Lebensqualität und Gemeinwohl

Die Stadt Mannheim befasst sich mit dem Thema Gemeinwohl auch im Sinne eines qualitativen Wachstums der Stadt. Gemeint ist ein Mehrwert in sozialen und wirtschaftlichen bis hin zu kon-sumethischen Belangen, der sich an einer steigenden Lebensqualität für die Stadtgesellschaft festmachen lässt. So werden zum Beispiel im Rahmen der acht strategischen Ziele Mannheims neben klassischen Kennzahlen wie der des Bruttoinlandprodukts auch alternative Indikatoren zur Messbarkeit des Wohlbefindens (auch im Sinne von Wohlstand) der Bevölkerung eingesetzt. Ge-messen wird u.a. die Zufriedenheit mit dem Zusammenleben der Menschen in Mannheim und die Zufriedenheit mit den kulturellen Einrichtungen. Da die entsprechenden Befragungen regelmäßig stattfinden, lässt sich nach mehreren Durchgängen ein Trend erkennen. Ein weiteres Themenfeld neben der subjektiven Wahrnehmung von Zufriedenheit bis hin zum „Glück“ der Einwohnerinnen und Einwohner ist das Gemeinwohl im wirtschaftlichen Kontext. Die rasant treibende Globalisierung stellt viele Menschen vor die Frage, ob reines Leistungsdenken und konstantes Streben nach materiellem Profit die richtigen Hebel für ein erfülltes und nachhaltiges Leben sind. Auch Unter-nehmen und öffentliche Institutionen beschäftigen sich mehr und mehr mit diesem Gegenstand, letztere auch unter dem Aspekt von Demokratie und Gemeinwohl.

Die Stadt Mannheim hat hierzu eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die in unregelmäßigen Abständen Frageräume zu einem nachhaltigeren Wirtschaften im Sinne einer Gemeinwohlorientie-rung eröffnet. Den Anfang machte ein Vortrag von Petra Pinzler im Januar 2013. Auf Einladung der Stadt Mannheim und des Fritz Erler-Forums diskutierte die Journalistin mit Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und mit Bürgerinnen und Bürgern unter der Moderation des stellvertretenden Vorsit-zenden der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Gernot Erler, über relevante Faktoren für Zufriedenheit und Lebensqualität, insbesondere unter dem Gesichtspunkt eines sich in Teilen der Gesellschaft verändernden, nachhaltigeren und bewussteren Konsumverhaltens. Kritisch betrachtet wurde die tradierte Wachstumskennzahl des Bruttoinlandprodukts. Auch die Mannheimer Verwaltungsreform, die auf Basis einer wirkungsorientierten Steuerung der Kommune die Lebensqualität in Mannheim steigern soll, fand in Petra Pinzlers Buch „Immer mehr ist nicht genug – Vom Wachstumswahn zum Bruttosozialglück“ Beachtung.

Am 17. April 2013 befasste sich ein verwaltungsinterner Workshop mit dem Thema Gemein-wohlökonomie (GWÖ). Christian Felber, Initiator der GWÖ, wurde bei seinem Vortrag und den Gruppenarbeiten von GWÖ-Engagierten aus der Region Rhein-Neckar unterstützt. Der Planungs-lenkungskreis der Stadt Mannheim sowie Mannheimer Kulturschaffende und Vertretungen aus der Mannheimer Wirtschaft beschäftigten sich in verschiedenen Workshop-Modulen mit Perspektiven, die die GWÖ als mögliche weitere Impulstreiberin für die Zukunftsfähigkeit von Verwaltung, Stadt-gesellschaft und lokaler Wirtschaft in Zeiten sich verändernder ökonomischer Rahmenbedingungen aufzeigen könnte. Diskutiert wurden im Modul des Planungslenkungskreises auch der Bestand der damals aktuell sieben strategischen Ziele mit ihren Indikatoren sowie deren gemeinwohlorientierte Ausrichtung und Messbarkeit zur Steigerung der Lebensqualität in Mannheim. Abschließend wurden der Nachhaltigkeits- und Transparenzgedanke der GWÖ seitens der meisten Teilnehmen-den positiv gewertet, jedoch eine kurzfristige Einführung und Umsetzung noch nicht als möglich erachtet. Es bestand kein Zweifel, dass man sich entlang der Themenlinie Nachhaltigkeit und Le-bensqualität weiter mit der GWÖ befassen wird.

Im Nachfeld des Workshops stand am 21. Februar 2014 die bisher größte kommunale Veranstal-tung zu diesem Thema auf dem Programm. Unter dem Motto „Zeit für neues Wirtschaften – Öko-nomie und Gemeinwohl: Kontroversen in einer erfolgreichen Stadt“ diskutierten Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, Christian Felber von der GWÖ, die Geschäftsführerin des Instituts für Beschäfti-gung und Employability, Prof. Dr. Jutta Rump und dm-Gründer Prof. Götz W. Werner im Mannhei-mer Ratssaal Aspekte von Gemeinwohl, Lebensqualität und wirtschaftlichen Strategien und hinter-fragten, teils in verschiedener Sichtweise, die Gründe und Potenziale neuer Konsummuster, der Sharing Economy sowie der tradierten Messung von Wirtschaftswachstum und Wohlstandsanaly-sen auf Basis des Bruttoinlandprodukts. Die rund mit 400 Besucherinnen und Besucher waren interaktiv eingebunden und konnten über verschiedene Kartenfarben ihr Meinungsbild zu einzelnen Sachverhalten einbringen. So waren sich fast alle Gäste in der Frage einig, ob Ökonomie und Gemeinwohl vereinbar seien, und beantworteten dies per Kartenvotum mit Ja. Dennoch wurde deutlich, dass trotz aller Verbesserungen einer nachhaltigen Kommune und eines sich verändern-den Konsums sowohl im Bereich der öffentlichen Beschaffung als auch im Lebensalltag der Stadt-gesellschaft nach wie vor zu viele natürliche Ressourcen verbraucht werden. Dies warf die Grund-satzfrage nach eine Neubemessung wirtschaftlichen Erfolgs auf, die Ethik und Ökologie bilanzie-rend integriert. Zugleich wurden die Vitalität des Mittelstands in Deutschland sowie deren Zusam-menhang mit Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit betont. Einig waren sich die Teilnehmenden vor allem in einem Punkt: Nur eine für alle Bürgerinnen und Bürger inklusive Partizipation an allen gesellschaftlichen Systemen ermöglicht in der Wirkung einen bewussteren und die Ressourcen schonenden Konsum und stärkt die Lebensqualität sowie die Demokratie vor Ort.

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