Kinder, Jugend, Familie - 13.09.2017

Kindeswohl hat oberste Priorität

Am 13. 09.2017 unterzeichneten der Fachbereich Kinder, Jugend und Familie, der Fachbereich Gesundheit, die Träger der Freien Jugendhilfe und die AG Sucht der Träger der Suchtberatungsstellen in Mannheim im Beisein von Bürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb die Kooperationsvereinbarung „Suchtmittelabhängigkeit und Schwangerschaft / Elternschaft“. Ziel der Vereinbarung ist die Stärkung des Kinderschutzes bei Kindern aus suchtbelasteten Familien.

 

Die Kooperationsvereinbarung ist ein Ergebnis aus dem Projekt „Schulterschluss“ in Mannheim, einer landesweite Qualifizierungs- und Kooperationsoffensive, die Impulse in die regionalen Hilfestrukturen geben soll. Sie regelt die Zusammenarbeit zwischen den an der Betreuung von suchtbelasteten Familien beteiligten Institutionen und schafft einen verbindlichen, Sicherheit gebendem und aufeinander abgestimmten Behandlungsrahmen. „Hierbei gilt es insbesondere, Schnittstellen zu betrachten und Lücken im Kinderschutz zu identifizieren und zu schließen.“, weist Bürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb auf die Bedeutung einer gelingenden Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Suchthilfe hin.

 

Durch das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz sind die Jugend- und Suchthilfe gesetzlich verpflichtet, zusammenzuarbeiten, wenn in der Familie eine Suchterkrankung besteht. Das Gesetz steht für umfassende Verbesserungen im Kinderschutz. Es bringt Prävention und Intervention im Kinderschutz gleichermaßen voran und stärkt alle Akteure, die sich für das Wohlergehen von Kindern engagieren - angefangen bei den Eltern, dem Gesundheitssystem bis hin zum Jugendamt oder Familiengericht.

 

Kinder, die in von Sucht betroffenen Familien aufwachsen, haben nachweislich ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst eine Sucht- oder psychische Erkrankung im Laufe ihres Lebens zu entwickeln. Deshalb brauchen sie verlässliche Hilfe und Helfersysteme, wo sie stärkende und suchtpräventive Unterstützung erfahren. So können sich positive Entwicklungsmöglichkeiten für sie eröffnen. Auch die suchtkranken Eltern benötigen Hilfe, ihre Aufgabe als Eltern gut wahrnehmen zu können.

 

In Deutschland leben mehr als 2,6 Millionen Kinder in Deutschland in einer Familie, in der mindestens ein Elternteil suchtkrank ist. In Baden-Württemberg sind rund 150.000 Kinder unter 15 Jahren betroffen und in Mannheim ist von ca. 7.000 Kindern auszugehen, die in Suchtfamilien leben und aus diesem Grund schlechtere Startbedingungen in ein gesundes und erfolgreiches Leben haben, als es bei anderen Kindern der Fall ist.

Kinder aus Suchtfamilien sind die größte bekannte Risikogruppe für eine Suchterkrankung im Erwachsenenalter: mehr als 30 % der Kinder aus Suchtfamilien werden selbst abhängig – und das meist sehr früh in ihrem Leben. Viele von ihnen entwickeln psychische oder soziale Störungen wie z.B. Ängste oder Depressionen und tragen eine Reihe weiterer gravierender Gesundheitsrisiken. Sie haben häufiger Schulschwierigkeiten, neigen zu Schulverweigerung oder brechen die Schule ab.

 

An der heutigen Unterzeichnung nahmen teil:

 

Dr. Ulrike Freundlieb, Dezernat für Bildung, Jugend, Gesundheit

Dr. Peter Schäfer, Leitung Fachbereich Gesundheit / kom. Leitung Fachbereich Kinder, Jugend und Familie

Birgit Maaßen-Rux, Leitung des Kinder- und Jugendhilfezentrums Wespinstift, Sprecherin der Fachgruppe Erziehungshilfe der Freien Träger der Jugendhilfe in Mannheim

Inge Gross, Leitung des Katholischen Kinder- und Jugendheims St. Josef, stv. Sprecherin der Fachgruppe Erziehungshilfe der Freien Träger der Jugendhilfe in Mannheim

Johann W. Wagner, 1. Vorsitzender im Vorstand des Drogenvereins Mannheim e.V., Sprecher der AG Sucht der Träger der Suchtberatungsstellen in Mannheim