Bauen & Wohnen - 27.02.2019

Stadt Mannheim erhält Spende für Alte Sternwarte

Die Alte Sternwarte in der Bismarckstraße ist ein einzigartiges Zeugnis der europäischen Geodäsie sowie Astronomie. Zugleich ist die Sternwarte eines der wichtigsten technischen Denkmale der früheren Kurpfalz bzw. des Großherzogtum Badens und für die damalige Landvermessung sowie Himmelsberechnung von größter Bedeutung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat am Mittwoch, 27. Februar 2019, eine Spende in Höhe von 100.000 Euro für die Rekonstruktion der Sternwartenkuppel an Bürgermeister Lothar Quast übergeben. Mit der Kuppel erhält der achteckige, turmartige Bau sein ursprünglich barockes Erscheinungsbild zurück.


„Die Sternwarte ist heute das älteste als eigenständiger Baukörper für diesen Zweck errichtete Gebäude in Deutschland und somit von hohem architekturhistorischem Wert. Mit der Rekonstruktion der Kuppel finden die aufwendigen Sanierungsarbeiten ein ausgezeichnetes Ende“, freut sich Bürgermeister Quast über die Rekonstruktion der Kuppel. „Ohne die Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hätte diese Rekonstruktion nicht durchgeführt werden können“, so Quast weiter. Die zweckgebundene Zuwendung über 100.000 Euro ist für die Rekonstruktion der Kuppel der Alten Sternwarte vorgesehen. Diese wurde vor über 100 Jahren abgebaut.


Auch an der Sternwarte selbst finden bauliche Erweiterungen statt, damit die weitere Nutzung der Sternwarte gesichert werden kann. Im Foyer des Obervationstürmchens finden Veranstaltungen statt, wofür auch Sitzgelegenheiten und eine Toilette benötigt werden. Da aus Platzgründen weder die Toilette, die auch barrierefrei sein wird, noch eine Abstellmöglichkeit für Stühle in der Sternwarte selbst untergebracht werden können, ist ein separater Anbau geplant. Für das Vorhaben liegen zwischenzeitlich die denkmalschutzrechtliche Zustimmung sowie die Baugenehmigung vor. Die Planung und Bauleitung wurde dem Architekten Lothar Schmucker übertragen. Der Fachbereich Bau-und Immobilienmanagement, welcher als Projektleitung die Maßnahmen bekleidet, wird nachdem die Zustimmung des Ausschuss für Umwelt und Technik erfolgt ist, die Ausschreibung für das Observationshäuschen auf den Weg bringen. Der Bau des Versorgungsgebäudes wird ebenfalls in Angriff genommen. Dieses Nebengebäude wird möglichst zurückhaltend gestaltet und mit einem Gründach versehen um den Gesamteindruck der Alten Sternwarte nicht zu beeinträchtigen. Dieser Teil der Maßnahme soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Hintergrund:


Die kurfürstliche Sternwarte Mannheim wurde in den Jahren 1772 bis 1774 nach Plänen von J.C. Lachner in barockem Stil erbaut. Eine Umplanung des Treppenhauses erfolgte ab 1773 durch Rabaliatti. Auf Anregung des  Astronomen C. Mayer stimmte Kurfürst Carl Theodor dem Neubau zu. Das Gebäude wurde nach seiner Fertigstellung durch C. Mayer und auch unter seinen Nachfolgern bis ins Jahr 1880 als Sternwarte genutzt. Schon früh besuchten und bestaunten zahlreiche prominente Zeitgenossen wie Wolfgang Amadeus Mozart oder Thomas Jefferson die Sternwarte und haben sich dort in das Besucherbuch eingetragen. Seit 1945 werden die 5 Geschosse der Sternwarte als Ateliers durch Mannheimer Künstler genutzt. Der Schutz des Gebäudes als Kulturdenkmal geht bereits auf das 19. Jahrhundert zurück.


Die Sternwarte wurde im 2. Weltkrieg, als eines von wenigen historischen Gebäude in Mannheim, kaum zerrstört. So kann noch heute die originale Bausubstanz vorgefunden werden. Von besondere Bedeutung sind hier das Treppenhaus, die Geländer der Balkone und die Barockfenster (1. OG, 4.OG und Treppenhaus), die noch bauzeitlich erhalten sind und bei der Sanierung in den Jahren 2013 bis 2015 restauriert wurden.

 

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