Von Big Data zu Smart Data: 4. Forum des Netzwerks Smart Production diskutiert Anwendungen und Chancen digitaler Daten-Nutzung

Die digitale Welt ist voll von Daten. Doch was tun damit? Wie lassen sich gesammelte Daten gewinnbringend nutzen? Und wie lassen sich daraus neue Geschäftschancen entwickeln? Beim 4. Netzwerkforum des von der Mannheimer Wirtschaftsförderung initiierten „Netzwerks Smart Production“ der Metropolregion am 11. Oktober 2016 ging es genau darum.

Daten gelten als Gold des 21. Jahrhunderts, denn in ihnen stecken jede Menge Informationen über Produkte, Märkte und Kunden. Damit lassen sich Prozesse verbessern, aber auch neue Geschäftsmodelle erschließen. So genannte „Smart Services“, gewinnen an Bedeutung.

Rund 100 Teilnehmende beschäftigten sich in den Räumlichkeiten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim mit Daten und ihrem Mehrwert für Unternehmen und Wirtschaft in Vorträgen, Diskussionen und drei parallelen Fachforen. „Nutzen Sie die Vorteile des Netzwerks und profitieren Sie von der geballten wissenschaftlichen und unternehmerischen Kompetenz in der Region“, forderte Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch die Teilnehmenden auf. Es gehe darum, „von anderen zu lernen und gemeinsam mit Partnern weiter zu gehen“.

In den Fachforen gaben Experten aus der Region konkrete Einblicke in Forschung und Praxis der Netzwerkpartner zur Datengewinnung, Datenanalyse und sich daraus ergebenden neuen Geschäftsmodellen.

So stellte Jonas Spoorendonk vom ABB-Geschäftsbereich Motoren und Generatoren einen Industriesensor vor, der drahtlos Daten zur Zustandsanalyse von Niederspannungsmotoren übermittelt. Matthias Geiger, Leiter Forschung und Entwicklung bei Binder Elektronik in Sinsheim zeigte, wie unterschiedliche Sensorarten in ein System zur Haus- und Gebäudeautomation eingebunden werden können und entwarf Einsatzszenarien.

Wie Daten aus unterschiedlichsten Quellen zusammengeführt und schnell analysiert werden können, veranschaulichten Professor Heiner Stuckenschmidt, Leiter des Lehrstuhls für Künstliche Intelligenz der Universität Mannheim, und Alexander Hendorf, Senior Consultant beim Beratungsunternehmen Königsweg. Eric Ecker, Leiter Industry Analytics bei der mayato GmbH, unterstrich die Rolle der Maschinenverfügbarkeit für reibungslose Produktionsprozesse. Dank digitaler Analyseverfahren lassen sich Ausfälle vorhersagen und somit ist auch ein rechtzeitiges Gegensteuern möglich.

Professor Julian Reichwald, Studiengangsleiter Wirtschaftsinformatik/Software Engineering an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Mannheim, zeigte, wie man große Informationsmengen zielgerichtet filtert und daraus Mehrwerte generiert. Mit dem Forschungsprojekt „Strombank“ präsentierte Dr. Robert Thomann, Innovationsmanager beim Energieversorger MVV Energie AG, abschließend ein aktuelles Praxisbeispiel das intelligentes Energiemanagement auf Basis von Echtzeit-Datenanalyse ermöglicht.

Vorangegangen war die Key Note der Veranstaltung von Carsten Kestermann, Senior Manager Public Policy EMEA bei Amazon, der die Bedeutung neuer Formen der Datenwertschöpfung anhand des eigenen Unternehmens umriss und den Transfer in den industriellen Bereich herstellte: Den größten Vorteil aus dem digitalen Wandel ziehe derjenige, der sein Geschäftsmodell immer wieder radikal hinterfrage und auf Basis weiterentwickelter Märkte neu definiere. „Die besten disruptiven Geschäftsmodelle entstehen dadurch, dass Sie ihr traditionelles, eigenes Geschäftsmodell kannibalisieren“, so seine provokante These, die das Plenum weitreichend im Anschluss diskutierte.

Um Erfolgsfaktoren für die Umsetzung ging es auch in der abschließenden Podiumsdiskussion. Nach einhelliger Meinung der Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft gehören dazu vor allem Freiräume für neues Denken sowie eine gelebte Fehlertoleranz im Unternehmen. Generalisten und Fachleute zusammenzubringen oder „die Kunden der eigenen Kunden“ fragen, könne Früchte tragen. Insbesondere dem Mittelstand rieten sie: „Einfach mal anfangen und kleine Schritte machen!“

Erstmals fand neben dem Forum auch eine Ausstellung von Netzwerkpartnern statt. Ein Highlight war dabei das derzeit größte Netzwerkprojekt, der „Smart Factory Demonstrator“ mit insgesamt 19 Partnern aus dem Netzwerk.

Das Netzwerk Smart Production

Das „Netzwerk Smart Production“ wurde von der Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim 2015 ins Leben gerufen. Im Januar 2016 ging es in Kooperation mit dem Rhein-Neckar-Kreis offiziell an den Start. Ziel ist es, branchenübergreifend Motor für Innovationen der Digitalisierung zu sein sowie den Wirtschaftsstandort der Metropolregion Rhein-Neckar als Hot-Spot für dieses Thema zu positionieren.

Dazu bringt das Netzwerk Produktionsbetriebe, IT- und Beratungsfirmen, Start-ups und Hochschulen zusammen und bietet ihnen eine Informations- und Innovations-Plattform. Das vorhandene Know-how zu Industrie 4.0 soll dabei gerade auch in kleinere und mittlere  Produktionsbetriebe getragen werden. Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch finden in vielen Einzelprojekten statt.

„Smart Production“ nimmt deutschlandweit eine Vorreiterrolle ein. Am Netzwerk beteiligen sich derzeit mehr als 40 Unternehmen und Institutionen.

Ansprechpartner:

Stadt Mannheim:

Nina Kruppenbacher
E-Mail: nina.kruppenbacher@smartproduction.de
Telefon: 0621 293 2815

Georg Pins
E-Mail: georg.pins@smartproduction.de
Telefon: 0621 293 3359

Rhein-Neckar-Kreis

Danyel Atalay
E-Mail: danyel.atalay@smartproduction.de
Telefon: 06221 522-2166

Mehr Informationen unter www.smartproduction.de

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