sensoren im Haus, könnten sie ihre Daten austauschen und dabei eigenständig Erkenntnisse gewinnen. Meldet ein Sensor eine völlig abweichende Temperatur, könnte das System erkennen, dass vermutlich der Sensor defekt ist“, so Drath. Die Zukunft wird neuartige und clevere Lösungen hervorbringen.

Zusammenspiel Mensch-Maschine

Weiteres Beispiel: Seit Tankstellen ihre Spritpreise an eine Zentrale melden müssen, gibt es Apps für Smartphones, die Nutzern zeigen, wann sie wo besonders günstig tanken können. „Diese Anwen¬dung zeigt ebenfalls die Kernidee von Industrie 4.0: Mehrwert durch Verknüpfung von Daten mittels Internettechnologien“, betonte Drath. „Mit Industrie 4.0 entsteht eine neue Welt“, erklärte der ABB-Experte. Die Herausforderung besteht darin, das Sinnvolle vom Machbaren zu unterscheiden.

Der Mensch muss seinen Platz in diesen Strukturen erst finden, meinte Dr. Kegel. „Wir brauchen mehr denn je gute Ingenieure“, unterstrich er im Vortrag. Anders als in den USA, wo IT dominiere, sorgten Ingenieure hierzulande mit ihrem Knowhow von den realen Dingen dafür, dass IT-Projekte auf dem Boden des Machbaren und Sinnvollen bleiben.

In zwei weiteren Key Notes von Vertretern von Cisco und SAP, einer begleitenden Fachausstellung sowie in parallelen Fachforen stellten Referenten über ein Dutzend Praxisbeispiele und Entwicklungen vor: Themen waren „Wie schaffe ich weniger Komplexität in der Produktion?“ oder „Wem gehören die Daten?“ Zur Sprache kam auch die Datenfülle und wie sie am besten auszuwerten ist. IT-Sicherheit, vorbeugende Wartung dank lernender Maschinen oder Augmented Reality („erweiterte Realität“) gehörten ebenfalls dazu.

Das Netzwerk Smart Production

Das „Netzwerk Smart Production“ wurde von der Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim 2015 ins Leben gerufen und gemeinsam mit dem Rhein-Neckar-Kreis implementiert. Im Januar 2016 ging es offiziell an den Start. Ziel ist es, branchen¬übergreifend Motor für Innovationen der Digitalisierung zu sein sowie den Wirtschaftsstand¬ort Mannheim und die Metropolregion Rhein-Neckar als Hot-Spot für dieses Thema zu positionieren.

Dazu bringt das Netzwerk Produktionsbetriebe, IT- und Beratungsfirmen, Start-ups und Hochschulen zusammen und bietet ihnen eine Informations- und Innovations-Plattform. Das vorhandene Know-how zu Industrie 4.0 soll dabei gerade auch in kleinere und mittlere Pro-duktionsbetriebe getragen werden. Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch finden in vie¬len Einzelprojekten statt. „Smart Production“ nimmt deutschlandweit eine Vorreiterrolle ein. Am Netzwerk beteiligen sich derzeit  45 Unternehmen und Institutionen. Weitere Partner befinden sich in konkreten Aufnahmegesprächen.

Kontakt:
Netzwerk Smart Production e.V.
Georg Pins
Tel.: 0621 293 3359
E-Mail: georg.pins@smartproduction.de