Hintergrundinformationen

Das Collini Center wurde 1972 – 1975 im Zuge der Bundesgartenschau realisiert, es folgte 1975 – 1982 die Neckar-Ufer-Bebauung im Osten auf der gegenüberliegenden Seite des Neckars. Beide Projekte basieren auf einem Gesamtkonzept und folgen den städtebaulichen Vorstellungen der Nachkriegsmoderne und der „Neuen Stadt“. Sie waren stark von der Idee getragen, Mannheim am Wasser zu entwickeln. Für das Collini Center gilt, was für die meisten Komplexe dieser Zeit gilt: Das Konzept der „Stadt im Haus“ wurde letztlich nicht angenommen, viele Flächen im Foyer konnten kaum längerfristig erfolgreich betrieben werden. Das Defizit des introvertierten Konzeptes und die zum Teil unattraktiven Stadträume im Umfeld sind bis heute eine Hypothek. Im Bürohochhaus befinden sich derzeit noch die technischen Ämter der Stadt Mannheim mit etwa 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Diese werden jedoch in den nächsten Jahren, voraussichtlich bis Ende des Jahres 2020, in einen Neubau im Bereich des Glückstein-Quartiers am Hauptbahnhof umziehen. Die Stadt Mannheim möchte die Hypothek Collini Center nunmehr für die Zukunft auflösen und hat sich daher entschlossen, das Grundstück „Collini Center“ im Rahmen eines Investorenauswahlverfahrens nach Konzeptqualität zu veräußern – mit Ausnahme des Wohnturms, welcher sich nicht in städtischem sondern in Privateigentum befindet. Die Stadt Mannheim ist bei dem Verkauf des Grundstücks „Collini Center“ vor allem daran interessiert, den Stadtteil aufzuwerten und ein Bebauungskonzept auszuwählen, welches die qualitativ hochwertigste und städtebaulich verträglichste Lösung darstellt. Dabei sind die bestehenden planungsrechtlichen Vorgaben zu beachten.


Das Grundstück „Collini Center“ ist eines der wenigen Grundstücke in Mannheim in entwicklungsfähiger Wasserlage. Neckarsteg, Bahnquerung und Abgang ins Neckarvorland bieten einen der ganz wenigen Orte mit direktem Zugang und der Möglichkeit ans Wasser zu kommen. Der barrierefreie Neckarsteg und die bestehende öffentliche Durchwegung des Grundstücks „Collini Center“ als Verbindung zwischen Wasser und Innenstadt sollen deshalb zwingend erhalten bleiben, um das vorhandene Potenzial voll auszuschöpfen.


Die Vergabe nach Konzeptqualität ist ein wesentliches Instrument, um die Umsetzung sowohl wohnungspolitischer als auch umwelt- und stadtentwicklungspolitischer Ziele bei der Grundstücksvergabe zu garantieren und einen überzogenen Preiswettbewerb zu verhindern. Die Konzeptvergabe kann kaufpreisdämpfend und kostenmindernd wirken, was letztlich der Produktqualität zugutekommt. Im Gegenzug werden Kriterien erfüllt, die den Verzicht auf den Höchstpreis rechtfertigen, wie beispielsweise die architektonische und freiraumplanerische Qualität, Umweltkriterien und die Weiterentwicklung des städtebaulichen Konzepts. Dabei wird im Falle des Collini Center weder eine Sanierung der Bestandsgebäude noch ein Abriss bzw. Teilabriss mit anschließendem Neubau ausgeschlossen bzw. vorgegeben. Die Stadt Mannheim ist daran interessiert, dass künftige Investoren hier ihre Kreativität einsetzen.


