Kultur - 17.03.2022

Emine Sevgi Özdamar erhält Schillerpreis

Der Schillerpreis 2022 wird an die Schriftstellerin, Schauspielerin und Regisseurin Emine Sevgi Özdamar verliehen. Das beschloss der Gemeinderat der Stadt Mannheim am 14. März 2022 in nicht öffentlicher Sitzung. Der Gemeinderat folgte damit dem Vorschlag des Preisgerichts.
 
„Die Schriftstellerin, Schauspielerin und Regisseurin ist 1946 in der Türkei geboren. Sie lebt in Berlin. In ihren Theaterstücken und durch ihre Istanbul-Romantrilogie hat sie einem großen Publikum die Binnensicht von Migranten und mehrschichtiger kultureller Identitäten nahegebraucht. Doch gegen die Festlegung auf ihre Herkunftsidentität erhebt sie Einspruch, ebenso gegen ihre Würdigung als Autorin allein mit Blick auf die „Migrantenthematik“ statt mit Blick auf die Eigenart ihres Schreibens. Dieser doppelte Einspruch prägt ihren jüngsten, autobiographischen Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ (2021)“, begründet das Preisgericht die Wahl. Dieser dichte Lebensrückblick zeichnet ihren Weg von Istanbul nach Berlin im Jahrzehnt nach dem Militärputsch 1971 in der Türkei nach, wo sie schon 1968 in der Schauspielschule Georg Büchner entdeckte, die Lehrjahre bei Benno Besson und Matthias Langhoff in Ostberlin, die Faszination durch das intellektuelle Leben in Paris, das Hineinwachsen in eine ästhetische Internationale in Theater, Literatur, Film und Bildender Kunst.
 
„Mit dem Schillerpreis ehren wir Persönlichkeiten, die durch ihr Schaffen zur kulturellen Entwicklung in hervorragender Weise beitragen. Das Wirken von Emine Sevgi Özdamar ist in vielen Dimensionen Grenzen überschreitend. Sie ist in vielen Ländern, Zeiten und Künsten zuhause und wirkt als Schauspielerin, Regisseurin und Autorin. Das spiegelt sich nicht zuletzt in ihrem monumentalen autobiographischen Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“. Ihre Flucht vor Unterdrückung und Unfreiheit und ihr tiefes Verständnis der deutschen Literatur verbindet sie in besonderer Weise mit Schiller“, würdigt Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz das Wirken von Özdamar in seiner Funktion als Vorsitzender des Preisgerichts. Weiterhin gehören Kulturbürgermeister Michael Grötsch und Kulturamtsleiterin Sabine Schirra sowie die Juroren Luzia Braun, bis 2019 stellvertretende Leiterin des ZDF-Kulturmagazins „aspekte“, die Literaturkritikerin, Moderatorin und Publizistin Dr. Insa Wilke und Professor Dr. Lothar Müller, Journalist, Literaturkritiker und Literaturwissenschaftler, dem Preisgericht an, darüber hinaus jeweils ein Vertreter der Fraktionen und Gruppierungen im Gemeinderat.
 
Der Schillerpreis 2022 ist mit 20.000 Euro dotiert. Mit dem Schillerpreis, der alle zwei Jahre von der Stadt Mannheim verliehen wird, werden Persönlichkeiten geehrt, die durch ihr Schaffen zur kulturellen Entwicklung in hervorragender Weise beigetragen haben. Er wurde 1954 anlässlich des 175. Jubiläums des Nationaltheaters gestiftet und erinnert an das Wirken des jungen Dramatikers, dessen „Räuber“ 1792 in Mannheim uraufgeführt wurden
 
Emine Sevgi Özdamar wuchs in Istanbul auf, wo sie die Schauspielschule besuchte. Mitte der siebziger Jahre ging sie nach Berlin und Paris und arbeitete mit den Regisseuren Benno Besson, Matthias Langhoff und Claus Peymann. Sie übernahm zahlreiche Filmrollen und schreibt seit 1982 Theaterstücke, Romane und Erzählungen. Emine Sevgi Özdamar lebt in Berlin.

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