Kultur - 19.04.2016

Schillerpreis 2016 wird an Klaus Theweleit verliehen

Der Schillerpreis 2016 wird an den Literaturwissenschaftler und Kulturtheoretiker Prof. Dr. Klaus Theweleit verliehen – das beschloss der Gemeinderat der Stadt Mannheim am 12. April in nicht-öffentlicher Sitzung. „Seine mit essayistischer Brillanz verfassten Analysen gesellschaftlicher Fragestellungen weisen eine eindrucksvolle Verknüpfung von Gegenwartsdiagnostik und historischer Expertise auf“, begründete das Preisgericht unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz die Wahl. Weiterhin gehören Kulturbürgermeister Michael Grötsch und Kulturamtsleiterin Sabine Schirra, jeweils ein Vertreter der Fraktionen des Gemeinderates sowie die Juroren Luzia Braun und Denis Scheck dem Preisgericht an. Mit der Vergabe des Schillerpreises solle daran erinnert werden, dass die Publikationen des wissenschaftlichen Grenzgängers und Brückenbauers Theweleit eine breite Öffentlichkeit  erreiche und eine gesellschaftliche Wirkung entfalte, so der Oberbürgermeister. „Seine Werke gehören zum Kulturgut unseres Landes. Das wollen wir mit dem renommiertesten Kulturpreis dieser Stadt würdigen.“

Die Preisverleihung findet am Sonntag, 12. Juni, 11 Uhr, im Schauspielhaus des Nationaltheater Mannheims statt.

Das Werk von Klaus Theweleit

Seit den 1970er Jahren kreisen Theweleit Werke um die Gewalt von Männern gegen Frauen in Mythos, Realität und Popkultur. Um gesellschaftliche Phänomene zu beschreiben, kombiniert sein theoretischer Ansatz Erkenntnisse der Psychoanalyse, Literatur, Kunst, Popkultur und Politik und gewinnt daraus überraschende Erkenntnisse.

Theweleits Themen sind umfassend: International bekannt wurde er durch sein über 1.000 Seiten umfassendes Werk „Männerphantasien“, in dem er den Typus des „soldatischen Mannes“ in seiner Abwehr der Weiblichkeit untersucht. Er schreibt über Filmdenken und Gewalt, über Fußball als Realitätsmodell, präsentiert in seiner „Pocahontas“-Tetralogie „Geschichte(n) zur (fortdauernden) Erfindung Amerikas“, ist Biograph von Jimi Hendrix und nähert sich Sigmund Freud über das Songbook „absolutel(ly) Sigmund Freud“. In seinem jüngsten Buch „Das Lachen der Täter – Psychogramm der Tötungslust“ von 2015 setzt sich Theweleit an Beispielen von Massenmördern und Terroristen, unter anderem auch Anders Breivik, erneut mit den Ursachen männlicher Aggression und der Lust am Leiden anderer auseinander.

Über den Schillerpreis

Mit dem Schillerpreis der Stadt Mannheim werden Persönlichkeiten geehrt, die durch ihr Schaffen zur kulturellen Entwicklung in hervorragender Weise beigetragen haben. Er wurde 1954 anlässlich des 175. Jubiläums des Nationaltheaters gestiftet und erinnert an das Wirken des jungen Dramatikers, dessen „Räuber“ 1792 in Mannheim uraufgeführt wurden. Der Schillerpreis der Stadt Mannheim ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben.