Kultur

„Die neue Kunsthalle wird schon baulich eine Einladung an alle sein und den Anspruch ‚Kunsthalle für alle‘ einlösen.“

Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz in seiner Neujahrsrede 2017


Kultur als Treiber der Stadtentwicklung einsetzen, die großen Institutionen sichern und weiterentwickeln und gleichzeitig aber die Vielfalt des kulturellen Angebots in Mannheim ausbauen, um eine „Eigendynamik“ zu erzeugen – das war die Leitidee der Kulturpolitik als Kultur- wie als Oberbürgermeister. Einige Beispiele sind das Musikfestival im MVV-Reitstadion in Form des seit 2011 bestehenden Maifeld-Derbys, der Nachtwandel als Ergebnis von Quartierentwicklung, erhöhte Projektförderung bei Institutionen wie Popakademie, Musikpark und Orientalischer Musikakademie, neue Galerien und Kunstprojekte auf der Konversion oder die Umnutzung des Bürgersaals in N1. Bestehende Orte werden kulturell bespielt und mit neuen Konzepten belebt. Exemplarisch lässt sich dies auch an anhand zweier kultureller Großprojekte verdeutlichen – Kunsthalle und Stadtarchiv.


Zeitgenössische Museumsarchitektur trifft auf Tradition in der Kunsthalle

Die Kunsthalle beheimatet eine der wichtigsten Sammlungen der europäischen Moderne. Dass ein Museum dieser Größenordnung viel mehr sein kann als ein Ausstellungsraum, die Räumlichkeiten selbst ein Begegnungsort von Stadtgesellschaft sein können und zugleich das Stadtbild prägen, dieser Grundgedanke steht hinter den jüngsten Baumaßnahmen. Von 2010 bis 2013 wurde der Jugendstilbau von 1907 nach den aktuellen energetischen Standards, vorbildhaft für ein solches Projekt an einem denkmalgeschützten Bau, saniert. Der Neubau, der gerade am Friedrichsplatz entsteht, ist sowohl architektonisch als auch technisch ein Beispiel für zeitgenössische Museumsarchitektur. Neu und alt verbinden sich im Zentrum der Stadt zum kulturellen Begegnungsort, zur „Stadt in der Stadt“. Die Gesamtinvestition von über 80 Millionen Euro konnte fast vollständig aus privaten Mitteln, Bundes- und Landesförderung und einer 10-Millionen-Rücklage aus dem MVV-Aktienverkauf gedeckt werden.

 

MARCHIVUM als Leuchtturmprojekt des Städtebaus

 

Nicht länger im Collini-Center, sondern an einem umso geschichtsträchtigeren Ort, ist das Stadtarchiv ab 2018 zu finden: Ein Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg wird seit 2016 zum neuen MARCHIVUM, Mannheims Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung, umgebaut. In dem Gebäude in der Neckarstadt-West entsteht das Magazin für die städtischen Akten und stadtgeschichtlich bedeutende Dokumente. Vor allem aber dient es zukünftig es als Forschungs- und Ausstellungsstätte und Ort der Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart. Auch hier gelang es über 30 Prozent der Investition durch Bundesmittel als Leuchtturmprojekt des Städtebaus zu decken.

Bild 2: Kathrin Schwab, Bild 3: Thomas Tröster

 

rem als regionaler und überregionaler Besuchermagnet

Die Reiss-Engelhorn-Museen haben sich in den letzten Jahren durch eine familienfreundliche Ausrichtung und aufwendige Sonderausstellungen, wie zuletzt die große Barockausstellung, zum Besuchermagnet in der Metropolregion entwickelt. Dabei richtet das Museum seinen Blick weit über die Stadtgrenzen hinaus: Besondere Leihgaben aus aller Welt, Kooperationen mit internationalen Partnern und großen Museumshäusern sichern den rem einen festen Platz in der deutschen Museumlandschaft. Mit privaten Stiftungen gelang es auch die Infrastruktur der Museen auszuweiten und zu verbessern.

Bild 2: Jean Christen, Bild 3: Carolin Breckle

 

Nationaltheater deutschlandweit wahrgenommen

Das Nationaltheater Mannheim ist eines der größten und ältesten kommunalen Theater Deutschlands. Wie die rem ist das Nationaltheater der letzten Jahre von der Öffnung gegenüber neuen Besuchergruppen geprägt. Mit Bürgerbühne und junger Oper sind neue „Sparten“ entstanden. Seit März 2013 leiten fünf Intendanten, vier künstlerische für die Sparten Schauspiel, Oper, Tanz und Kinder- und Jugendtheater sowie ein geschäftsführender Intendant das Haus. Die nationale Sichtbarkeit hat ersichtlich zugenommen. Drei der Intendanten wechseln nach München, Hamburg und Stuttgart, was als Qualitätsnachweis der hier geleisteten Arbeit gesehen werden kann.

Bild 3: Andreas Henn

 

Freie Szene stetig gewachsen

Auch abseits der großen Institutionen wird Kultur nicht nur „gefördert“, sondern auch institutionell erweitert. So ist die Freie Szene in Mannheim in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Für den Zeitraum von 2010 bis 2020 wurde im Haushalt eine jährliche Erhöhung der städtischen Zuschüsse in Höhe von 100.000 Euro festgelegt. Festivals wie „Wunder der Prärie“ für Theater, Performance, Tanz, Kunst ausgerichtet vom Künstlerhaus zeitraumexit oder das Theaterfestival „Schwindelfrei“ haben sich fest im Stadtleben etabliert. Die Fotobiennale und die Galerie Zephyr, die Stadtgalerie und in der Nachfolge Port 25 sowie das Eintanzhaus sind unter anderem hinzugekommen.

Eine sichtbare Entwicklung ist auch die verstärkte Kooperation des Jugend- und Bildungsbereichs mit der Freien Szene und den Kultur-Institutionen. Auch bezüglich der Bildungsintegration wurde Kultur zum Motor.

Bild 1: Thomas Tröster, Bild 2: Markus Proßwitz

Kulturelle Großveranstaltungen belebten in den letzten Jahren den gesamten Stadtraum. Exemplarisch seien das Festival Theater der Welt 2014 zu nennen sowie die beiden Jubiläen zu Ehren des Autos (2011) und Rads (2017). Dabei feierten tausende Einwohner und Besucher diese großen Innovationen am Ort ihrer Erfindung.

Bild 2-4: m:con/Hamann/B. Thomassen, K. Paruszewska, E. Witt