Zusammenhalt

„Wenn wir Parallelgesellschaften nicht zulassen wollen und dürfen – und das ist meine feste Überzeugung – dann müssen wir aktiv für unser Ziel ‚einer Gesellschaft‘ etwas tun. Jedes Hilfsangebot, jede konkrete Begegnung, jede Erzählung über eine solche Begegnung verändert etwas zum Positiven hin, gestaltet positiv unsere Gemeinschaft.“

Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz in seiner Neujahrsrede 2011

Mannheimer Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt

Vor dem Hintergrund zunehmender Unterschiede bei den Lebensstilen und der kulturellen Vielfalt hat die Gestaltung eines respektvollen Zusammenlebens in den vergangenen zehn Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Bereits 2009 wurde – auf einen interreligiösen Konflikt zurückgehend – die Mannheimer Erklärung für Toleranz verabschiedet, in der ein klarer Apell zur Verständigung und eine Absage an Hass und Gewalt formuliert wurde. Die aktualisierte Mannheimer Erklärung, der ein umfassenderer Vielfaltsbegriff zugrunde liegt, hat der Gemeinderat 2016 verabschiedet. Die über 200 Institutionen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, die sie seither unterzeichnet haben, sind zugleich Partner im Mannheimer Bündnis für ein Zusammenleben in Vielfalt. Seit 2011 wurden mithilfe von Bundesprogrammen insgesamt 111 Projekte zur Mannheimer Erklärung umgesetzt.

Bild 1: Nikola Heven Haubner

Zuwanderer aus Südosteuropa integrieren, nicht alimentieren: Ausbeutung verhindern, Perspektiven ermöglichen durch Zugang zu Bildung und legalem Arbeitsmarkt

Seit dem EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens 2007 erfährt Mannheim eine anhaltende Zuwanderung aus diesen beiden Ländern. Kamen vor 2007 rund 50 Menschen pro Jahr aus Südosteuropa in die Quadratestadt, sind es seitdem durchschnittlich 200 pro Monat. Dadurch hat sich der Anteil der gemeldeten rumänischen und bulgarischen Bevölkerung auf aktuell knapp 10.000 Personen versechsfacht. Dies stellt eine große Herausforderung für Mannheim dar – auch deshalb weil ein Großteil der Zuwanderer aus sozial prekären Milieus stammt.

Die Stadt Mannheim hat frühzeitig eine Arbeitsgruppe Südosteuropa gebildet. Diese bearbeitet Handlungsfelder wie „Sicherheit und Ordnung“ sowie „Integration und Hilfen“ mit allen relevanten Dienststellen der Stadtverwaltung, Landes- und Bundesbehörden und professionellen Akteuren aus den Bereichen Arbeit, Soziales, Bildung sowie Kinder und Jugend. Die ordnungsrechtlichen Interventionen zeigen ebenso Wirkung wie die integrativen Unterstützungs- und Teilhabemaßnahmen, die über den Integrationsfonds Südosteuropa insbesondere in den hauptsächlich betroffenen Stadtteilen Innenstadt/Jungbusch und Neckarstadt-West umgesetzt wurden. Seit 2013 stehen über den Integrationsfonds pro Jahr 300.000 Euro für Maßnahmen in Schulen, Kinder- und Jugendangebote, Sprachförderung sowie Begegnungsangebote zur Verfügung.

Bilder: Thomas Tröster

Mit dem Bundesprogramm des Europäischen Sozialfonds „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier – BIWAQ“ wird zudem mit 1,7 Millionen EU-Mitteln für drei Jahre ein ganzheitliches Qualifizierungsprogramm zur Arbeitsmarktintegration der Zielgruppe umgesetzt. Beim Programm „ANIMA – Ankommen in Mannheim“ kooperiert die Stadt mit dem Caritasverband, dem Diakonischen Werk und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband. Das mit 900.000 Euro für drei Jahre über EU-Mittel finanzierte Beratungs- und Unterstützungsangebot richtet sich in der Muttersprache an südosteuropäische Zuwanderer in schwierigen Lebenslagen. Seit Frühjahr 2017 berät das Kooperationsprojekt „Faire Mobilität“ vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt und dem DGB Nordbaden mit Unterstützung durch die Stadt und das Land, südosteuropäische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ebenfalls in ihrer Muttersprache.

Flüchtlingsunterbringung gemeistert

Als Standort für die Landeserstaufnahme von Flüchtlingen stand Mannheim 2015 und 2016 vor der großen Herausforderung, vor allem auf den Konversionsflächen zeitweise weit über 15.000 Menschen aufzunehmen. Die Situation konnte nur dank des Engagements vieler Ehrenamtlicher gemeistert werden. Schnell wurde eine Stelle zur Koordination der Flüchtlingshilfe eingerichtet, die in Zusammenarbeit mit den sozialen Trägern die Abstimmung der Aktivitäten übernimmt. Mit einem vom Gemeinderat bewilligten und mit 150.000 Euro ausgestatteten Flüchtlingsfonds konnten und können 2016 und 2017 Initiativen und Projekte im Rahmen der Flüchtlingshilfe unterstützt werden. Mitte letzten Jahres wurde auf Franklin die Columbus-Willkommensschule der Stadt Mannheim eingerichtet. In dieser können bis zu 70 Kinder lernen; Deutschsprachkurse, Kurse zu Land, Leute und Kultur sowie sozial- und freizeitpädagogische Angebote zählen zu den Lerninhalten. Durch die Rolle Mannheims als Erstaufnahmestadt gibt es keine dauerhafte Zuweisung von erwachsenen Flüchtlingen nach Mannheim.