Politik & Verwaltung - 19.01.2015

Mannheim sagt ja! 12 000 Menschen demonstrieren gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung

Mit einer berührenden Veranstaltung hat Mannheim am Samstag ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung gesetzt. An der Demonstration durch die Stadt und der anschließenden Kundgebung am alten Messplatz beteiligten sich insgesamt etwa 12.000 Menschen. „Mit so viel Teilnehmern hat keiner von uns gerechnet“, sagte Mit-Initiator und Grünen-Stadtrat Gerhard Fontagnier. Der Demonstrationszug zog vom Schloss aus durch die Innenstadt. Vorn dabei waren Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, die Dezernentinnen und Dezernenten sowie die Initiatoren von „Mannheim sagt ja!“ und Vertreter aus der Kommunal-und Landespolitik. Viele Teilnehmer wendeten sich mit Plakaten gegen die Anti-Islam-Bewegung Pegida und warben für Vielfalt und Toleranz.

Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz hob in seiner Rede hervor, dass sich die Veranstaltung nicht gegen Menschen wende: „Wir wenden uns gegen Menschenfeindlichkeit“. Das gelte gegen alle Formen des Extremismus sagte er und erinnerte auch an die jüngsten Morde von Paris. Die große Tradition Mannheims als weltoffene Gemeinschaft zeige sich auch in diesen Tagen. So setzten sich Tausende für Offenheit, Toleranz und ein friedliches Zusammenleben ein. „Und das nicht nur an diesem Tag, sondern in vielen Taten des Alltags, in Beiträgen zur Verständigung, in der konkreten Hilfe für Flüchtlinge und Zuwanderer, in vielen Begegnungen“, sagte der OB.

Zwar gebe es auch unter den Demonstranten unterschiedliche Auffassungen darüber, wie Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik im Einzelnen aussehen soll. „Es haben sich aber heute Menschen versammelt, die einig sind, dass wir bereit sein müssen, Menschen in Not aufzunehmen. Dass wir Menschen als Menschen begegnen - offen und nicht beladen mit Angst und Misstrauen“, so Kurz. Scharf kritisierte er die in weiten Teilen rechtspopulistisch auftretende Pegida, die vor allem in Dresden gegen eine angebliche Islamisierung Europas mobil macht. Sicher sei nicht jeder, der dort marschiere rechtsextrem. Gleichwohl bewirke Pegida, dass Rechtsextremismus gesellschaftsfähig wird. „Und wir sagen den Mitläufern in Dresden und in unserer Stadt: Die Antwort auf den Islamismus ist nicht, anderen Feinden der offenen Gesellschaft zu folgen. Der Aufbau einer homogenen und autoritären Gesellschaft ist nur eine andere Form der Unterwerfung“, sagte der Oberbürgermeister unter großem Applaus der Demonstranten.

Es sei, so Kurz, zwar richtig, dass man die Sorge vor Überfremdung ernst nehmen müsse. „Das heißt aber nicht, dass man die Teilnahme an Demonstrationen, die Menschen Angst machen, die Vorbehalte schüren und die Gesellschaft spalten, nicht kritisieren darf.“ So sei die Behauptung, Sorgen würden nicht ernst genommen, populistisch. Viel mehr handelten entgegen der Unterstellungen sowohl Politik als auch Verwaltung und Polizei. Medien berichteten über extremistische, radikalisierte, islamistische Gruppen. „Wir führen in Mannheim eine offensive Diskussion über die für unser Zusammenleben unverzichtbaren Werte. Wir bauen mit vielen Begegnungen und Netzwerken Vertrauen auf. Wir vermindern Distanz zu unserer Gesellschaft, bauen Brücken und sorgen für Zugehörigkeit, auch und gerade, um eine friedvolle und sichere Stadtgemeinschaft zu bewahren. Wir handeln statt zu hetzen.“

Bei der Abschlusskundgebung unterstrich Grünen-Stadtrat Gerhard Fontagnier, Hilfe für Flüchtlinge ist ein Akt der Humanität: „Flüchtlinge werden nicht als solche geboren“, sagte er bei der Abschlusskundgebung und bedankte sich bei den Unterstützern aus Mannheim und der Rhein-Neckar-Region. Mehr als 100 Gruppierungen, Parteien und Institutionen hätten sich der "Mannheim sagt Ja!"-Initiative angeschlossen.

In einem Grußwort ließ Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) durch Staatsministerin Silke Krebs ausrichten, er danke den Teilnehmern über eine Grußbotschaft für ihre Teilnahme. Sie zeigten, dass Baden-Württemberg und gerade Mannheim für Vielfalt, Toleranz und Offenheit stehe. Die Mannheimer Kundgebung sei die bisher größte Veranstaltung, die es zu diesem Thema gegeben hat. "Das Engagement berührt mich sehr", ließ Kretschmann ausrichten. Und: "Setzen Sie sich auch weiterhin dort ein, wo sie gebraucht werden." Nach einem Grußwort von Landtagspräsident Guido Wolf, das OB Kurz verlas, gab es noch verschiedene Stellungnahmen; so beispielsweise von den Kirchen und Religionsgemeinschaften der Stadt und dem Mannheimer Migrationsbeirat.

Auch die Flüchtlingskampagne Save-Me-Mannheim bezog Stellung an diesem 17. Januar und forderte die Menschen dazu auf, die schwierige Situation von Flüchtlingen durch persönliches Engagement zu erleichtern. Der Aktionstag „Mannheim sagt ja!“ ging noch bis in die Abendstunden. Bei einem Kulturfest im Capitol Mannheim traten Silke Hauck, Markus Sprengler, Rolf Stahlhofen, Twiolins, Jona Bird, Seyda Sibel, Baxter und andere Künstler auf.

 

 

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