International - 09.02.2018

Rolle von Städten auf globaler Ebene

Die Rolle von Städten auf globaler Ebene hat sich deutlich verändert: Das ist eine wichtige Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch viele Diskussion zieht, die bei WUF9 geführt werden. War Außenpolitik früher nur Sache von Nationalstaaten, spielen Städte und Regionen heutzutage eine immer stärkere Rolle in der „globalen Arena“. Interessant ist hierbei, dass insbesondere die Europäische Union gezielt Städte einbindet, um ihre internationalen Beziehungen weiterzuentwickeln. Der Begriff der Städtediplomatie (City-Diplomacy) wird häufig verwendet, um die Rolle von Städten in den internationalen Beziehungen zu beschreiben.

Als die Vereinten Nationen 2016 in Quito die Neue Urbane Agenda verabschiedet haben, hat sich die Europäische Kommission selbst verpflichtet, aktiv zur Umsetzung dieser Agenda beizutragen. Eines der Instrumente ist hierbei die Förderung von internationalen Städtekooperationen (city-to-city cooperation). Diese „Städtepartnerschaften 2.0“ unterscheiden sich von den klassischen Kommunalpartnerschaften dadurch, dass nicht eine auf unbegrenzte Zeit geschlossene Verbindung zwischen zwei Städten im Vordergrund steht, sondern eine zeitlich befristete themenspezifische Zusammenarbeit, die zu konkreten Resultaten führt. Die Umsetzung eines oder mehrerer der globalen Nachhaltigkeitsziele ist hierbei entscheidend.

Mannheim gilt in diesem Zusammenhang EU-weit als vorbildlich, da die Stadt mit der chinesischen Stadt Chongqing eine solche „city-to-city cooperation“ umsetzt. Den politischen Rahmen bilden die regelmäßig stattfindenden Konsultationen zwischen der Europäischen Union und China. Alle Aktivitäten im Rahmen des Projektes, insbesondere die Kosten für die Begegnung von Fachexperten aus beiden Städten, werden durch die EU getragen.

Mannheims Oberbürgermeister unterstrich, dass die Förderung solcher Städtekooperationen durch supranationale Organisationen wie die EU, aber auch die Nationalstaaten wichtig sei. Die so genannte „Multilevel Governance“, also das Zusammenwirken von Politik auf kommunaler, nationaler und europäischer Ebene, werde hierdurch konkretisiert. Durch die internationale Zusammenarbeit könne eine nachhaltige Stadtentwicklung beschleunigt werden, da die Städte voneinander lernen und Lösungen, etwa im Bereich des Umweltschutzes und der nachhaltigen Mobilität, so schneller übertragen werden können.

Mannheim und Chongqing haben sich in ihrer Zusammenarbeit auf die Umsetzung des globalen Nachhaltigkeitsziels 8 („Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum“) fokussiert. Konkret geht es darum, in beiden Städten Wirtschaftskonferenzen zu organisieren und eine durchgehende Güterzugverbindung zwischen China und dem Wirtschaftsstandort Mannheim zu errichten. In seinem Vortrag regte Mannheims Oberbürgermeister außerdem an, den auf den Mannheimer Konversionsflächen erfolgreich umgesetzten klimaneutralen Wohnungsbau auch nach China zu exportieren. Die entsprechend angepasste Übertragung solcher Konzepte wäre ein Vorteil für alle – für das Klima und die lokale Wirtschaft.

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