Über die Vergabe von städtischen Grundstücken nach Konzeptqualität können vertiefende wohnungspolitische Vorgaben für Standorte formuliert werden, auch um einer sozialen Entmischung der Quartiere entgegenzuwirken. Ziel ist auch, unterschiedliche Akteure für die Wohnungsbauentwicklung zu gewinnen und in die Standortentwicklung zu integrieren. So hat die Stadt Mannheim am 3. Mai 2018 u. a. eine Quote für preisgünstigen Mietwohnungsbau beschlossen. Diese soll nun bei der Veräußerung des Collini Center erstmalig bei einem Projekt dieser Größe zum Einsatz kommen. Neben der Sorge für Bevölkerungsgruppen mit besonderen Wohnungsversorgungsproblemen sowie dem Bedarf der ortsansässigen Bevölkerung nimmt die Stadt Mannheim mit der Quote für preisgünstigen Mietwohnungsbau nun auch die Schaffung von Wohnungsangeboten für Haushalte mit mittlerem Einkommen in den Fokus. Die Stadt Mannheim ist bestrebt, nicht nur bei der Entwicklung neuer Stadtquartiere, sondern auch bei größeren Wohnungsbauvorhaben in bestehenden Stadtteilen eine möglichst gemischte Bevölkerung zu gewährleisten. Durch den Städtebau soll ein Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungsarten und Nutzergruppen ermöglicht werden. Dies trägt zu stabilen Nachbarschaften und einer nachhaltigen Sicherung der lokalen Infrastruktureinrichtungen wesentlich bei. In welchem Umfang die Quote für preisgünstigen Mietwohnungsbau bei der Nachnutzung des Collini Center zum Tragen kommt, hängt letztlich von der konkreten Ausgestaltung des im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens ausgewählten Konzepts ab.


Sowohl die Bürgerschaft als auch die Eigentümergemeinschaft des Wohnturms Collini Center sollen in den Prozess der Vergabe nach Konzeptqualität miteingebunden werden. So wird die Eigentümergemeinschaft voraussichtlich einen Preisrichter und einen weiteren Vertreter zu Beratungszwecken in das Preisgericht entsenden, welches über die Prämierung der vorgelegten Konzepte entscheidet. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Eigentümergemeinschaft in die Entscheidungsprozesse über das Collini Center mit eingebunden wird. Aber auch die Bürgerschaft wird beteiligt. Zeitnah nach der EU-weiten Ausschreibung findet eine Informationsveranstaltung über das angestrebte Verfahren statt. Zudem sollen in einem Bürgerworkshop Konzepte vorgestellt werden, um der Bürgerschaft die Gelegenheit zu Kritik, Anregungen und Verbesserungswünschen zu geben. Ein städtisches Auswahlgremium wählt dann - auch unter Berücksichtigung der Wünsche der Bürgerschaft - das endgültige Siegerkonzept für die Nachnutzung des Collini Center aus. Über das Siegerkonzept wird die Bürgerschaft noch einmal im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung informiert werden.


Insgesamt sind bei der Veräußerung des Collini Center drei Aspekte für die Stadt Mannheim von entscheidender Bedeutung: Erstens die Qualität der vorzulegenden Bebauungskonzepte mit einer großen Bandbreite an Möglichkeiten - von Bestandssanierung bis hin zu einem möglichen Neubau -, zweitens der öffentliche, barrierefreie Zugang zum Neckar sowie drittens die Einbindung der Anwohner, insbesondere des Wohnturms, und in einem weiteren Schritt der gesamten Bürgerschaft in das Verfahren. Dadurch soll eine deutliche Aufwertung des Stadtgebietes und ein wichtiger Fortschritt in der Weiterentwicklung der Stadt Mannheim erreicht werden.


Der Vorgang enthält ausschreibungspflichtige Bestandteile und ist insgesamt europaweit auszuschreiben. Danach wäre eine Weitergabe von Verfahrensdetails und Details bzgl. der Anforderungen an die Planungskonzepte ein Verstoß gegen den Grundsatz des Wettbewerbs in einem Vergabeverfahren nach § 97 Abs. 1 S. 1 GWB. Nach dem Transparenzgrundsatz ist die Gleichheit der Informationsgewährung und des Informationszugangs zu gewährleisten. Das heißt, dass alle potentiellen Bieter gleichzeitig die Informationen erhalten müssen. Werden die Informationen aber bereits vorher der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, besteht die Gefahr, dass der Transparenzgrundsatz und damit der Wettbewerbsgrundsatz nicht eingehalten werden. Aus diesem Grund werden weitergehende Informationen erst mit der öffentlichen Ausschreibung bekannt gegeben.

Weitere Informationen zur Bürgerbeteiligung finden Sie auch auf dem Beteiligungsportal der Stadt Mannheim.