Politik & Verwaltung - 02.05.2019

Festveranstaltung "Soziales Mannheim"

Das Soziale sei „immer mehr als eine reine Frage von Verteilung von wirtschaftlichen Werten – sondern von umfassender Teilhabe“, betonte Dr. Peter Kurz. Moderatorin Gerburg Maria Müller hatte den Oberbürgermeister zuvor gefragt, was der Begriff „Soziales Mannheim“ für ihn bedeute. Unter dem Titel „Soziales Mannheim“ firmierte auch die Festveranstaltung, zu der die Stadt am Vorabend des „Tags der Arbeit“ am 1. Mai und vor dem Hintergrund zweier geschichtsträchtiger Jubiläen in den Bürgersaal des Stadthauses N1 eingeladen hatte: Die Arbeiterwohlfahrt, AWO, feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen und der Deutsche Gewerkschaftsbund, DGB, blickt auf 70 Jahre seit seiner Gründung zurück. Diese für das ganze Land prägenden Ereignisse hatte die Stadt zum Anlass genommen, ihren traditionellen, seit über 50 Jahren ausgerichteten Gewerkschaftsempfang in erweitertem Rahmen gemeinsam zu feiern - und unter besagtem Motto „Soziales Mannheim“ das Engagement der Arbeiterwohlfahrt, der in den Gewerkschaften engagierten Menschen sowie der Frauen und Männer, die sich als Betriebs- und Personalräte in der Region einsetzen, zu würdigen.
 
Vor einer Talkrunde, an der neben dem Oberbürgermeister auch Angelika Weinkötz, Vorständin des AWO Kreisverbandes Mannheim, und Lars-Christian Treusch, Regionsgeschäftsführer der DGB-Region Nordbaden, auf dem Podium Platz nahmen, hatten Schauspielerin Bettina Franke und Akkordeonist Laurent Leroi die Veranstaltung mit künstlerisch-historischen Blitzlichtern zu AWO und DGB eingeläutet: Mit dem Lied „Nous sommes deux“ sprang Franke zurück zum Gründungskongress des DGB im Oktober 1949 und dessen damals formulierten Grundsatzforderungen. Nach „Brot und Rosen“ widmete sie sich dann mit ihrer Textrezitation dem Wirken der Sozialreformerin und Frauenrechtlerin Marie Juchacz, die im Dezember 1919 die AWO gegründet hatte.
 
„Das soziale Heute hat noch einmal eine weitere Dimension, die in der Breite sicher nicht gesehen werden konnte vor 70 Jahren“, merkte Dr. Peter Kurz beim anschließenden Podiumsgespräch an. „Das ist nämlich die Frage einer hoch ausdifferenzierten, vielgestaltigen Gesellschaft“, die Frage, „wie man in einer solchen Gesellschaft Zusammenhalt lebt“ und „wie man einen solchen Begriff wie Solidarität versteht“ - der heute sicher viel weiter zu fassen sei, als in der Vergangenheit.
 
„Es geht nicht nur ums Verteilen, sondern tatsächlich um das Teilnehmen“, stimmte Angelika Weinkötz dem OB mit Blick auf die „Soziale Stadt“ zu. In Mannheim gebe es sehr, sehr viele Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. „Gleichwohl kann man immer etwas noch besser machen. Denn ich glaube es ist schon auch wichtig, dafür Sorge zu tragen, dass wirklich alle Menschen angesprochen werden“, unterstrich Weinkötz. Zwei Aspekte erschienen ihm in dieser Hinsicht essentiell, führte Lars-Christian Treusch aus: „Alle Menschen, gleich welcher Einkommensklasse, müssen in der Lage sein, in der 'Sozialen Stadt' ein gelingendes Leben zu führen“, erläuterte er. Indes: „Sich beteiligen ist eins, das andere ist aber auch, dass sie, was sie für sich wünschen, auch verwirklichen zu können“, sie die Chance zu haben, dies zu schaffen, so der DGB-Regionsgeschäftsführer. Das Zweite sei – und das zeichne eine Stadt wie Mannheim durchaus aus - „dass sie sich auch um die Geschicke der Menschen, die arbeiten, kümmert und sich dafür interessiert“, bekräftigte Lars-Christian Treusch.
 
„Man vertritt gemeinsam Interessen – solidarisch - und identifiziert überhaupt gemeinsame Interessen“, führte Dr. Kurz zur Definition des Begriffes Solidarität aus. „Und daran fehlt es im Moment ganz stark“, sagte er unter anderem mit Blick auf „politische Zersetzungsprozesse“ in den USA und Europa. Das „wechselseitige Zusammenstehen“ sei eine genauso wichtige Dimension, hob Dr. Peter Kurz hervor. Wenn der andere nicht als gleichwertig angenommen und gewertet werde - „das zerstört natürlich Gesellschaft“, mahnte er. „Die Rolle eines Oberbürgermeisters ist genau die, dafür zu sorgen, dass alle, die in der Stadt leben, das Gefühl haben können, dass sie dazugehören und dass es ihre Stadt ist. Und dass sie auch so betrachtet werden von Seiten der öffentlichen Repräsentanten." Wenn damit angefangen werde, dass erhebliche Teile der Bevölkerung dieses Gefühl nicht haben könnten, „dann spalten wir mit in die Gesellschaft hinein und erzeugen natürlich das Gegenteil von Solidarität“, so Dr. Peter Kurz.
 
„Wir haben unseren Solidaritätsbegriff als Stadt nicht nur auf die eigene Gesellschaft formuliert“, berichtete er weiter. Vielmehr sei es Teil des diesen März beschlossenen „Leitbilds Mannheim 2030“,auch international in Kooperation mit Städten in aller Welt einen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit zu leisten.
Der Oberbürgermeister betonte zudem die Bedeutung sowohl der bevorstehenden Kommunal- wie der Europawahl und appellierte an alle, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Gemeinsam wurde auch der musikalische Abschluss der Festveranstaltung gestaltet - mit den im Chor angestimmten Liedern „Wann wir schreiten Seit' an Seit'“ und „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“, bevor sich die Festgäste im Anschluss zu einem Imbiss und Gesprächen zusammenfanden.
 
 

 

Medien