Bildung & Wissenschaft - 17.12.2020

Kaisergarten wird saniert

Kinder- und Jugendbildungshaus entsteht als „Herzstück“ des Campus Neckarstadt-West

Neues Leben mitten in der Neckarstadt-West: Lange stand der über 100 Jahre alte Kaisergarten leer und verfiel. Seit November 2020 laufen nun die Sanierungsarbeiten der GBG, um dort eine Tageseinrichtung für Kinder und Jugendliche unter der Trägerschaft der Stadt Mannheim anbieten zu können. Bildungsbürgermeister Dirk Grunert, GBG-Geschäftsführer Karl-Heinz Frings und MWSP-Geschäftsführer Achim Judt konnten sich nun selbst ein Bild vor Ort machen.

Die GBG - Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft hat das Gebäude in der Zehntstraße, das um 1900 erbaut und als Veranstaltungsstätte und Gemeindesaal genutzt wurde, 2020 in Erbpacht von der katholischen Kirche übernommen. Erstmals in den 1950er-Jahren modernisiert, wird das denkmalgeschützte Gebäude jetzt nach aktuellen Standards saniert. Dabei bleibt der Grundriss erhalten, ein großer Raum mit Bühne sowie ein ehemaliger Schankraum können zukünftig genutzt werden. Ein Raum über dem Schankraum wird künftig als Umkleide fungieren. Die gesamte Nutzfläche beträgt 400 Quadratmeter.

Das Konzept der GBG sieht vor, die ursprüngliche Architektur des Kaisergartens teilweise wiederherzustellen. So werden etwa alte gusseiserne Stützbalken freigelegt und die gebogene Decke wird wieder begradigt, um so eine größere Raumhöhe zu erreichen. Der Zugang zum Gebäude wird künftig außerdem barrierefrei möglich sein, auch eine behindertengerechte Toilette wird eingebaut. „Viele Mannheimer*innen wissen gar nicht, dass es den Kaisergarten gibt. Wir wollen dafür sorgen, dass er wieder lebendig und für die Kinder und Jugendlichen der Neckarstadt-West eine Anlauf-, Betreuungs- und Spielstätte wird. Dies passt auch zu unserer Unternehmensstrategie, Quartiere zu stärken und hier ganz konkret die Neckarstadt-West aufzuwerten“, so GBG-Geschäftsführer Karl-Heinz Frings.

Derzeit finden die Schadstoffsanierungen statt. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für Ende 2021 geplant.

Kinder- und Jugendbildungshaus entsteht
Zum Januar 2022 soll dort ein Kinder- und Jugendbildungshaus in Trägerschaft der Stadt Mannheim, Fachbereich Jugendamt und Gesundheitsamt an den Start gehen. Dieses stellt ein Übergangsangebot dar, bis 2025 eine Ganztagsschule eröffnet. Der Kaisergarten wird dabei ein weiterer Standort für den Campus Neckarstadt-West und kann auch im Rahmen des Ausbaus der Ganztagsschulen im Stadtteil als Raumressource genutzt werden.

Im Stadtteil Neckarstadt-West gibt es einen hohen Bedarf an außerschulischen Bildungsangeboten für Kinder, die zu einer positiven persönlichen und sozialen Entwicklung beitragen. Im Stadtteil gibt es (noch) keine Ganztagsschule und keinen Sportverein, allerdings haben sich neue Initiativen gebildet, die Angebote für Kinder auch am Nachmittag anbieten, wie beispielsweise ist der 2018 gegründete Verein Neckarstadt-Kids e.V. Aber auch insbesondere der Campus Neckarstadt-West des Fachbereichs Jugendamt und Gesundheitsamt und der MWSP organisiert zusammen mit zahlreichen Partnern Angebote für Kinder und setzt sich für die Weiterentwicklung einer vernetzten Bildungslandschaft ein. Der Campus Neckarstadt-West ist an den Interessen der Grundschulkinder orientiert. Seit Februar 2020 können diese das Nachmittagsangebot mit Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung sowie Förder- und Freizeitangebot nutzen. Dieses wird ausgeweitet und weitere Schüler*innen können teilnehmen – insgesamt bis zu 60 Grundschüler*innen aus der Humboldt-Grundschule und der Neckarschule.

