Bildung & Wissenschaft - 25.06.2019

ZukunftsBrot: ein Internat für Mädchen in Malawi

Bildungsbürgermeisterin übernimmt Schirmherrschaft

Schon seit vielen Jahren engagiert sich Annette Fürst, die 16 Jahre in Mannheim lebte, für Bildungsprojekte in Malawi. Vor 20 Jahre ist ihr Vater nach Malawi ausgewandert, hat dort mit seiner Frau, einer Malawierin, in einer privaten Initiative zunächst einen Kindergarten, dann eine Vorschule und schließlich vor 13 Jahren eine Grundschule für 185 Kinder errichtet. Da viele Kinder die Schule jedoch nicht erreichen können, plant die Familie nun ein neues Projekt: ein Internat für Mädchen.

Um dieses zu realisieren, hat die Diplom-Psychologin die Aktion „Zukunftsbrot“ mit Bäckereien ins Leben gerufen, die von jedem verkauften Brot einen Teil in das Projekt fließen lassen. In Mannheim hat sich die Bäckerei Zorn an der Aktion beteiligt. Die Mannheimer Bürgermeisterin für Bildung, Jugend, Gesundheit, Dr. Ulrike Freundlieb hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.

„Bildung als Schlüssel zur Armutsbekämpfung“

„Bildung ist der Schlüssel zur Armutsbekämpfung. Das gilt in Deutschland - und in Afrika, wo es auch heute längst noch nicht selbstverständlich ist, Mädchen zur Schule zu schicken, umso mehr. Eine gute Bildung ermöglicht Frauen die Chance auf einen Beruf und ein selbstbestimmtes, eigenständiges Leben. Als Mütter werden die Mädchen die erworbene Bildungserfahrung später auch an ihre Kinder und somit die nächste Generation weitergeben. Somit ist jeder Cent, der in Afrika für die Bildung von Mädchen investiert wird, mehrfach  gut angelegt“, betonte Bildungsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb. Daher habe sie die Schirmherrschaft für das Projekt in Mannheim gerne übernommen.

Seit 13 Jahren gibt es die „Bella Vista Primary School“, die der Vater von Projektkoordinatorin Anette Fürst mit seiner malawischen Frau in Chintheche am Lake Malawi gegründet hat, um den Kindern dort eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Mit jedem Jahr sei die Schule erweitert worden, berichtete Fürst: „Zur Vorschule kam die erste Klasse, dann die zweite, es folgte die dritte. Immer mehr Kinder aus der Umgebung gingen in die Bella Vista Grundschule, die schon bald einen besseren Ruf hatte als die staatlichen Schulen rundherum“. Derzeit werde gerade ein Konferenzgebäude gebaut, das die Voraussetzung ist, um die offizielle staatliche Abschlussprüfung für die Primary School anbieten zu können. Bisher legen die Schüler die Prüfungen an einer staatlichen Schule ab.

Leider könnten besonders Mädchen aus dem Hinterland nicht zur Schule kommen, weil es keine Transportmöglichkeit gibt. „Daher möchten wir die Schule um ein Internat ergänzen. Malawi gehört zur den ärmsten Ländern der Welt, Elektrizität und fließenden Wasser sind nach wie vor absolute Luxusgüter. Gleichzeitig sind die Geburtenraten hoch und die Bevölkerung ist sehr jung. Wenn sich in Afrika etwas ändern soll – in diesem Fall in Malawi – dann geht das nur über die Bildung der Mädchen. Wenn Frauen gebildeter sind, haben sie bessere berufliche Chancen und bekommen weniger Kinder“, erläuterte Fürst die Intention des Projekts und ergänzte:. „Wir sprechen oft von der Beseitigung von Fluchtursachen vor Ort. Dies bedeutet konkret, dass für die Menschen in Malawi die Chancen auf ein gutes Leben in ihrer Heimat geschaffen werden.“

Platz für 20 Mädchen    
In einem ersten Schritt sollen 20 Mädchen Internats-Plätze angeboten werden. Das Haus soll einfach ausgestattet sein mit Stockbetten, einem abschließbaren Schrank, Duschen und Toiletten, einer Küche und einem Platz, um Hausaufgaben machen zu können. Für das gesamte Gebäude inklusive Solaranlage auf dem Dach, Wassertoiletten, Duschen und Einrichtung werden zirka 30.000 Euro benötigt.

Einen Beitrag, um diese Summe zu erreichen, leistet die Aktion „Zukunftsbrot“ gemeinsam mit Bäckereien. Von jedem verkauften Brot fließt einen Teil in das Projekt. In Mannheim hat sich die Bäckerei Zorn beteiligt: „Als Mannheimer Bäckerei haben wir uns sofort und sehr gerne an dem Projekt beteiligt“, erklärte die Inhaberin der Bäckerei Zorn, Kathrin Zorn, die nun einen Scheck in Höhe von 750 Euro an Annette Fürst übergab. Diese dankte für die Unterstützung und bekräftigt: „Wir stehen als Familie dafür ein, dass das Geld zu 100 Prozent in das Projekt fließt und keinerlei Verwaltungskosten entstehen.“

Die Stadt Mannheim sich in einem zweijährigen und partizipativen Prozess gemeinsam mit der Stadtgesellschaft ein nachhaltiges Leitbild „Mannheim 2030“ gegeben und möchte damit künftig die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen auf kommunaler Ebene wie auch durch internationale Partnerschaften und Projekte im gegenseitigen Transfer umsetzen. "Dieses Bildungsprojekt sorgt für eine nachhaltige Entwicklung vor Ort in Malawi, verbessert die Lebensbedingungen der dort lebenden Mädchen und jungen Frauen und bringt ganz im Sinne der Sustainable Development Goals 4 („Hochwertige Bildung“) und 17 („Neue globale Partnerschaften“) Bildung und globalen Dialog über den Konsum hier vor Ort in Mannheim in Gang und passt sich insofern hervorragend in das Leitbild ein“, betonte Bildungsbürgermeisterin und Schirmherrin Freundlieb, die dem Projekt viel Erfolg wünschte.

Weitere Informationen: http://www.fürst-class.org/Bella-Vista-Boarding-School/

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