Klimagutachten „Waldpforte“

Im Stadtgebiet von Mannheim – seit Mitte der 70er Jahre – wiederholt durchgeführte Klimauntersuchungen belegen, dass in den nördlichen Stadtteilen bebauungsinterne Ventilationsbahnen und Frischluftkorridore für die Funktion des Luftaustausches zwischen Käfertaler Wald und städtischer Bebauung von hoher Bedeutung sind. Bei windschwachen Strahlungswetterlagen entwickeln sich aus der Kaltluftentstehung im Bereich der Wald- und Ackerflächen nächtliche Lokalströmungen, deren Ventilationseffekte zu beachtlichen klimaökologischen Positivwirkungen in der angrenzenden Bebauung (Gartenstadt, Käfertal, Schönau) führen.

Da derartige Lokalströmungen häufig wesentliche Träger der Belüftung bzw. Durchlüftung in bioklimatisch und/oder lufthygienisch belasteten Gebieten sind, ist darauf zu achten, dass deren Funktionsfähigkeit dauerhaft erhalten bleibt. Klimatische Nachteile, die durch zu massive Bebauung entstehen können, sind durch klimaökologische Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle im Stadtgebiet nur bedingt auszugleichen.

Das Planungsgebiet selbst, an der Ecke Waldpforte/Kirchwaldstraße gelegen, befindet sich in der Übergangszone Freiland (Käfertaler Wald) – Bebauung (Gartenstadt) und somit in einem klimaökologisch sensiblen Teilbereich des Stadtgebietes. Die Waldpforte sowie die angrenzenden Grünflächen bilden dabei eine Ventilationsbahn/Luftleitbahn, über welcher die aus dem Käfertaler Wald zuströmende Kaltluft bodennah durchgreifen und bioklimatisch positiv wirksam werden kann. Zudem tragen die Vegetationsflächen entlang der Waldpforte aktiv zur innerstädtischen Kaltluftbildung bei.

Im Rahmen des anstehenden Planungsprozesses war nun zu klären, welchen Einfluss eine mögliche Bebauung im B-Plangebiet Nr. 58.3c auf das lokale Klimageschehen haben würde und inwiefern der beabsichtigte Bau eines Discountmarktes und eines Bürgerhauses die örtlichen klimaökologischen Funktionsabläufe nachhaltig beeinträchtigen könnten.

Für die Klimauntersuchung sowie für die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse in planungsbezogene Bewertungen und Empfehlungen wurden daher folgende Schwerpunkte gesetzt:

  • Vertiefende Analyse und Bewertung der kleinräumigen klimaökologischen Funktionsabläufe unter besonderer Berücksichtigung der lokalen Kaltluftbewegung.
  • Diskussion der kleinräumigen Wechselwirkungen zwischen Käfertaler Wald und der Gartenstadt sowie der zu erwartenden klimatischen Veränderungen im Planungsgebiet und in dessen Umfeld bei potenziellen baulichen Veränderungen.
  • Beurteilung vorgelegter Planungsvarianten und Empfehlung von Maßnahmen zur Sicherung günstiger klimatischer Umgebungsbedingungen.

Zur Erfassung ausgewählter Klimaparameter wurden folgende Messverfahren angewandt:

  • Im Untersuchungszeitraum registrierten 3 feste Klimamessstationen kontinuierlich Lufttemperatur, Windrichtung und Windgeschwindigkeit.
  • Mit Hilfe von Temperaturmessfahrten wurde die kleinräumige Lufttemperaturverteilung während windschwacher Strahlungsnächte erfasst.
  • Zudem wurde mit einer Fesselballonsonde in einer Strahlungsnacht der vertikale Lufttemperaturverlauf gemessen.
  • Mit Hilfe von mikroskaligen Modellrechnungen wurden die Auswirkungen der vorgelegten Standortvarianten auf das lokale Windfeld und die thermischen Umgebungsbedingungen bestimmt.
  • Die lufthygienischen Folgeerscheinungen durch das zusätzliche Verkehrsaufkommen werden unter Berücksichtigung der Vorbelastung mit Hilfe eines Screening-Verfahrens abgeschätzt.

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