„Für dieses und weitere Angebote braucht es geeignete kinder- und jugendgerechte Räume. Der Kaisergarten wird dabei eine Lücke schließen. Hauptziel ist dabei die Schaffung besserer Lebens- und Teilhabechancen für Kinder in der Neckarstadt-West sowie mehr Bildungsgerechtigkeit“, betonte Bildungsbürgermeister Dirk Grunert zum Start der Umbauphase.

Bereits in 2017 wurde durch die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP im Rahmen der Lokalen Stadterneuerung (LOS) eine Machbarkeitsstudie für den Kaisergarten in Auftrag gegeben. Nach vielen Verhandlungsgesprächen mit der Katholischen Gesamtkirchengemeinde konnte entschieden werden, den ehemalig als Gemeindesaal genutzten Kaisergarten dem Stadtteil ‚wiederzugeben‘. „Hier im ehemaligen Kaisergarten wird ein Ort der Begegnung entstehen, wo perspektivisch unterschiedliche Angebote für Kinder, Jugendliche und die Bewohne*innen des Stadtteils zentralisiert angesiedelt sind“, erklärt Achim Judt, Geschäftsführer der MWSP, den angedachten Schwerpunkt der späteren Nutzung.


Hintergrund Campus Neckarstadt-West:

Kinder- und JugendbildungshausKaisergarten

Das Kinder- und Jugendbildungshaus Kaisergarten soll zunächst in Trägerschaft des Fachbereichs Jugendamt und Gesundheitsamt geführt werden. Es soll ein integraler Bestandteil und „Herzstück“ des sozialräumlichen Kinder- und Jugendkonzepts Campus Neckarstadt-West sein und die Möglichkeiten und Erfahrungswelt von Kindern besonders am Nachmittag erweitern. Dazu soll es zusätzliche Aktivitäten in den Bereichen Bewegung, Gesundheit, Kultur und Begegnung geben. Eine enge Abstimmung bei der Entwicklung und Umsetzung des Konzepts ist insbesondere mit dem Quartiermanagement und dem Bürgerhaus Neckarstadt-West vorgesehen.

Das Kinder- und Jugendbildungshaus Kaisergarten wird in Zukunft Raum bieten für:
• gesundes Mittagessen für Grundschulkinder im Rahmen abgestimmter Nachmittagskonzepte,
• schulunterstützende Maßnahmen (zum Beispiel Hausaufgabenhilfe) in Zusammenarbeit mit den Schulen im Stadtteil,
• Raum für Tanzgruppen (zum Beispiel vom Jugendhaus Erlenhof oder von „Rock the Block“ der Jugendarbeit mobil) und Bewegungsangebote (zum Beispiel für die Ballschule von Neckarstadt Kids e.V.),
• musikalische Gruppenangebote der Musikschule Mannheim,
• Theatergruppen wie beispielsweise „Theaterspielen für alle“ oder theaterpädagogische Angebote des Jungen Nationaltheaters,
• Bewegungsangebote für Kindertagestätten insbesondere am Vormittag,
• Aktivitäten von Sportvereinen, die zukünftig Angebote in der Neckarstadt-West umsetzen können und wollen,
• Elternarbeit und Elternengagement,
• Vernetzung und gemeinsame Aktivitäten von verschiedenen Institutionen
• und insgesamt Raum zukünftige Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen orientiert an deren Ideen und Anregungen sowie Raum für neue Initiativen und Ideen aus dem Stadtteil.

Der Kaisergarten stellt außerdem eine Raumreserve für eine sich verändernde Schullandschaft dar und kann den Prozess des Aufbaus neuer Ganztagsschulen mit seinen Möglichkeiten begleiten.
 

