Umwelt & Verkehr - 22.06.2015

Laden und los auf Linie 63

Jetzt heißt es endlich „laden und los“: Zum offiziellen Start des Fahrgastbetriebs der elektrisch betriebenen primove-Busse auf der Linie 63 luden die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) und ihre Projektpartner am Montag, 22. Juni, an der rnv Wendeschleife am Hauptbahnhof Mannheim ein. Auf der Strecke zwischen Mannheim Hauptbahnhof und Pfalzplatz in Neckarau profitieren die Fahrgäste der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) ab sofort nicht nur von einem deutlich ruhigeren Fahrerlebnis, sondern auch von einer erheblich geringeren Lärm- und Abgasbelastung im Stadtgebiet.

„Mit dem heutigen Start der ersten rein elektrisch betriebenen Buslinie in Mannheim nehmen wir eine führende Rolle bei der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte ein“, sagte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und betonte: „Die neuartige, kabellose Ladetechnik wurde von Bombardier in Mannheim entwickelt. Das setzt unsere Tradition der Mobilitäts-Innovationen nahtlos fort und belegt die hohe Innovationskraft unserer Stadt.“

Möglich wird die elektrisch betriebene Busstrecke durch zwei mit spezieller induktiver Ladetechnik ausgestattete Elektrobusse. Deren Herzstück ist das von Bombardier entwickelte primove-System, das die kabellose Stromübertragung im regulären Linienbetrieb an den Haltestellen ermöglicht. „Das Aufladen erfolgt in wenigen Sekunden", so der technische Geschäftsführer der rnv, Martin in der Beek. Sieben Haltestellen entlang der Buslinie 63 wurden hierfür mit Ladevorrichtungen versehen. „Die Vorteile für unsere Fahrgäste liegen auf der Hand – bei gleichem Ticketpreis und unveränderter Fahrzeit sind sie künftig geräusch- und vibrationsärmer unterwegs – und schonen zeitgleich die Umwelt“, betonte in der Beek.

Seit Anfang des Jahres laufen die Tests des Forschungsprojektes rnv-primove im Mannheimer Stadtgebiet auf Hochtouren. Dabei wurde der kabellose Ladevorgang der Zukunftstechnologie „primove", die in Mannheim entwickelt wurde und mit Mannheimer Ökostrom der MVV Energie AG betrieben wird, auf Herz und Nieren geprüft. Zuletzt mussten 200 Test-Ladevorgänge absolviert und wichtige Hürden gemeistert werden, um die endgültige Straßenzulassung für die Busse zu erhalten. Auch das rnv-Fahrpersonal sowie die Mitarbeiter der Werkstätten wurden in Schulungen akribisch vorbereitet, damit der Echtbetrieb mit Fahrgästen nun reibungslos starten kann.

„Wir haben eine bestehende Buslinie vom Hauptbahnhof bis zum Waldpark für die neue induktive Ladetechnik aufgerüstet. Dabei war es uns wichtig, Anwohner und Fahrgäste intensiv an dem Projekt zu beteiligen“, betonte Erster Bürgermeister und ÖPNV-Dezernent Christian Specht. „In Mannheim erweitern wir die neue Ladetechnologie erstmals auch auf kleinere Fahrzeuge, die für die City-Logistik oder im Individualverkehr nutzbar sind. Für dieses Gesamtpaket ist es uns gelungen, vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur eine Projektförderung von 3,3 Millionen Euro zu erhalten – wofür wir im Namen aller Projektpartner herzlich danken.“

Neben dem Einsatz der beiden Elektrobusse auf der Buslinie 63 geht auch ein Servicefahrzeug der rnv in Betrieb, das mit der induktiven Ladetechnik „primove“ ausgestattet ist. Der Elektro-Van ist in nur drei Stunden voll geladen und fährt somit ebenfalls umweltschonend und geräuscharm im Stadtgebiet.

Allein 180 Tonnen CO2, das entspricht dem CO2-Ausstoß von 74 Autos, werden durch den Einsatz der beiden neuen Elektrobusse jährlich eingespart.

Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, lobte besonders die enge und gute Zusammenarbeit aller Beteiligten bei diesem Modellprojekt. Er hob zugleich die Bedeutung des Vorhabens für den Aufbau und die Verankerung der Elektromobilität im öffentlichen Raum hervor. „Elektromobilität ist keine Zukunftsvision mehr, sondern eine echte Antriebsalternative. Die Förderung innovativer Antriebstechnologien, insbesondere im ÖPNV, hat daher für die Bundesregierung höchste Priorität. Auch in Mannheim fahren jetzt E-Busse – ein weiteres gutes Beispiel, wie sich Elektromobilität Stück für Stück im Alltag durchsetzt und ein weiterer Schritt, Deutschland nicht nur als Leitanbieter, sondern auch als Leitmarkt zu etablieren“, so Barthle.

Zuschüsse für das Gemeinschaftsprojekt von rnv, Stadt Mannheim, Bombardier Transportation, MVV Energie sowie dem Institut für Fahrzeugsystemtechnik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) kommen vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.