Kultur - 01.04.2019

Helene-Hecht-Preis 2019 verliehen

Mehr als 100 Gäste waren vergangene Woche der Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Zahra Deilami gefolgt, um der Verleihung des mit 3000 Euro dotierten Helene-Hecht-Preises und des mit 1000 Euro dotierten Helene-Hecht-Nachwuchspreises beizuwohnen. Der Helene-Hecht-Preis wird seit 2010 alle zwei Jahre, der Helene-Hecht-Nachwuchspreis seit diesem Jahr von der Stadt Mannheim über den FrauenKulturRat in wechselnden Kategorien vergeben, um die historischen und gegenwärtigen Leistungen von Frauen im Kunst- und Kulturbereich sichtbar zu machen. 2019 konnten sich Künstlerinnen und kulturschaffende Frauen aus der Filmbranche bewerben, die in der Metropolregion Rhein-Neckar leben.


Mit dem Helene-Hecht-Preis wurde in diesem Jahr die Heidelberger Sounddesignerin Ana Monte ausgezeichnet, mit dem Helene-Hecht-Nachwuchspreis wurde die Filmemacherin Laura Elisabeth Staab aus Mannheim geehrt und eine lobende Erwähnung erhielt die Heidelberger Filmemacherin Amber Laurène Arundel.
Dass Frauen in maßgeblichen Schlüsselpositionen der Filmproduktion aufgrund stereotyper Annahmen und strukturbedingter Ausschlussmechanismen nach wie vor unterrepräsentiert sind, belegte Kulturbürgermeister Michael Grötsch in seiner Rede eindrücklich mit Zahlen: Obgleich der Frauenanteil an Filmhochschulen im Durchschnitt 40 Prozent beträgt, werden nur 23 Prozent der Kinofilme von Regisseurinnen und fünf Prozent von gemischten Teams inszeniert. Drehbücher werden zu nur 23 Prozent von Autorinnen und zu 16 Prozent von gemischten Teams verfasst. Diese Fakten zeigten, dass es ein weibliches Potenzial in unserer Filmbranche gebe, das nicht genug gesehen, gefördert und gefordert werde. „Mit dem Helene-Hecht-Preis und dem Helene-Hecht-Nachwuchspreis ist es dem FrauenKulturRat gelungen, einen bundesweit einmaligen Preis zu kreieren, der die Leistungen von Frauen in der Kultur sichtbar macht und so ein nach außen wirksames Zeichen setzt“, erklärt Kulturbürgermeister Michael Grötsch.


Die Gleichstellungsbeauftragte Zahra Deilami hob in ihrer Begrüßung die Wichtigkeit einer fairen Anerkennungs- und Würdigungskultur hervor, da diese zum einen eine existenziell wichtige Motivationsquelle ist und zum anderen einen effektiven Weg darstellt, um eine gerechte Beteiligung der Geschlechter sicherzustellen.
Die Laudationes hielten Sophie Charlotte Rieger, freie Journalistin und Bloggerin (Filmlöwin), und Silke Johanna Räbiger, die ehemalige Leiterin des Internationalen Filmfestivals Dortmund/Köln, beide Mitglieder der Jury, die über die Preisträgerinnen entschieden hatte.


Sophie Charlotte Rieger hob in ihrer Laudatio für Ana Monte hervor, dass mit der Auszeichnung der Tonmeisterin auch der Blick auf ein von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenes, für den Tonfilm aber zentrales Gewerk gelenkt werde, das überdies „zu den Gewerken mit dem niedrigsten Frauenanteil gehört“. Deshalb steche Ana Monte insbesondere in ihrer Spezialisierung auf actionbasierte Formate und Virtual Reality positiv heraus und werde zur Vorbildfigur. „Wir freuen uns, heute mit Ana Monte eine Künstlerin zu prämieren, die uns mit spürbarer Leidenschaft für den Filmton in all seinen Facetten, handwerklicher Professionalität und einer großen kreativen Bandbreite begeistert hat. Dabei zeichnen wir nicht nur Ana Montes Mitarbeit an konkreten Filmprojekten aus, sondern alle ihre Arbeiten, zu denen neben einzelnen Filmprojekten auch die Gründung eines eigenen Unternehmens (...) sowie (...) Lehrtätigkeiten gehören“, fasste Sophie Charlotte Rieger die Gründe für die Auszeichnung Ana Montes zusammen.
„Laura Staab ist es wichtig, das Individuum in seiner Komplexität wahrzunehmen – mit seinen Bedürfnissen, Wünschen und Ängsten. Seiner Einzigartigkeit will sie in ihren Filmen Raum und vor allem Zeit geben“, skizzierte Silke Johanna Räbiger in ihrer Laudatio das Anliegen der Helene-Hecht-Nachwuchspreisträgerin. Ihre Filme, so Silke Johanna Räbiger, zeichnen sich durch dichte, geometrisch aufgebaute Bildkompositionen aus und werden von einer subtilen Tongestaltung unterstützt. „Rückblenden verstärken die nonlineare Erzählweise, die Filme bleiben rätselhaft und verweigern sich einem schnellen Zugriff. Damit schafft Laura Staab ein Kino, welches das Publikum im besten Sinne herausfordert“, begründet sie die Entscheidung der Jury.


Eine lobende Erwähnung erhielt Amber Laurène Arundel, die mit 14 Jahren jüngste Bewerberin für den Helene-Hecht-Nachwuchspreis. Der Film „My Story – Deine Story“, der von Angststörungen und Depressionen handelt, beeindruckte die Jury, so Silke Johanna Räbiger, da er dem Publikum mit stilistisch einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln eine wichtige inhaltliche Botschaft vermittle.
Die fachliche Betreuung sowie die Auswahl und Begleitung der Jury oblagen Sabine Fischer, Geschäftsführerin des Cinema Quadrats, und Dr. Kathrin Lämmle, Leiterin des Jugendkulturzentrums Forum und Projektleiterin des Kurzfilmfestivals „Girls go movie“, beide Mitglieder des FrauenKulturRats. Die Preise sind nach der Mannheimer Mäzenin Helene Hecht (1854–1940) benannt, die in ihrem Salon den Austausch von Künstler*innen und Kulturschaffenden ermöglichte. Sie starb 86-jährig auf der Deportationsfahrt der badischen und pfälzischen Juden in das Lager Gurs in Südfrankreich. Durch die Benennung der Preise nach Helene Hecht will der FrauenKulturRat an diese außergewöhnliche Frau erinnern.

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