Politik & Verwaltung - 04.06.2019

Netzwerktreffen Migration und Entwicklung

Nicht von ungefähr ist Mannheim als Tagungsort des bundesweiten Netzwerktreffens „Migration und Entwicklung auf kommunaler Ebene“ am 3. und 4. Juni ausgewählt worden. Das sah auch Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz so, der die fast einhundert Teilnehmer begrüßte. Neben Mitarbeitenden in Kommunen, hatten sich vor allem Vertreter migrantischer Organisationen sowie an Entwicklungspolitik Interessierte zu der Veranstaltung der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) unter dem Dach der Engagement Global gGmbH angemeldet.


„Wir sind der richtige Gastgeber. Das Thema der Diversität ist Teil der DNA unserer Stadt“, stellte der Oberbürgermeister fest. Aus diesem Selbstverständnis heraus ergebe sich eine globale Verantwortung. Dies habe der Gemeinderat mit dem Beschluss des Leitbilds 2030 zum Ausdruck gebracht und aus den von den Vereinten Nationen formulierten 17 globalen Nachhaltigkeitszielen sieben Zukunftsthemen identifiziert, die lokal umgesetzt werden sollen. Eines laute, dass Mannheim als Vorbild für die internationale Zusammenarbeit von Städten agiert. Wie nun einerseits Migranten und Migrantinnen und deren Organisationen in solche kommunale Partnerschaften und Netzwerke eingebunden und andererseits die Kommunen motiviert werden können, entsprechende Impulse und Ideen ihrer migrantischen Zivilgesellschaft aufzunehmen, waren Kernthemen der Tagung.


Neben Vorträgen und Workshops wollte man funktionierende Praxisbeispiele hören. Der Oberbürgermeister konnte drei benennen: Mit Hilfe von Mannheimer Know how sind im palästinensischen Hebron die Abwasserversorgung verbessert sowie ein Start up-Zentrum unterstützt worden. Mit den Städten Chisinău in Moldawien und Czernowitz in der Ukraine arbeiteten Experten der Stadtplanung an der Umgestaltung eines öffentlichen Platzes unter aktiver Beteiligung der lokalen Bürgerschaft. In Kilis in der Türkei, nahe zur Grenze nach Syrien, entstand ein Berufsbildungszentrum sowohl für türkische als auch für geflüchtete syrische Frauen. „Die Idee dazu hatte nicht die Stadt, sondern der Arbeitskreis der Islamischen Gemeinden in Mannheim hat sie an die Verwaltung herangetragen“, erklärte Kurz. Durch die islamischen Gemeinden als Mittlerorganisation sei der Zugang zu den in Kilis verantwortlichen Stellen deutlich vereinfacht worden. Gefördert wurde das 2017 gestartete Projekt von Engagement Global mit ihrer SKEW mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. „Es ist wichtig, dass wir für solche Vorhaben Mittel von übergeordneter Stelle erhalten“, betonte der Oberbürgermeister. Die Entwicklungspartnerschaft selbst stellten Mustafa Dedekeloglu vom Arbeitskreis und Stefanie Miller vom Fachbereich Internationales, Europa und Protokoll im Verlauf der Tagung ausführlich vor.


„Internationales Engagement funktioniert, wenn man als Kommune starke Partner hat“, erklärte Barbara Baumbach vom Referat Länder und Kommunen im Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit. „Was hier in Mannheim vor Ort geschieht, hat mich beeindruckt“, so Baumbach weiter. Die Arbeit sei sichtbar, greifbar und spürbar. Sie appellierte, Sprachkenntnisse, Kontakte und das Wissen der migrantischen Community als „Brückenbauer in ihre Herkunftsländer  für kommunale Projektpartnerschaften zu nutzen. Dr. Christoph Grammer von der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit im Staatsministerium Baden-Württemberg bezeichnete migrantisches Engagement als „Schatz, den es zu heben und zu würdigen gilt“. Jennifer Ichikawa unterstrich, dass die Tagung dem Kennenlernen ebenso dienen solle wie dem Vernetzen. „Wir wollen überlegen, wie wir Partner gewinnen, wie die Rollen verteilt werden können und welche Chancen, Vorteile und Herausforderungen es gibt“, so die bei der SKEW zuständige Projektleiterin. Denkbar seien kommunale Partnerschaften in den Bereichen Bildung ebenso wie beispielsweise zu den Themen Klima oder Stadtentwicklung.


Das bundesweite Netzwerktreffen findet in Mannheim erstmals in Baden-Württemberg statt.

 

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