Kultur - 28.12.2011

Helene-Hecht-Preis 2012 vergeben

Kreativ, brillant und technisch perfekt ist die eine, hochbegabt, grenzüberschreitend und engagiert die andere, so das Urteil der Jury. Nach einer Marathonsitzung waren die Helene-Hecht-Preisträgerinnen 2012 gefunden. Einstimmig.

Der dieses Jahr im Bereich Populäre Musik ausgelobte Helene-Hecht-Preis für Künstlerinnen in der Metropolregion geht an die Bassistin Angie Taylor in der Kategorie „ausübende Künstlerin“ und an die Geigerin Marie-Luise Dingler für ihr musikpädagogisches Engagement. Ein Sonderpreis wird der Filmkomponistin Elena Maier verliehen. Neben dem Können hatte die Vielseitigkeit der drei Künstlerinnen die Jury besonders beeindruckt
 
Angie Taylor erhält den Preis in der Kategorie „ausübende Künstlerin“. Sie ist eines der großen Talente der Popakademie Mannheim und kann schon auf eine beeindruckende Liste von Produktionen und Konzertauftritten verweisen. Sie arbeitet mit Musikern wie Gagey Mrotzek (Grönemeyer), Wizard (Mothers Finest), The Flames, Charles Shaw (Milli Vanilli), und den NDW Stars Hubert Kah (Sternenhimmel), Markus (Ich will Spaß) und Joachim Witt. Angie Taylor ist nicht nur als Bassistin, sondern auch als Songschreiberin und Produzentin unterwegs. Zurzeit arbeitet sie an ihrem Live-Elektro-Album und macht ihren Master in „Performing Arts“ an der Popakademie. Angie Taylor lebt in Viernheim.
 
Die in Mannheim lebende Geigerin Marie-Luise Dingler bekommt den Preis in der Kategorie „pädagogisches Engagement“. Sie tritt musikalisch gemeinsam mit ihrem Bruder Christoph unter dem Namen „The Twiolins“ auf. Ausgezeichnet wird Marie-Luise Dingler für den mit ihrem Bruder gegründeten und organisierten Crossover Composition Award, an dem 2009 100 Komponistinnen und Komponisten aus 16 Ländern teilnahmen. Mit diesem international ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb wird das Repertoire für zwei Violinen vergrößert und weiterentwickelt. Und sie engagiert sich bei den „Junior Philharmonikern“. In den Ferien können hier kleine Musikerinnen und Musiker, die ein Streichinstrument spielen, wie in einem richtigen Orchester proben und ein Konzert geben.
 
Die Preisträgerin des Sonderpreises, Elena Maier, hat neben ihrem Musikstudium in Wiesbaden und Frankfurt an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert und einen Abschluss im Fach Filmmusik und Sounddesign gemacht. Animationsfilme, Werbespots und Dokumentarfilme werden von ihr nach eigenen Kompositionen musikalisch unterlegt. Elena Maier lebt in Ludwigshafen.
 
Die hohe Qualität der eingereichten Bewerbungen hatte die Jury vor eine schwierige Aufgabe gestellt. „Wir sind beeindruckt von der Vielfalt an Können und Kreativität der Musikerinnen. Es wurde wieder einmal deutlich, wie viele talentierte Frauen es in unserer Region gibt“, so Ilse Thomas, Frauenbeauftragte der Stadt und Geschäftsführerin des FrauenKulturRates, der diesen Preis auslobt. Die dreiköpfige Fachjury bestehend aus Janina Klabes, Ann Malcolm und Beril Yilmam rief spontan einen Sonderpreis ins Leben, der an die Filmkomponistin und Musikerin Elena Maier geht. „Wir hatten in der Ausschreibung einen klaren musikalischen Rahmen gesetzt und waren überrascht, dass auch Filmmusik eingereicht wurde. Doch die außergewöhnlichen Kompositionen von Elena Maier haben uns so überzeugt, dass wir ihre Arbeit mit einem Sonderpreis wertschätzen möchten,“ erklärt Beril Yilmam, Popbeauftragte der Stadt. Für diesen Sonderpreis gab es ebenso spontan Unterstützung. „Das Kulturbüro der Metropolregion, die Musikpark GmbH und die FilmCommission haben sich sofort bereit erklärt, diesen Sonderpreis zu finanzieren“, freut sich Janina Klabes vom Clustermanagement Musikwirtschaft.
 
So werden 2012 erstmals drei Künstlerinnen mit dem Helene-Hecht-Preis ausgezeichnet. Der mit insgesamt 3.000 Euro dotierte Preis wird im Rhythmus von zwei Jahren in wechselnden Sparten verliehen. „Unser besonderer Dank gilt der MVV Energie, der Jüdischen Gemeinde Mannheim, der Naphtali-Epstein-Fördergesellschaft und dem Kulturamt für deren finanzielle Unterstützung des Helene-Hecht-Preises“; so Ilse Thomas.
 
Die Preisverleihung findet am Freitag, 17. Februar 2012 durch Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz statt.
 
Hintergrundinformation:
Der Helene-Hecht-Preis ist nach der Mannheimer Mäzenin Helene Hecht (1854 – 1940) benannt. Als außerordentlich gebildete und kulturell vielseitig engagierte Frau führte sie neben Berta Hirsch den größten Salon in Mannheim. In ihrem Haus ermöglichte sie die Begegnung und den Austausch zwischen Kulturschaffenden unterschiedlicher Gattungen. Johannes Brahms war häufiger Gast im Haus von Helene Hecht, Lenbach porträtierte sie und Werke von Feuerbach gehörten zur Ausstattung des Hauses.
 
Helene Hecht starb 86-jährig auf der Deportations-Bahnfahrt der badischen und pfälzischen Juden in das Lager Gurs in Südfrankreich. Ihr tragisches Ende zeigt, dass auch eine außergewöhnliche Lebensleistung nicht mehr anerkannt wird, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen ändern. Der FKR will durch die Benennung des Preises nach Helene Hecht an diese außergewöhnliche Frau erinnern.
 
Der FrauenKulturRat steht für die Stärkung der Chancengleichheit im Mannheimer Kulturleben. Dem Gremium gehören sechs Vertreterinnen aus Kultur, Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft an.