Bildung & Wissenschaft - 20.07.2020

Sprachbildung: für mehr Bildungsgerechtigkeit

Abschlussbericht des Projekts: „Alltagsintegrierte Sprachbildung im frühkindlichen Bereich in den städtischen Tageseinrichtungen für Kinder“ vorgelegt

„Der Spracherwerb ist für alle Kinder gleichermaßen ein wesentliches Element in ihrer frühkindlichen Entwicklung und die Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildungsbiografie. Sprachbildung ist zudem ein Schlüssel für Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Diesen Zielen sehen wir uns in besonderem Maße verpflichtet“, betonte Bildungsbürgermeister Dirk Grunert bei der Vorstellung des Abschlussberichts des Projekts „Alltagsintegrierte Sprachbildung im frühkindlichen Bereich“, das seit 2017 in den 53 städtischen Kitas umgesetzt wird.

„Der Fachbereich Tageseinrichtungen für Kinder misst einer qualifizierten frühkindlichen Sprachbildung in seinen Tageseinrichtungen seit Jahren eine hohe Bedeutung zu“, erläuterte die Leiterin des Fachbereichs, Sabine Gaidetzka. Mit seiner Expertise auf diesem Gebiet hat der Fachbereich im Jahr 2017 eine praxisorientierten Handreichung zur „Alltagsintegrierte Sprachbildung im frühkindlichen Bereich“ konzeptioniert und diese mit Praxishilfen und Arbeitsmethoden verbunden. Die Umsetzung dieses Sprachkonzepts wurde über drei Jahre hinweg sukzessive in allen städtischen Tageseinrichtungen unter der fachlichen Begleitung des Mannheimer Zentrums für empirische Mehrsprachigkeitsforschung (MAZEM gGmbH) systematisch implementiert. Nach Abschluss der Implementierungsphase konnte 2019 im Ergebnis festgestellt werden, dass sich der Ansatz bewährt hat: „Die positiven Effekte zeigen sich deutlich bei den einzelnen pädagogischen Fachkräften und in einer veränderten sprachlichen Praxis der Kinderhausteams. In der Folge ist in den städtischen Kinderhäusern eine signifikante Qualitätsverbesserung bei der Sprachbildung ihrer Kinder beobachtbar“, heißt es in dem Abschlussbericht.

Sprachbildung in allen Situationen des Kita-Alltags
Alltagsintegrierte Sprachbildung umfasst die systematische Unterstützung und Begleitung der natürlichen Sprachentwicklung aller Kinder in allen Altersstufen und findet in allen Situationen des Einrichtungsalltags ihre praktische Umsetzung. Die Kinder mit ihren individuellen Bedürfnissen, Interessen und Bedarfen stehen im Fokus der pädagogischen Arbeit. Erforderlich dazu ist, dass jedes Kind die emotionale Sicherheit hat, sich sprachlich zu äußern und sich in vielfältigen Situationen sprachlich einzubringen.

„Im Zeitraum der Implementierung haben die Fachkräfte in den städtischen Kindertageseinrichtungen eine Menge Inhalte ausprobiert und gelernt, Neues eingeführt und Altes abgeschafft. Für die Kooperation mit den Familien wurden neue Formen und Wege gefunden. Vieles ist im Verlauf des Projekts sowohl für die Kinder als auch für die Fachkräfte, Teams und Eltern anders geworden“, berichtete Gaidetzka.

In der abschließenden Befragung berichteten die Fachkräfte von den positiven Wirkungen des Projekts: Die Kinder könnten ihre Gefühle und Bedürfnisse besser äußern, ihre Sätze würden vollständiger, ihr Wortschatz größer. Die Erzieher*innen gaben an, jetzt mehr auf ihre Aussprache zu achten, langsamer zu sprechen und mehr auf das Sprachverhalten  wie Ausdrucksweise oder Sprechton zu achten und die Kinder mehr zu ermutigen, Dinge selbst zu erklären, anstatt selbst zu sprechen. Gegenüber den Eltern würden Tür- und Angelgespräche nun gezielter für Informationen zum Sprachverhalten genutzt. Eltern, die nicht so gut Deutsch sprechen, würden ermutigt, mehr zu sprechen oder Fragen zu stellen.

Konzeptionell wurden daraus mehrere Leitsätze für die Kitas erarbeitet wie beispielsweise Zeiten für Dialoge in einem störungsfreien Rahmen zu schaffen, auf vollständige Sätze und Umgangsformen zu achten, Möglichkeiten zu bieten, die Familiensprache und deren Schrift wiederzuerkennen und den Kindern eine Umgebung zu bieten, die durch ihre Gestaltung Sprachanlässe schafft und zum Erforschen anregt.

Gebündelt wurden die Erfahrungen in einer Broschüre, die Fachkräften und Interessierten einen Einblick in die Praxis der städtischen Einrichtungen gibt.

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