Antanas Sutkus: KOSMOS

ZEPHYR - Raum für Fotografie

zu Gast im Museum Zeughaus C5

Antanas Sutkus zählt zu den wichtigsten Fotografen des zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch will seine Kunst in der Mitte Europas noch mehr entdeckt werden. Kosmos bezeichnet im Griechischen die Summe aller Dinge und der Zeit, also mehr, als wir sehen können. Antanas Sutkus´ Werk passt sehr gut zu diesem Anspruch an Totalität: Es zeigt die Menschen, das Land, die Trauer und die Freude, den Himmel und das Wasser, Einsamkeit, Alter, Freude und Spiel, mit dem Wesen der Dinge hinter dem Sichtbaren.

Antanas Sutkus gab den Bewohnern Litauens und deren Leben ein Gesicht, mit seinen Bildern wurde er zum Chronisten seiner Zeit. Vor allem in seinem Hauptwerk, „Menschen aus Litauen“ „Lietuvos žmonių“, hielt er diese seit den späten 1950er Jahren so eindrücklich fest, dass sie uns bis heute erreichen.

2018 wurde Litauen 100 Jahre alt. Frankreich und Deutschland machten der Republik eine Ausstellung ihres großen Fotografen zum Geschenk: KOSMOS wurde in der Nationalgalerie Vilnius von Nobvember 2018 bis Januar 2019 gezeigt. Hier in Mannheim können Sie bei ZEPHYR den Hauptteil dieser Ausstellung sehen. KOSMOS zeigt Straßen- und subtile Alltagsszenen, in denen sich die Menschen vollkommen natürlich bewegen: das ganz normale Leben, abseits aller Aufregungen. Es zeigt Junge und Alte, Kinder und Arbeiter, Künstler und Bauern, Stadt und Land, Moderne und Tradition, Abschied und Begegnung, Verkehr und Langeweile oder einfach nur den Regen. Alle und alles hat seinen Platz im KOSMOS, der in jenen Tagen aus dem Westen beinahe so schwer erreichbar war wie der Mond.

Antanas Sutkus´ Leben: Stellen wir uns eine Kindheit in der malerischen litauischen Landschaft vor: die verzweifelte Suche nach Wahrheit in der Schule, die knochenharte Arbeit im Moor, den Freitod des Vaters in den Kriegsjahren, die christliche Erziehung durch die Großeltern und die Leiden der Tuberkulose. Dies und andere Herausforderungen im Privatleben hinterließen Spuren in seinem Werk. Er bewahrte Menschlichkeit auch in den dunkelsten Momenten des Lebens, und paarte sie mit existentieller Fürsorge für seine Umwelt sowie einem großen Organisationsgeschick. Dies alles ließ ihn zu einem wichtigen Impulsgeber für die Litauische Fotografenschule werden und - zusammen mit anderen - in Zeiten, in denen eigentlich alle Impulse von Moskau ausgingen, die Litauische Fotografengesellschaft gründen.

Reiss-Engelhorn-Museen

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