Bildung & Wissenschaft - 25.03.2015

Mannheimer Delegation zu Besuch in Amsterdam

Die Openbare Bibliothek Amsterdam (OBA) ist eine der erfolgreichsten und aktivsten öffentlichen Bibliotheken. Jetzt war sie Ziel einer hochrangigen Mannheimer Delegation. Der Förderkreis der Stadt- und Musikbibliothek e.V. der Stadt Mannheim hat eine Reise zu diesem architektonischen Meisterwerk organisiert. Neben der Bildungsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb und Baubürgermeister Lothar Quast gehörten auch die Stadträte Lena Kamrad (SPD), Gökay Akbulut (LINKE) und Dirk Grunert (Grüne) zur Reisegruppe, ebenso wie Vertreter des Freundeskreises und Mitarbeiter des Fachbereichs Bildung.

Amsterdam zeigt Entwicklungsperspektiven für moderne Bibliotheken auf

Der Förderverein folgte damit einer Einladung, die der damalige Direktor der OBA, Hans van Velzen, bei seinem Besuch in Mannheim ausgesprochen hatte. Er hatte im Februar 2014 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Stadtbibliothek der Zukunft“ über die Entwicklung des Amsterdamer Bibliotheksbaus von der Planung bis zur Ausführung und medienpädagogische Umsetzung gesprochen und Entwicklungsperspektiven für moderne Bibliotheken aufgezeigt. Die Amsterdamer Bibliothek war im Rahmen eines Stadtentwicklungsprozesses aus der Amsterdamer Innenstadt genommen und in ein neu zu entwickelndes Hafenareal nahe dem Bahnhof versetzt worden. Verwirklicht wurde der Bau durch den Staatsarchitekten Jo Coenen, der bereits vorher viel Erfahrung im Bibliotheksbau gesammelt hatte. Durch die attraktiven Angebote der Bibliothek und im unmittelbaren Umfeld hat sich die Besucherzahl mehr als verdoppelt, vor allem aber wandelte sich das Verhalten der Benutzer. Die Bibliothek lädt mit ihren Angeboten auf 28.500 Quadratmetern zum Verweilen ein. Während früher die Besucher im Schnitt nur etwa eine halbe Stunde blieben, liegt die mittlere Verweildauer nun bei ungefähr drei Stunden. Dabei geht dieses Angebot längst weit über das einer klassischen Bibliothek hinaus und so befinden sich nicht nur ein Museum, sondern auch ein Radiosender, ein Theatersaal und ein Restaurant in der Bibliothek. Familien finden hier ein optimales Angebot für ihre Freizeitgestaltung vor, das noch ganz nebenbei der Medienbildung und Leseförderung dient.

Vorteil des Amsterdamer Projekts ist die hohe Attraktivität nicht nur des Baukörpers, sondern auch des Inhalts. Durch die räumliche Großzügigkeit wird man sowohl des Publikumsandrangs gerecht als auch der Notwendigkeit, ein breites Medienangebot attraktiv darstellen zu können. Dabei spielen die 600 Sitz- beziehungsweise Arbeitsplätze eine wesentliche Rolle für die Attraktivität, gerade für den Besuch vieler Schülerinnen und Schüler, die alleine und in Gruppen dort arbeiten können.

„Bildungspolitik ist die Sozialpolitik der Zukunft“

Bildungsbürgermeisterin Freundlieb zeigte sich beeindruckt von der architektonischen Qualität der Amsterdamer Bibliothek: „Mit diesem Gebäude setzt die Stadt Amsterdam ein Zeichen dafür, wie wichtig ihr die Arbeit ihrer Bibliothek ist und welchen Stellenwert sie genießt.“ Vor Ort war daher aber nicht nur das Thema Architektur von Belang, sondern auch die Bildungspolitik. Im Gespräch mit dem stellvertretenden Bürgermeister Udo Kock wurden im Rahmen des offiziellen Besuchs vor allem Fragen der kommunalen Bildungssteuerung erörtert. Amsterdam, so Kock, lege einen ganz besonderen Wert auf eine aktive Einflussnahe im Bildungsbereich und die öffentliche Bibliothek spiele hierbei eine wichtige Rolle. „Bildungspolitik ist die Sozialpolitik der Zukunft“, betonte Kock.

Dr. Michael Wegner, Vorstand des Kuratoriums des Förderkreises, der die Reise nach Amsterdam organisierte, resümierte: „Es ist wichtig, von einer solch tollen Einrichtung nicht nur zu hören, sondern sie auch mit den eigenen Augen zu sehen und ein Gefühl für sie zu bekommen. Die Amsterdamer haben sich mit der neuen Zentralbibliothek ein außerordentliches Zentrum für Bildung geschaffen und ich hoffe, dass die Mannheimer auch den Mut dazu finden, sich derart zu belohnen.“