Klimagutachten „Mannheim Grünzug-Nordost / Buga“

Wie bereits in der Stadtklimaanalyse 2010 angedeutet, bietet sich der Stadt Mannheim durch die Aufgabe der Spinelli-Barracks die Möglichkeit, den Grünzug Nordost, der sich von den Vogelstang-Seen, über die Feudenheimer Au  bis in die Innenstadt von Mannheim erstreckt, als stadtklimatisch hoch wirksame Ausgleichsfläche und Kalt-/Frischluftleitbahn durchgängig zu entwickeln. Dieses Ziel soll u.a. mit Hilfe einer Bundesgartenschau (BUGA 2023) erreicht werden.

Ziel des Klimagutachtens war es, die mit den geplanten Flächennutzungsänderungen einhergehenden stadtklimatischen Veränderungen aufzuzeigen, zu quantifizieren sowie Zielvorgaben und Planungsempfehlungen zu formulieren.

Gleichzeitig wurde mit der Beauftragung des Gutachtens auch der Versuch unternommen, den Empfehlungen des Deutschen Städtetags (2012) zu folgen, der in seinem Positionspapier „Anpassung an den Klimawandel – Empfehlungen und Maßnahmen der Städte“ gegensteuernde Maßnahmen vorgeschlagen hat:

  • In den jeweiligen Stadtgebieten sollen die zur Belüftung der Innenstadt relevanten Kaltluftschneisen ermittelt, erhalten und in ihrer Funktionsfähigkeit entwickelt und verbessert werden.
  • Die innerstädtischen Grün- und Freiflächen sollten über „grüne Strahlen und Speichen“ als Biotopverbindungen mit dem Umland verbunden werden.
  • Neue Parkanlagen und Pocket Parks (z.B. auf Konversionsflächen) schaffen Erholungsflächen und verbessern das lokale Klima im Stadtquartier.

Die Breite der o.a. Kaltlufttransportbahnen (lokale Grünzüge) soll laut Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (1979) wenigstens 400 bis 500 m betragen. Erst eine Breite in dieser Größenordnung macht es möglich, dass sich in weitgehend ebenem Gelände ein Kaltluftvolumenstrom von über 10.000 m³/s entwickelt. Dieser ist laut VDI-Richtlinie 3787 erforderlich, damit die Kaltluft in die Zentren der Stadt- und Siedlungskörper einzudringen vermag.

Im Rahmen des vorliegenden Klimagutachtens wurde die bereits vorhandene klimaökologische Datenbasis mit Hilfe von vier Klimamessstationen, mobilen Messungen und auch Rauchpatronenversuchen aktualisiert und vertieft. Daneben dienten die Daten als Grundlage für numerische Klimasimulationen, mit denen die stadtklimatischen Folgeerscheinungen vorgelegter Planungen quantifiziert wurden. Anhand verschiedener Szenarien, in denen es u.a. um den Erhalt, Teilerhalt oder Abriss der sog. U-Halle ging, wurde aufgezeigt mit welchen städtebaulichen und freiraumplanerischen Mitteln erreicht werden kann, dass der Kaltluftvolumenstrom zwischen Wingertsbuckel im Süden und aktuellem Südrand von Käfertal auf mehr als 10.000 m³/s ansteigt (bis zu +12% gegenüber dem Ist-Zustand).

Nachdem nun zwischenzeitlich der Sieger des Ideen- und Realisierungswettbewerb zur Buga 2023 ermittelt wurde, wird in der Folgezeit – je nach Planungsfortschritt – noch ein inhaltlicher Abgleich mit den Ergebnissen des Klimagutachtens erfolgen.

Aktualisierung:

Im Mä‚rz 2017 wurde ein aktualisierter Planungsentwurf des Bü€ros RMP STEPHAN LENZEN LANDSCHAFTSARCHITEKTEN vorgelegt, der die geplante Flächennutzung im Planungsgebiet weiter konkretisiert. Die klimaökologischen Folgeerscheinungen dieser Planungen sind Gegenstand eines weiteren Gutachtens (Mai 2017).

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