17.09.2020

Das Herschelbad feiert seinen 100. Geburtstag - und wir feiern mit!

Vor 100 Jahren wurde das Herschelbad eröffnet. Dieses Jubiläum möchte die Stadt Mannheim im Rahmen der Möglichkeiten, die unter Berücksichtigung der coronabedingten Auflagen und Hygienemaßnahmen gegeben sind, würdig feiern. Ab Mitte September startet das Programm mit drei unterschiedlichen Ausstellungen, die alle etwas mit dem Herschelbad zu tun haben.

Am 21. September 2020 wird die erste Ausstellung des Fotografen und Street-Art-Künstlers Benedikt Hild, der innerhalb Mannheims an allen möglichen Stellen Miniaturszenen inszeniert und fotografiert, eröffnet. Für das Jubiläum hat er das Geschehen nach innen verlagert und eine spezielle Serie geschaffen. Mit den rund 2 cm großen Figuren belebt er auf kunstvolle Weise die Schwimmhallen, die Sauna und sogar das Dach und eröffnet mit seiner Kamera dem Betrachter ganz neue Perspektiven. „Das bunte Treiben im Bad“: Benedikt Hilds Fotografien zeigen das unbekannte Leben winziger Figürchen im Herschelbad.

Die Ausstellungseröffnung „Jugendstilbäder in Deutschland“ findet am 12. Oktober 2020 statt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Volks- und Stadtbäder als Symbole einer modernen und aufgeklärten Kommune. Dienten sie ursprünglich hauptsächlich der Hygiene, wandelte sich diese Aufgabe innerhalb weniger Jahrzehnte. Seinen Höhepunkt erreichte der Bäderbau in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit den sogenannten Jugendstilbädern. In dieser Epoche wurde neben zahlreichen anderen Bädern auch das Herschelbad erbaut. Wie andere Städte leistete sich Mannheim ein Stadtbad mit mehreren Schwimmhallen. In dieser Ausstellung können sich Besucherinnen und Besucher einen Überblick verschaffen über die Auswirkungen einer kunstgeschichtlichen Epoche, die mit ihrer Idee eines Gesamtkunstwerks auch die Bade- und Schwimmanstalten einnahm.

Die Freie Kunstakademie, die fast 25 Jahren in den Räumen des Herschelbades ansässig ist, beschäftigt sich dann mit dem Jubiläum aus künstlerischer Sicht in einer Ausstellung ab dem 10. November 2020. Unter dem Titel „Das Herschelbad als Kunstquartier“ werden studentische Arbeiten gezeigt, die den Fokus auf das komplexe Erscheinungsbild des Bades legen. Mit unterschiedlichen Medien erkunden die Künstlerinnen und Künstler verborgene Teilbereiche und nehmen ungewohnte Perspektiven ein.

Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildet die Festwoche von 9. bis 15. November 2020, an dem sich auch die Freunde und Förderer des Herschelbades in Mannheim e.V. beteiligen werden. Während dieser Zeit findet jeden Tag eine besondere Aktion oder Event statt.

Übersicht der Ausstellungen:

21.09. bis 08.10.: Little Mannheim – auf großer Entdeckungstour im Herschelbad
12.10. bis 05.11.: Jugendstilbäder in Deutschland
10.11. bis 04.12.: Das Herschelbad als Kunstquartier

Aktionen:

09.11. bis 15.11.: Festwoche

Weitere Informationen zum Jubiläumsprogramm "100 Jahre Herschelbad" finden Sie unter www.mannheim.de/herschelbad

Hintergrund:

Den ersten Anstoß zur Errichtung eines Volksbads gab der damalige Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, Otto Beck (1846 bis 1908). Er bewegte seinen langjährigen Freund Bernhard Herschel dazu, 500.000 Goldmark für den dringend gewünschten Bau eines städtischen Hallenbades zu vermachen. Das Herschelbad war nach seiner Einweihung im Jahr 1920 ein Juwel. Äußerlich traditionell im neobarocken Stil ausgeführt, fühlte man sich bei der Innenarchitektur dem Jugendstil verpflichtet. Mit 4.530 qm war es zur damaligen Zeit nicht nur eines der größten Hallenbäder Deutschlands, es barg innerlich auch die neueste Technik. So verfügte damals eine der drei Schwimmhallen über ein modernes Wellenbad. Das Herschelbad war damit das erste Hallenbad Deutschlands mit einer solchen Anlage. In einer Zeit, in der Wohnungen noch nicht über eigene Badezimmer verfügten, war ein Bad, zu dem die Bevölkerung unterschiedlicher Einkommensschichten Zugang hatte, unerlässlich aus Hygiene- und Gesundheitszwecken. "Dass es Oberbürgermeister Beck damals gelungen ist, einen Stifter für dieses Bad zu finden, war damals und ist bis heute ein unbeschreiblicher Gewinn für die Stadt Mannheim“, so Bürgermeister Lothar Quast.

Bei seiner Einweihung beherbergte das Herschelbad drei Schwimmhallen: ein Frauen- und ein Männer- sowie ein Volksbad. Außerdem Wannenbäder, Fußbäder, ein Irisch-Römisches Dampfbad, ein elektrisches Bad, ein Sonnenbad, ein Hundebad (was uns heute etwas merkwürdig vorkommt, damals aber nicht unüblich war), eine Wäscherei inklusive Trockenvorrichtung, einen Friseur, drei Dienstwohnungen sowie als längerfristiges Provisorium die Volksbibliothek.

Der Architekt Richard Perrey, seit 1902 Stadtbaurat in Mannheim, entwarf das Gebäude unter Berücksichtigung modernster Gedanken. Ihm war es nicht nur wichtig, dass der Bau ästhetisch höchsten Ansprüchen entspricht, er legte auch großen Wert auf Licht, Belüftung, verhältnismäßig niedrige Personalkosten und eine Bauweise, die „möglichst unvergänglich“ ist.

Leider war der Bau nicht unvergänglich. Im Zweiten Weltkrieg wurde er stark beschädigt, aber glücklicherweise in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut. Inzwischen sind viele Jahrzehnte vergangen und der Zahn der Zeit hat an dem Gebäude kräftig genagt, sowohl außen als auch innen. Damit die Bausubstanz sich nicht weiterhin verschlechterte, investierte die Stadt Mannheim 2012/2013 rund 10 Millionen Euro. Das Geld floss in die Fassadenrestaurierung, die Erneuerung der Fenster und der Dächer und in eine neue Lüftung in den Hallen 2 und 3.

„Was die Sanierung im Inneren des Gebäudes angeht, hat der Gemeinderat im Juli dieses Jahres dem zukünftigen Nutzungskonzept mit dem Schwerpunkt auf Baden und Erholung zugestimmt, was für uns einen weiteren Meilenstein bei der Umsetzung des Bäderkonzepts darstellt“, kommentiert Lothar Quast die Entscheidung des Gemeinderats. Die nächsten Schritte werden nun sein, das Nutzungskonzept mit dem Denkmalschutz in Einklang zu bringen.

Pressekontakt – V.i.S.d.P.

Stadt Mannheim | V. i. S. d. P. Jan Krasko | Dezernat IV: Planung, Bauen, Verkehr und Sport | Rathaus E5, 68159 Mannheim | Telefon: 0621 293-2917 | E-Mail: jan.krasko@mannheim.de