Tourismus, Freizeit & Events - 07.11.2018

Entwicklung des Hotelmarktes in Mannheim

Mannheim ist auf dem besten Weg, eine der Top-Destinationen für Städtereisen im Südwesten zu werden. Von 2004 bis 2017 wuchs die Zahl der ankommenden Gäste um 71 Prozent, die Zahl der Übernachtungen sogar um 85 Prozent. Damit nimmt Mannheim innerhalb der deutschen Großstädte eine der führenden Positionen ein. Die stark angestiegene Nachfrage in den vergangenen Jahren führte insgesamt zu einer erhöhten Bettenauslastung, die 2017 einen Höhepunkt von 49,9 Prozent erreichte. Das lässt Mannheim aktuell zu einem interessanten Standort für neue Hotelprojekte werden. Um einschätzen zu können, wie sich die Hotelkapazitäten und der -bedarf in Mannheim in den nächsten zehn Jahren entwickeln werden, haben die städtischen Fachbereiche Wirtschafts- und Strukturförderung und Stadtplanung sowie die Stadtmarketing Mannheim GmbH eine Untersuchung zur Entwicklung des Mannheimer Hotelmarktes in Auftrag gegeben.

Laut Dr. Wolfgang Miodek von der Wirtschafts- und Strukturförderung bestätigt die Studie, „dass der Mannheimer Hotelmarkt von einem guten Mix aus inhabergeführten und von Hotelgesellschaften betriebenen Hotels gekennzeichnet ist. Die Häuser sind hauptsächlich im 3- bis 4-Sterne-Bereich angesiedelt und sprechen vorwiegend Geschäftsreisende an.“ Die größte Zimmerkapazität entfällt auf die Hotels der 4-Sterne-Kategorie. 15 Betriebe im 4-Sterne-Sektor bieten 56 Prozent des Hotelzimmerangebotes in Mannheim an. Im 5-Sterne-Segment besteht zurzeit kein Angebot in Mannheim. Der Low-Budget-Bereich ist aktuell mit zehn Prozent des Zimmerangebots im Vergleich zu anderen Großstädten eher unterrepräsentiert. Ein wichtiger Hinweis für die Wirtschaftsförderung ist dabei auch, dass sich das Mannheimer Hotelangebot räumlich stark auf das Dreieck Hauptbahnhof – Innenstadt – Oststadt konzentriert, während es in den Gewerbegebietslagen im Norden und Süden ein geringeres Übernachtungsangebot gibt.

Derzeit befinden sich sieben Hotels im Bau, zudem sind mehrere in Planung. Die in Planung und Bau befindlichen Betriebe konzentrieren sich auf das Bahnhofsumfeld, weitere entstehen in den Quadraten sowie in der Nähe des Europaplatzes. Abgedeckt werden Hotelkategorien von einem bis vier Sternen. Gleichzeitig entstehen zunehmend Angebote im Bereich „Longstay“ für Geschäftsreisende, die länger als eine Woche bleiben. „Die innerstädtische Lage der Hotelbetriebe ist sowohl für den Tagungs- und Kongressmarkt als auch für Geschäftsreisende und private Gäste attraktiv. Dabei ergänzen die Hotels auf dem ehemaligen Postareal am Hauptbahnhof sowie im Glückstein-Quartier die Büro- und Wohnnutzung und führen damit zu einer Nutzungsmischung in den neuen Quartieren. Auch die geplanten neuen Angebote am Paradeplatz und im Bereich der Breiten Straße werden zur Belebung der Innenstadt beitragen“, sagt Dr. Hanno Ehrbeck vom Fachbereich Stadtplanung.

Durch die Hotelansiedlungen wird auch die Attraktivität Mannheims als Wirtschaftsstandort deutlich erhöht, weshalb die Wirtschaftsförderung das verbesserte Übernachtungsangebot und die damit verbundenen Investitionen begrüßt. Wirtschaftsförderung und Stadtplanung stehen allerdings weiteren Hotelanfragen kritisch gegenüber. „Soweit dies von städtischer Seite beeinflusst werden kann, soll der Mannheimer Hotelbesatz möglichst nicht überlastet werden“, so Dr. Miodek. Das begrüßt auch Martina Braun als Vertreterin des Vereins Hotels², in dem sich 20 Hotels zusammengeschlossen haben: „Es ist der Hotellerie nicht damit gedient, wenn es zu einem Verdrängungswettbewerb käme. Ein sozusagen inflationärer Hotelmarkt wäre kein gutes Image. Die unseres Erachtens rein kapitalgetriebene Nachfrage mancher Investoren am Hotelstandort Mannheim deckt sich nicht mit der derzeitigen Nachfrage vor Ort nach Hotelzimmern. Um dauerhaft wirtschaftlich agieren zu können, benötigen die Hotels eine Grundauslastung von mindestens 60 Prozent.“

Gemeinsam mit Partnern das Wachstum stärken
 
Die Steigerung der Bettenzahl wird sich auf den Wettbewerb im Mannheimer Hotelmarkt auswirken. Die Stadtmarketing Mannheim GmbH erkennt darin die Chance, dass bereits bestehende Angebote durch neue Hotelkonzepte vielfältiger und somit für neue Zielgruppen interessanter werden. Gemeinsame Aufgabe in den nächsten Jahren wird es vor allem sein, die Nachfrage zu steigern und das Wachstum zu stärken. Die aktuellen Zahlen zeigen bereits jetzt eine überdurchschnittlich starke Steigerung der Übernachtungszahlen im landesweiten Vergleich. „Aus touristischer Sicht sehen wir diese Entwicklung positiv. Insbesondere vor dem Hintergrund des erhöhten Bedarfs an Betten in Spitzenzeiträumen wie zum Beispiel bei Kongressen und Veranstaltungen sowie während der anstehenden Bundesgartenschau Mannheim 2023. Bei diesen Anlässen wird die entstehende Kapazität benötigt werden“, so Karmen Strahonja, Geschäftsführerin der Stadtmarketing Mannheim GmbH.

Im Vergleich zu anderen deutschen Städten ist der Anteil der Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland mit 21,3 Prozent vergleichbar gering. Allerdings liegt Mannheim damit noch über dem Bundesdurchschnitt, der etwa 18 Prozent beträgt. Im Tagungs- und Kongressmarkt, einem der wichtigsten Nachfragesegmente in Mannheim, gibt es bisher wenige Hotels mit großem Zimmerangebot und umfangreichen Angebot an Veranstaltungskapazitäten. Die Studie zeigt jedoch auch, dass sowohl bei der Anzahl ausländischer Gäste als auch bei Angeboten für Tagungsgäste ein nachhaltiges Steigerungspotenzial besteht. Mannheims hervorragenden Lage und die Potenziale als Wirtschafts- und Wissenschaftsmetropole sowie die Nähe zu Luxemburg, Frankreich, der Schweiz und den touristisch attraktiven Regionen der Bergstraße und Weinstraße sind hierbei wichtige positive Faktoren. Um das Potenzial bestmöglich auszuschöpfen, arbeitet das Stadtmarketing an einem fundierten Tourismuskonzept, das auf Basis von Erhebungen und Analysen eine auf mehrere Jahre angelegte Marketingstrategie enthalten wird. Auch verstärkte Maßnahmen, um weitere ausländische Touristen zu gewinnen, werden erfolgen. Der Fokus der Marketingaktivitäten wird dennoch primär auf dem Hauptquellmarkt Deutschland liegen.

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