Bildung & Wissenschaft - 07.12.2016

Michail Krausnick erhält den Hildegard-Lagrenne-Preis

Der Schriftsteller sowie Hör- und Drehbuchautor Michail Krausnick wurde mit dem Hildegard-Lagrenne-Preis der Stadt Mannheim ausgezeichnet. Bürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb und Daniel Strauß, Vorsitzender des Landesverbands der Sinti und Roma Baden-Württemberg, ehrten Krausnick bei der feierlichen Verleihung im RomnoKher mit der mit 5.000 Euro dotierten Auszeichnung für seinen jahrelangen Einsatz gegen Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus.

Michael Krausnick schreite stets dafür ein, Diskriminierung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen und gemeinsam Lösungen zum Umgang mit diesen Themen zu entwickeln, lobte Daniel Strauß das breite öffentliche Wirken für Toleranz und Bildungsgerechtigkeit in Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar. Geboren 1943 in Berlin, studierte Krausnick Literaturwissenschaft und Soziologie in Heidelberg. Seine Bücher, Hörspiele und Theaterstücke halten die Erinnerung an die Verfolgung der Sinti und Roma im Dritten Reich und den nationalsozialistischen Völkermord aufrecht.

„Michail Krausnick schafft ein Problembewusstsein und löst Reflexionsprozesse über Fragen der Ausgrenzung und Stigmatisierung anderer aus“, geht Bürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb in ihrer Laudatio auf die Verdienste des Preisträgers ein. „Sei es im Rahmen von öffentlichen Informationsveranstaltungen, Autorenlesungen oder Ausstellungen – Michail Krausnick macht auf Missstände aufmerksam und schafft Plattformen für den Austausch. Er fördert Initiativen und sucht stets nach praktikablen Handlungsansätzen in der Antidiskriminierungsarbeit“, so Freundlieb weiter.

Wesentlicher Beitrag zur demokratischen Kultur

Ausgangspunkt seines Wirkens ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Sein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Region: Mit den Karlsruher und Mannheimer Deportationen beleuchtet er ein lange unterschlagenes Kapitel der deutschen Geschichte. Die Verschleppung von 2800 Sinti und Roma in mehreren deutschen Großstädten markierten auch hier den Beginn unmenschlicher, systematischer Gräueltaten, die bis zum Ende der NS-Diktatur andauerten und zahllose Menschenleben forderten.

Der Autor leiste einen wesentlichen Beitrag zur demokratischen Kultur unseres Gemeinwesens, so Freundlieb weiter: „Sein Ziel ist es dabei, Menschen zusammen zu bringen, um Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus als übergeordnete Themen zu begreifen, die alle angehen und für die wir nur gemeinsam Lösungen entwickeln können.“ Dieser Sensibilisierungsprozess geht mit seinem Ansatz einher, dass Menschen sich stets selbst hinterfragen, ihre Anschauungen überprüfen und den Blick auf sich selbst schärfen sollen, um eigene Vorurteile und Ressentiments aufzudecken.

Der Hildegard-Lagrenne-Preis

Mit dem Bildungspreis sollen nachhaltige Anerkennungs- und Teilhabestrukturen für die Minderheit der Sinti und Roma in der Gesellschaft geschaffen werden, um Diskriminierungserfahrungen zu minimieren und gelingende Bildungsprozesse zu gestalten. „Der Hildegard-Lagrenne Preis ist ein Weg, die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Aufgabe zu lenken und zu einer Bekämpfung des Antiziganismus beizutragen“, erklärte Freundlieb im Rahmen der Preisverleihung. „Gleichzeitig ist die Verleihung des Hildegard-Lagrenne-Preises eine Chance, denjenigen zu danken, die durch ihr Wirken und Handeln auf die Diskriminierungserfahrung und Bildungssituation der Sinti und Roma hinweisen.“

Der Hildegard-Lagrenne-Preis ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden und würdigt neben dem Preisträger auch das Engagement und Lebenswerk der Namensgeberin. Hildegard Lagrenne lebte seit 1951 bis zu ihrem Tod 2007 mit ihrer Familie in Mannheim. Sie überlebte das Konzentrationslager und formierte im Nachkriegsdeutschland die erste Sinti-Bürgerrechtsbewegung.

Die 2012 gegründete Hildegard-Lagrenne-Stiftung hat das Ziel, gegen Antiziganismus im Bildungsbereich zu wirken. Kinder, Jugendliche wie auch erwachsene Sinti und Roma sollen in ihren Bildungskarrieren finanziell unterstützt werden. Die Stiftung entwickelt und fördert entsprechende Projekte und unterstützt benachteiligte Familien vor Ort.

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