Campus Neckarstadt-West
Campus Neckarstadt-West ist ein an den Interessen der Grundschulkinder orientiertes Angebot mit hohem Vernetzungscharakter. Seit Februar 2020 können Kinder das Nachmittagsangebot mit Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und Förder- und Freizeitangebot nutzen. Im kommenden Jahr wird das Angebot ausgeweitet und weitere Schüler*innen aus der der Humboldt-Grundschule und der Neckarschule können teilnehmen. Es handelt sich um ein freiwilliges schulergänzendes Angebot.

Im Netzwerk, das die Angebote für die Campuskinder umsetzt, sind aktuell die beiden Grundschulen (Humboldt-Grundschule, Neckarschule) sowie Neckarstadt Kids e.V, Musikschule Mannheim, Jugendhaus Erlenhof, Junges Nationaltheater Mannheim, Bürgerhaus Neckarstadt e.V., Quartiersmanagement Neckarstadt, Jugendarbeit Mobil der Jugendförderung, Interkulturelles Bildungszentrum (IKUBIZ), Stadtbibliothek Mannheim, Freudenbergstiftung und 1. Qwan Ki Do - Mannheim e.V. vertreten. Die Kooperation mit Schulen und mit allen außerschulischen Angebotspartnern ist zentral für den Erfolg des Projekts.

Das Konzept für Campus wurde im Rahmen der lokalen Stadtenterneuerung Neckarstadt-West (LOS) von verschiedenen Fachbereichen der Stadt entwickelt. Das Projekt ist ein wichtiger Bestandteil in der Prävention von Kinderarmut und wird im Rahmen von LOS kontinuierlich weiterentwickelt. Federführend beteiligt waren das Jugendamt und Gesundheitsamt und der Fachbereich Bildung aber auch der Fachbereich Demokratie und Strategie (Büro des Integrationsbeauftragten). Die beiden ersten Fachbereiche sind Teil des Bildungsdezernats. Die Federführung übernimmt das Jugendamt und Gesundheitsamt in enger Abstimmung mit der MWSP und dem Quartiersmanagement.

Das Projekt Campus Neckarstadt-West wird im Rahmen des Landesprogramms „Starke Kinder – chancenreich“ als Präventionsnetzwerk gegen Kinderarmut durch das Ministerium für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg bis mindestens Mai 2021 gefördert. Finanzielle Unterstützung leisten auch die Mannheimer Rotary Clubs, die für jedes teilnehmende Kind ein „Stipendium“ von 50 Euro pro Monat ermöglichen, das zur Deckung der Kosten beiträgt. Die Freudenbergstiftung stellt derzeit eine Mitarbeiterin mit dem Schwerpunkt Elternarbeit zur Verfügung. Das schon aktive Netzwerk zur Förderung von Kindern in der Neckarstadt-West soll im Laufe des Projekts durch weitere Partner erweitert werden. Ein Initiativkreis beschäftigt sich intensiv mit der Bildungssituation im Stadtteil und unterstützt das Projekt Campus Neckarstadt-West. Hier finden Gespräche mit der Stadtverwaltung statt. Gespräche mit dem Land zur weiteren Unterstützung werden derzeit auf unterschiedlichen Ebenen geführt.

Im Bereich der Tagesbetreuung für Kinder engagiert sich die Stadt Mannheim in fünf städtischen Einrichtungen, die in der Neckarstadt-West angesiedelt sind. Insgesamt werden in den verschiedenen Kinderhäusern 120 Kinder im Krippenbereich, 268 Kinder im Kindergarten und 80 Kinder in Horten betreut. In den Einrichtungen werden die Kinder dabei unterstützt ihre motorischen, kognitiven, sozialen und sprachlichen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass die Sprachbildung durch eine alltagsintegrierte Förderung der Kinder unterstützt wird. Um den Übergang der Kinder in die Grundschule zu erleichtern und ihnen einen guten Start zu ermöglichen, findet eine intensive Zusammenarbeit mit den Grundschulen statt. Besondere Unterstützung bieten die Tageseinrichtungen den Familien auch in der intensiven Arbeit mit Eltern. Es finden viele Gespräche mit Eltern statt, um Unterstützungsmöglichkeiten für deren Kinder oder auch die Familien selbst frühzeitig zu vermitteln.

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