23.02.2018

Gedenkveranstaltung für Geschwister Scholl

„Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann seine Zukunft gestalten“ – mit einem eindringlichen Appell „Farbe zu bekennen“ und auch in der heutigen Zeit mutig für demokratische Werte wie Freiheit, Toleranz, Gerechtigkeit und Frieden einzutreten, richtete sich Bildungsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb anlässlich der Gedenkfeier zum 75. Todestag der Geschwister Scholl an die Zuhörer.

Die Geschwister-Scholl-Schulen hatten anlässlich des Todestages der Namensgeber Hans und Sophie Scholl, die gegen die nationalsozialistische Herrschaft Widerstand geleistet hatten und dafür am 22. Februar 1943 zum Tode verurteilt worden waren, schulübergreifende Projekttage organisiert und zu dem Gedenktag eingeladen

„Farbe bekennen“ bedeute, sich zu einer Sache zu bekennen, seine Meinung offen zu äußern und mutig zu vertreten – auch wenn oder gerade weil sie unpopulär ist, sagte Freundlieb in ihrer Ansprache. Unsere Gesellschaft sehe sich auch aktuell vielen Herausforderungen gegenüber: Fremdenhass, Ausgrenzung, Gleichgültigkeit. Jüngste politische Entwicklungen und Wahlergebnisse in Deutschland, aber auch in Mannheim zeigten deutlich, „dass die aktive Auseinandersetzung mit den Gräueltaten des NS-Regimes, das Erinnern und Gedenken ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Erinnerungskultur sein muss“, betonte die Bürgermeisterin. In der Vergangenheit seien Fremdenhass, Ausgrenzung und Verfolgung bis in den Tod  staatlich verordnet und aus der Mitte der Gesellschaft her umgesetzt worden. Heute sehe sie die Situation, dass aus der Mitte der Gesellschaft Segregation und Fremdenfeindlichkeit propagiert würden. „Jetzt ist es für jeden Einzelnen an der Zeit, sich zu regen. Wenn wir jetzt nicht aufwachen und in unserem Alltag, in unseren Lebenswelten aktiv werden, wird es uns nicht gelingen, die Werte unserer pluralistischen, demokratischen, toleranten und offenen Stadtgesellschaft in der nächsten Generation nachhaltig zu verankern“, unterstrich Freundlieb. Die Geschwister-Scholl-Schulen leisteten hierbei mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag. „So kann von der Vogelstang eine Signalwirkung ausgehen, von der ich hoffe, dass sie sich überall im ganzen Stadtgebiet verteilt“, so die Bildungsdezernentin abschließend.

Zu Beginn des Tages hatten die Schüler in Erinnerung der Widerstandsorganisation „Weiße Rose“ tausend weiße Luftballons in die Luft steigen lassen – ein Symbol der Hoffnung. In den erarbeiteten Projekten haben Schüler und Lehrer das Schulhaus in ein „lebendes Museum“ verwandelt. Lebendige Alltagsgegenstände aus der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte berichteten über ihre Erlebnisse. So erzählte beispielsweise ein weißes Spitzentaschentuch davon, dass es früher Tränen der Freude bei Hochzeiten getrocknet habe, seit der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft nur noch Tränen der Verzweiflung.

Die Schulleiter von Gymnasium, Realschule und Werkrealschule, Silke Herr, Rainer Fischer und Matthias Kaiser erläuterten, dass sich die Schüler während der Projekttage intensiv mit den Geschwistern Scholl und Werten wie gelebter Toleranz, Wertschätzung und gegenseitigem Respekt beschäftigt haben. Dabei sei das Motto der Projekttage „Farbe bekennen“ entstanden.
Mit einer szenischen Darstellung aus einem Theaterprojekt sowie einer musikalischen Darbietung mit Klavier und Geige wurde die Gedenkveranstaltung künstlerisch umrahmt.

Medien