07.10.2019

"Mobil auf Spinelli": Zukunft sinnvoll planen

Der Beauftrage für Konversion Klaus-Jürgen Ammer ist sich bewusst: „Bei manchen Anwohnern könnten schon gewisse Bedenken aufkommen, wenn rund 4500 neue Menschen in die Nachbarschaft ziehen.“ So viele sind es ungefähr, die in Zukunft auf dem Konversionsgelände der ehemaligen Spinelli Barracks ein Zuhause finden sollen. Und da kommen Fragen auf, die sich die neuen Bewohner, die Bürgerinnen und Bürger aus der umliegenden Nachbarschaft, aber auch die Planer und die Politik stellen. Zum Beispiel: Wird der zusätzliche Verkehr die Wohnqualität der angrenzenden Stadtteile mindern? Wie sieht es mit Parkplätzen aus? Und wie mit dem Anschluss an den ÖPNV?

Antworten gab es am Samstag, den 21. September 2019 bei der Veranstaltung „Mobil auf Spinelli – Mobilität für alle im Quartier“, die viele Besucher zur U-Halle und dem angrenzenden Gelände lockte und unter anderem eines zeigte: Mobilität kann Spaß machen. Und es muss dabei nicht immer das Auto mit im Spiel sein. Denn es gibt Alternativen, die man bei der Bürgerinformationsveranstaltung selbst ausprobieren konnte: Neben E-Scootern standen den Besucherinnen und Besuchern so genannte Segways, Scrooser, E-Bikes oder Monowheels zum Ausprobieren zur Verfügung. Um das Gefühl zu bekommen, wie man sich auf einem Radschnellweg fortbewegt, steckten die Veranstalter zusätzlich eine entsprechende Strecke ab, die mit den alternativen Fortbewegungsmitteln oder Fahrrädern ungestört abgefahren werden konnte.

Hauptanziehungspunkt war die U-Halle. Nach der Veranstaltungseröffnung mit einer BMX-Stuntshow versammelten sich dort all diejenigen, die mehr zu den Themen „Mobilitätskonzept Spinelli“, „Parken im Modellquartier“, „Fahren und Bewegen im Modellquartier“, „Chancen und Risiken der neuen Mobilität“ und den Eckpunkten eines Verkehrsmanagementkonzepts für die Bundesgartenschau 2023, die zum Teil auf dem Spinelli-Gelände stattfindet, erfahren wollten. Für die Unterhaltung der kleinen Gäste sorgte Maren Kaun mit ihrem Figurentheater. An den jeweiligen Anlaufstellen diskutierten die Besucherinnen und Besucher mit Experten, stellten Fragen und erhielten Informationen zu möglichen Mobilitätsformen, die sich auf Spinelli in Zukunft etablieren könnten. Dabei wurden nicht nur die Pros, sondern auch die Contras angesprochen. Denn eines, so Klaus-Jürgen Ammer, möchten die Planer für die Zukunft erarbeiten: ein stimmiges Mobilitätskonzept, was jedoch ein Mobilitätsmanagement erfordert.

Dabei soll Spinelli keineswegs als alleinstehend betrachtet werden, sondern im Zusammenhang mit den angrenzenden Stadtteilen. „Die Quartiere sollen zusammenwachsen. Das ist eines der Hauptthemen unseres Rahmenplans“, so Ammer bei der Begrüßung der Gäste. „Die Mobilitätsangebote, so hoffen wir, kommen auch den Bestandsquartieren zugute“, erklärte er weiter. Das wäre allerdings nur einer der positiven Aspekte für die Nachbarschaft, wenn das Spinelli-Quartier entsteht. Obendrein seien Einrichtungen wie eine Schule geplant, ein Einkaufszentrum oder ein Hort. Dinge, von denen nicht nur die Spinelli-Bewohner profitieren werden.

Was erfuhren die Besucherinnen und Besucher am Samstag noch? Vor allem, dass die Erstellung eines Mobilitätsmanagements eine recht komplexe Aufgabe ist. Ein gutes Vorbild gibt es jedoch schon: das Mobilitätsmanagement der MVV Energie AG, das auf dem Gelände der ehemaligen Franklin-Kaserne eingesetzt wird. Fahrradausleihstationen, Car Sharing oder der Pedelec-Verleih sind darin inbegriffen und kommen gut an. „Je vielfältiger die Mobilitätsformen sind, je niederschwelliger die Angebote, je besser die Verteilung im Quartier, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Angebote auch angenommen werden und der Anteil am motorisierten Individualverkehr sinkt“, ist Klaus-Jürgen Ammer überzeugt. Was jedoch ebenfalls auf der Veranstaltung deutlich wurde ist, dass den Menschen das Auto nicht vermiest werden soll, sondern dass das alternative Mobilitätsangebot sie vielmehr überzeugen soll, auch auf andere Fortbewegungsmittel zuzugreifen. Verbunden mit der Chance, dass sie bei Überzeugung möglicherweise das eigenen Mobilitätsverhalten überdenken, dieses mit Blick auf den Klimawandel vielleicht sogar ändern.

Mit der Veranstaltung zeigten die Spinelli-Planer, dass sie sich der möglichen Probleme bewusst sind, die beim Zuzug von über 4000 Menschen in einen neuen Stadtteil entstehen können. Sie zeigten aber auch Lösungsansätze auf, um diesen Problemen zu begegnen, damit niemand im Verkehr erstickt und Spinelli als Ort der Begegnung eine sinnvolle Bereicherung in Mannheims Stadtbild wird.